Datenschutz wird gelockert
USA kommen den Terrorkonten nur schwer auf die Spur

Am 10. September 2001 hob Mohamed Atta 300 $ von einem Geldautomaten der Key Bank in Portland ab. Am nächsten Tag sollte der Terrorist eines der Flugzeuge mit tödlicher Mission betreten. Seine Komplizen hatten zuvor bei der Dime Banc Corp. in Florida Konten eröffnet. Jedes nur mit ein paar Tausend Dollar.

hus/coh WASHINGTON/NEW YORK. Die auf den Kampf gegen den Terrorismus eingeschworenen US-Behörden haben ein Problem: Terroristen leben oft wie Studenten und ihre Netzwerke sind über viele Länder verstreut. Sie finanziell auszutrocknen, gilt als nahezu unmögliches Unterfangen. Trotzdem haben US-Regierung, Geheimdienste und auch Banken in einer groß angelegten konzertierten Aktion vor, der Organisation Bin Ladens den Geldhahn abzudrehen. Der ungehinderte Austausch von Informationen zwischen Geheimdienst und Banken steht dabei ebenso auf der Aktionsliste wie das Einschreiten der US-Regierung gegen verdächtige Konten-Inhaber.

Die bislang spektakulärste Aktion: Die US-Regierung fror in großem Umfang ausländische Konten ein. So kam am Sonntag auch Abdul Manan Agha nicht mehr an sein Konto. Nach Ansicht der US-Behörden gehört der Pakistani zum finanziellen Netzwerks von Osama bin Laden. Agha behauptet dagegen, nur mit Obst zu handeln. 66 Konten wurden bislang eingefroren. Die Informationen werden weltweit publik gemacht, damit auch ausländische Banken die Konten sperren. "Bisher läuft die Zusammenarbeit sehr gut", teilte das US-Finanzministerium auf Anfrage mit. Zur Summe der bis jetzt eingefroren Gelder wollte die Behörde nichts sagen. Bis Ende September hatten die US-Behörden allerdings 24 Mill. $ von 27 kriminellen Vereinigungen und Personen festgesetzt.

Um die Konten aufzudecken, durchsuchen die rund 8 000 US-Banken mit einer Software ihre Datenbank nach den Namen der mutmaßlichen Mitglieder der terroristischen Organisationen. Die Regierung übt dabei heftigen Druck aus: Arbeitet eine Bank mit einer als Terroristen ausgewiesenen Person zusammen, verliert sie ihre Lizenz.

Doch das Aufspüren der Gelder ist nach Ansicht des Finanzexperten Sunil Dasgupta vom renommierten Brookings Institut nur der erste Schritt. Langfristig müsse jeder einzelne Transaktionsweg nachgezeichnet werden. Nach seiner Ansicht stammt ein großer Teil des Geldes von bin Ladens Organisation El Kaida aus Spenden. Sie würden auf der Straße und in Moscheen in den USA gesammelt. Das Geld wird weltweit transferiert. "Es wird so schnell verschoben, dass die Wege kaum noch nachzuzeichnen sind", erklärt Dasgupta.

Neue Hotline zum Capitol Hill eingerichtet

Die bisherigen gesetzlichen Regelungen geben da kaum eine effektive Handhabe. Das US-Gesetz verlangt von den Banken lediglich, dass sie Überweisungssummen von mehr als 10 000 $ melden - Beträge, die beim jüngsten Terroranschlag kaum im Spiel waren. Jetzt ermöglicht eine neue Hotline zum Capitol Hill in Washington, Auffälliges ohne Umwege den Behörden zu melden. Außerdem sollen Geheimdienst und Banken künftig ihre Informationen über mögliche Terroristen teilen. Eine entsprechend Gesetzesinitiative wurde bereits auf den Weg gebracht. Bisher teilte der Geheimdienst seine Daten nur mit, wenn ein berechtigter Tatverdacht bestand.

Muster zu erkennen und verdächtige Konteninhaber herauszufinden, ist auch für die Wertpapieraufsichtsbehörde SEC schwer. Seit Mitte September untersucht sie, ob die El Kaida schon vor den Attacken mit Leerverkäufen von Aktien großer Fluggesellschaft und eventuell auch dem Kauf von Rüstungswerten Geld gemacht hat. Bis jetzt ohne Ergebnis.

Auch dass die US-Behörden größere Summen in Steuerparadiesen wie den Cayman Inseln finden ist unwahrscheinlich. "Sie werden schon seit Jahren scharf von den US-Behörden bewacht", so Dasgupta. Den Großteil des Geldes vermutet er im asiatischen und arabischen Raum, wo es über den Schwarzmarkt ohne Zugriff auf das Bankensystem transferiert werde.

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