Datenübertragung an mobile Mitarbeiter optimiert
PDA empfängt E-Mail aus dem Firmennetz

Speziell für Firmenkunden wurde ein Minicomputer entwickelt, der E-Mails sicher über das Mobilfunknetz an die Mitarbeiter unterwegs überträgt. Eine Minitastatur erleichtert das Erfassen von Daten.

DÜSSELDORF. Der kanadische Hersteller Research in Motion hat speziell für Firmenkunden einen Minicomputer entwickelt, mit dem unterwegs nicht nur Termine geplant und Daten verwaltet werden können, sondern auch E-Mails empfangen und gesendet werden können. Das Besondere an dem Gerät: Es ist technisch gesehen ein mobiles Terminal, das selbst keine Daten speichert. Alle Informationen sind auf einem Netzrechner im Unternehmen abgelegt und werden bei Bedarf über das Mobilfunknetz an das mobile Terminal übertragen.

Der kleine Helfer heißt Blackberry, passt bequem in jedes Sakko und jede Hemdtasche und verfügt über eine fest eingebaute Tastatur, mit der man trotz winziger Abmessungen sogar recht flott schreiben kann. Der in China gefertigte Blackberry wirkt auf den ersten Blick wie ein Minicomputer (PDA) - Geräte, wie sie zurzeit von einer Vielzahl von Anbietern auf der Cebit gezeigt werden.

Allerdings verfügt der Blackberry zusätzlich über die gesamte Elektronik eines Handys, wodurch er vor allem in Konkurrenz zu den so genannten Smart Phones tritt, wie sie mit dem Communicator von Nokia oder mit dem Accompli von Motorola angeboten werden. Die beiden Businesshandys sind ebenfalls mit Software für die Terminplanung ausgestattet und können über die neue schnelle Übertragungstechnik GPRS E-Mails senden und empfangen.

Wer jedoch einen Blackberry im nächsten Laden kaufen will, sucht vergeblich. Der Netzbetreiber Viag Interkom und das Systemhaus Actebis, das zum Otto Konzern gehört, bieten das handtellergroße E-Mail-Terminal ausschließlich als Komplettpaket für Industriekunden an. Ab Sommer will auch T-Mobile seinen Geschäftskunden den Blackberry anbieten. Der Netzbetreiber wird das Empfangsgerät ebenfalls auf der Cebit vorgestellen. "Ab Sommer starten wir dann den Dienst und geben auch die Preise bekannt", so T-Mobile - Sprecher Rene Bresgen.

Die Daten werden komprimiert und verschlüsselt

Der Blackberry wurde für den mobilen E-Mail-Empfang optimiert. Das Gerät ist über GPRS europaweit ständig online. Jede neue E-Mail an den Besitzer des Blackberry wird direkt von dem Unternehmensrechner über einen so genannten Push-Dienst an das mobile Gerät weitergeleitet. Die Daten werden verschlüsselt übertragen, damit Unbefugte mit den Informationen nichts anfangen können. Einkommende Nachrichten machen sich per Tonsignal oder Vibratoralarm bemerkbar.

Der beim Kunden installierte Server presst mit einer speziellen Software jeweils zwei Nachrichten zu einem 2 Kilobyte großen Paket zusammen, das dann an das Empfangsgerät geschickt wird. "Statt einem Euro pro Mail", so erläutert Frank J. Demmer von Viag Interkom, "kostet ein elektronischer Brief so nur noch wenige Cent". Überflüssige Formatierungen fallen dem Text-Minimalismus genauso zum Opfer wie angehängte Dateien, denn die schneidet die Software einfach ab. Nur auf ausdrücklichen Wunsch wird ihr Inhalt dem Empfänger doch noch zugeschickt.

Die gesamte Intelligenz wird im Firmennetz vorgehalten. Es gilt, einen Exchange Server von Microsoft zu konfigurieren und Lotus Domino in Gang zu setzen. Deshalb ist es weder bei Viag Interkom noch bei T-Mobil möglich, mit dem Blackberry ein normales E-Mail-Postfach bei einem Provider im Internet anzusprechen. Typische Zielgruppen für den Blackberry sind Mitarbeiter in mittleren und größere Unternehmen, die häufig auf Achse sind. Starkes Interesse zeigen Konzerne wie die Deutsche Bank, Bertelsmann und die Kölner Rück, bei denen zurzeit ein Beta-Test läuft.

Gerade Firmenkunden interessieren sich für das Konzept, wie man bei Actebis glaubt. Ein gestohlenes Notebook kann für ein Unternehmen eine Katastrophe bedeuten, wenn es wichtige Firmeninfos enthält. Ein verschlampter Blackberry dagegen enthält nichts, was einer Firma wehtun könnte. Geschäftsleitung und Systemadministratoren können zudem ziemlich sicher sein, dass über einen Blackberry keine Viren ins Firmennetz gelangen, denn es lässt sich kein Datenträger einlegen. Das kann man von Notebooks nicht behaupten.

Mobile Endgeräte mit Intelligenz können auch bei Personalwechsel zu Problemen führen, denn das eine oder andere Backup befindet sich in der Regel noch in der Hand des Ex-Mitarbeiters. Wann kommt der Blackberry für den normalen Endkunden? Diensteanbieter wie T-Online könnten ihren E-Mail-Zugang entsprechend aufrüsten, doch daran ist zurzeit nicht gedacht. "Die Datendienste stehen erst ganz am Anfang", so Rene Bresgen. Vielleicht möchten sich die Provider den Knüller für den UMTS-Start im Jahr 2003 aufsparen.

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