Dauerhafte Profitabilität ist nun das Ziel
Analyse: Größter Test steht Amazon noch bevor

Zum ersten Mal seit dem Börsengang 1997 erzielte Amazon einen Quartalsgewinn - und das ohne die branchenüblichen Rechentricks, bei denen Gewinne nur pro forma angegeben werden.

Jeff Bezos, Chef des Internet-Warenhauses Amazon, hat es allen gezeigt. Der Internet-Pionier, der 1999 vom US-Magazin "Time" zum Mann des Jahres gekürt wurde, hat das selbst gesteckte Ziel übertroffen: Zum ersten Mal seit dem Börsengang 1997 erzielte das Unternehmen einen Quartalsgewinn - und das ohne die branchenüblichen Rechentricks, bei denen Gewinne nur pro forma angegeben und schwer wiegende finanzielle Verpflichtungen einfach ausgeklammert werden.

Mit seinem ersten echten Gewinn hat Bezos den Kritikern vorerst den Wind aus den Segeln genommen - und das in einer Zeit, in der das Endkundengeschäft im Internet, das so genannte "B2C", schon als so gut wie gescheitert galt. Schließlich haben seit Januar 2000 mehr als 760 Online-Firmen Konkurs angemeldet, unzählige weitere haben ihren Handels-Status an der Nasdaq verloren und operieren am Rande des Ruins.

Gerade weil die Erwartungen inzwischen so stark geschrumpft sind, findet jede positive Meldung aus der Internet- branche große Beachtung. Doch es wäre zu früh, nun von einer Renaissance der Dotcom-Firmen zu reden. Schließlich ist das vierte Quartal dank des Weihnachtsgeschäfts für den Einzelhandel - egal ob online oder offline - traditionell stark. Die aktuellen guten Nachrichten aus der Branche sind noch kein Beleg dafür, dass der Einzelhandel im Internet langfristig krisenfester ist als der traditionelle Handel, selbst wenn es im Moment so scheinen mag.

Auch die Internet-Unternehmen, die jetzt eine positive Stimmung verbreiten, kämpfen noch mit dem Problem, ihr Geschäft zu echter Profitabilität zu führen, bevor ihnen das Geld ausgeht. Bei Amazon schlagen die Zinsen für langfristige Schulden von zwei Milliarden Dollar weiterhin zu Buche. Zugleich muss es dem Unternehmen Sorgen bereiten, dass das Wachstum auf dem wichtigen US-Markt nachlässt. Das Geschäft mit Büchern, Musik und Videos, das immer noch mehr als die Hälfte des Umsatzes trägt, nähert sich der Sättigung.

Das Internet-Portal Yahoo, ein anderer Leuchtturm der Branche, leidet unter dem schweren Einbruch des Marktes für Online-Werbung - von dem der Umsatz des Unternehmens zu drei Vierteln abhängt. Einzig das Auktionshaus Ebay scheint weitgehend gesund zu sein, auch wenn Analysten fürchten, dass es die rasanten Wachstumsraten der vergangenen Jahre nicht mehr lange halten können wird.

So experimentieren die Großen des E-Commerce unermüdlich mit neuen Geschäftsmodellen. Amazon will sich stärker als Anbieter von E-Commerce- Plattformen etablieren und die Geschäfte für traditionelle Händler abwickeln. Bereits jetzt hat dieser Geschäftsbereich bei Amazon die größte Gewinnmarge, er macht allerdings erst zehn Prozent des Umsatzes aus. Außerdem will Amazon das internationale Geschäft im laufenden Jahr weiter ausbauen. Schließlich will der Internet- Händler aus Seattle in den Markt für Gebrauchtwaren einsteigen - auch hier ist die Gewinnspanne größer als im Online-Versandhandel, weil die Kosten für die Lagerhaltung entfallen. Hier kommt Amazon allerdings Ebay ins Gehege - ein Konflikt zwischen den beiden scheint programmiert. Yahoo will dagegen mit einer Palette von Dienstleistungen von der Jobvermittlung bis zum schnellen Internet-Zugang wachsen und profitabel werden.

Alle diese Unternehmen haben sich starke Positionen auf dem Internet- Markt erobert, doch der wichtigste Test steht noch bevor: Können sie die Geschäftsmodelle so schnell anpassen, dass sich Wachstum und Gewinn langfristig vereinbaren lassen? Erst dann gibt es wirklich Grund zum Jubeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%