Dauerstreit ums Gehalt
„Schwarze Liste“ sorgt für Zoff beim BVB

Die Clubführung des Fußballvereins BVB fordert von ihren Spielern Gehaltsverzicht. Das sorgt weiterhin für heftige Diskussionen - und für eine miese Stimmung. Gefragt oder ungefragt, täglich melden sich neue Beteiligte zu Wort und treiben die schlechte Stimmung auf die Spitze. Nachdem die "Bild"-Zeitung schon die Spielergehälter veröffentlicht hat, offenbarte das Blatt in der Mittwoch-Ausgabe nun eine "Schwarze Liste".

HBDORTMUND. Die BVB-Profis sind - laut "Bild" - in drei Lager geteilt. So weigert sich angeblich eine Fraktion um die Brasilianer Marcio Amoroso, Ewerthon und Flavio Conceicao, freiwillig auf 20 Prozent des Gehalts vorläufig zu verzichten. Der Verein will so auf die rund zehn Millionen Euro bezifferten Mindereinnahmen kommen, die durch das Verpassen der Champions League fehlen. Einige Spieler seien noch unentschlossen, ein größerer Teil zum Verzicht oder zumindest zu Gesprächen bereit.

Sportmanager Michael Zorc und Manager Michael Meier sprechen von "vielen positiven Reaktionen" aus der Mannschaft. "Wir verlangen nichts, was wir nicht selbst machen", betonte Zorc. Und Trainer Matthias Sammer ist nach wie vor sicher, dass "am Ende alle Spieler geschlossen zustimmen". Sollte sich der Coach, der selbst auf einen Teil der Bezüge verzichten will, irren, könnte das fatale Folgen haben - für das Image der Profis und für den Verein.

Spielmacher Tomas Rosicky, der sich wie Landsmann Jan Koller mit der tschechischen Nationalelf auf das EM-Qualifikationsspiel in Weißrussland am Samstag vorbereitet, fürchtet entgegen der bisherigen öffentlichen Beteuerungen "Notverkäufe" der Clubführung. "Der Verein sagt selbst, dass er dann jemanden verkaufen muss. Ich rechne damit, dass ich in den Überlegungen eine Rolle spiele", sagte Rosicky der Prager Zeitung "Lidove noviny" und räumte ein, dass das Betriebsklima gestört sei: "Die Stimmung ist nicht besonders gut."

Solidarität zum Club

Auch Lars Ricken, der seit zehn Jahren im Borussen-Kader steht, bezog Stellung. "Der Verein hat mir so viel Geld gegeben, dass ich jetzt auch etwas abgeben kann." Sebastian Kehl ließ verlauten: "Natürlich beschäftige ich mich damit. Wir alle suchen nach Lösungsmöglichkeiten". Wie Roman Weidenfeller ("Ich bin zu Zugeständnissen bereit") sollen auch die älteren Profis wie Christian Wörns und Ex-Kapitän Stefan Reuter bereit sein, ihre eigenen Interessen aus Solidarität zum Club zurück zu stellen. Andere machen ihr Einverständnis offenbar vom Mehrheitsvotum abhängig. "Wenn alle einlenken, werde ich auch zustimmen", sagte Koller.

"Wir wollen in dieser Konstellation zusammenbleiben", betonte der im Augenblick verletzte Kapitän Christoph Metzelder, wie sehr er an einer "einheitlichen Lösung" interessiert ist. Ohnehin ist klar, dass eine Entscheidung nur im Konsens mit allen Beteiligten fallen kann. Andernfalls wären Neid und Missgunst im Kader Tür und Tor geöffnet.

Für die Verantwortlichen besteht die Schwierigkeit darin, alle Profis so schnell wie möglich unter einen Hut zu bringen, um leistungsmindernde Auswirkungen bei den anstehenden sportlichen Aufgaben zu verhindern und weiteren Schaden vom Club abzuwenden. Ob die von Meier als "Motivationsspritze" bezeichnete Forderung die gewünschte Wirkung (bessere Leistungen) erzielt, bleibt abzuwarten.

Der öffentliche Druck auf die Profis ist enorm. Nachdem die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Forderungen des börsennotierten Vereins als "richtige Reaktion" einordnete, schlagen sich offenbar auch die Fans in der Arbeiterregion Dortmund mehrheitlich auf die Seite des Clubs. Laut "kicker online" sehen 57 Prozent der Befragten die Spieler in der Verantwortung. Es ist zu befürchten, dass sich der Unmut der Fans beim nächsten Bundesliga- Heimspiel gegen Bremen am 13. September gegen die "Abtrünnigen" entlädt.

Manager Uli Hoeneß vom Konkurrenten Bayern München äußerte im Nachrichtensender "n-tv" dagegen Unverständnis für das Vorgehen des BVB-Vorstands. Für ihn gebe es "überhaupt keinen Zweifel daran, Verträge mit Spielern nicht einzuhalten. Das erwarte ich von den Spielern, und dasselbe können die Spieler von uns erwarten".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%