Daum kündigt Abschied aus Wien an
Schalke liebäugelt mit Daum-Verpflichtung

Nach der sportlichen Bankrotterklärung gegen Hannover 96 hat Rudi Assauer aus Sorge um sein Lebenswerk eine gnadenlose Spieler-Auslese angekündigt - in der Trainerfrage gerät der Manager des FC Schalke 04 selbst immer mehr unter Druck.

HB/dpa GELSENKIRCHEN/WIEN. Ohne die bevorstehende Trennung von Teamchef Marc Wilmots offiziell zu verkünden, ließ Assauer nach dem beschämenden 0:2 (0:0) gegen die fast vor dem Abstieg geretteten Niedersachsen keinen Zweifel, dass zum 1. Juli ein neuer Coach das Zepter in die Hand nehmen wird. "Eins steht fest: Mit Sicherheit werden wir einen gestandenen Trainer holen", kündigte Assauer an. Nach den kläglich gescheiterten Experimenten mit Frank Neubarth und dem als Coach ebenso unerfahrenen Ex-Profi Wilmots will er nicht länger zuschauen will, wie die Mannschaft "10 Jahre Arbeit kaputt macht".

Das Trainer-Anforderungsprofil ist klar. Unklar ist, wer Assauers Ansprüchen am ehesten genügt und auf dem Markt zu haben ist. So fällt immer öfter der Name Christoph Daum. Zumal Daums Abschied aus Wien, zwei Wochen nachdem er mit Austria den Meistertitel geholt hat, fest steht. Wie das Fachmagazin "kicker" in seinem online-Angebot am Montag berichtet, hat Daum vor seiner Mannschaft erklärt, dass er in der neuen Saison nicht mehr Austria-Trainer sein werde. "Es gibt sehr interessante Angebote", hatte der 49-Jährige zuvor bereits vorher geäußert.

Auch in Wien, wo der Erfolgs-Coach mit Austria den nationalen Titel gewann und den Pokalsieg anstrebt, wird Daum als potenzieller Kandidat für den Revierclub gehandelt. Dem Trainer, der mit dem VfB Stuttgart 1992, Besiktas Istanbul 1995 und jetzt mit dem Wiener Traditionsclub Meister wurde, sollen aber auch Angebote aus England, Spanien und der Türkei (Fenerbahce Istanbul) vorliegen. Daum wurde erst im Oktober 2002 vom Milliarden schweren Präsident Frank Stronach nach Wien geholt und sollte ursprünglich bis 2005 bleiben.

Selbst für Assauer ist Daum, zu dem er seit langem ein gespaltenes Verhältnis hat, kein Tabu-Thema mehr. Sonst würde er sich mit dieser Variante nicht beschäftigen. "Daum ist sicher ein guter Trainer", so Assauer, fügte in seltener Offenheit aber einschränkend hinzu, dass er (noch) "vielfältige Bedenken" hege. "Die Frage ist, passt ein Christoph Daum von der Persönlichkeit her zu Schalke 04? Ich sehe zwei Probleme mit ihm: Besteht die Gefahr, dass er wieder schnupft und dass er den Verein zur Selbstdarstellung nutzt?"

So offen über die Kokain-Affäre zu reden, die Daum den Arbeitsplatz in Leverkusen und den Job als Bundestrainer kostete, scheint nicht gerade eine geeignete Geschäftsgrundlage zu sein. Aber: Auf Schalke ist nichts unmöglich. Und sollte Assauer den Eindruck gewinnen, Daum habe seine Probleme endgültig überwunden, wäre eine Einigung keineswegs ausgeschlossen. Sofern es Schalke nutzt. Daum ("Es gibt interessante Anfragen aus der Bundesliga") scheint bereit.

Wie sehr dem 59 Jahre alten Assauer "sein Club" am Herzen liegt, wurde nie deutlicher als am Sonntag. Nach der dritten Schlappe in Serie und der total verkorksten Saison ließ er seinem Frust freien Lauf und rechnete gnadenlos mit der Mannschaft ab: "Sie hat 10 Jahre Arbeit von mir kaputt gemacht. Das war heute eine Bankrotterklärung. Aber das lasse ich nicht zu", sagte er.

Fast sentimental wirkt es, wie Assauer sich nach der Harmonie und der verschworenen Gemeinschaft früherer Jahre zurücksehnt. "Da hatten wir ein Team, in dem sich jeder voll mit dem Verein identifizierte. Jetzt sehe ich kein Team mehr, sondern einen zusammengewürfelten Haufen, in dem jeder macht was er will. Die Fans haben doch recht, wenn sie grölen und pfeifen." Nach dem Abrutschen auf Platz 7 hat er sämtliche Ziele ad acta gelegt: "Mit so einer Leistung sehe ich nicht mal die Chance auf den UI-Cup."

Nun wird aufgeräumt: Viel zu lange schon habe er sich die negativen Entwicklungen angeschaut. Zu nachsichtig sei er gewesen, räumte er ein. "Ende der Saison gibt es einen Schnitt. Wir werden einige dazu bringen, ihre Verträge aufzulösen." Insgesamt gehe es um sechs bis sieben Spieler, die in Frage stehen. Neben Wilmots ist Andreas Möller betroffen, der seine Bundesliga-Karriere beendet. Gerald Asamoah wird wohl zu Hertha BSC wechseln. Victor Agali und Tomasz Hajto ("Kreismeister aus Dinslaken") stehen wegen "Undiszipliniertheit" und "Selbstüberschätzung" ganz oben auf der Streichliste. Und auch Anibal Matellan und Dario Rodriguez genügen Schalker Ansprüchen nicht. "Der Rest", so Assauer, "ist von Charakter her okay."

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