Daviscup-Team abgestiegen - Schüttler besiegelt Sturz ins Bodenlose
Deutsches Tennis nur noch zweitklassig

Das Daviscup-Team ist endgültig abgestiegen und wird zum ersten Mal nach zwanzig Jahren nicht mehr am Konzert der Großen Teil. Am meisten enttäuscht ist Rainer Schüttler nach seinem verlorenen Match.

HB SUNDERN. Den Sturz der deutschen Tennisspieler ins Bodenlose hat auch "Marathonmann" Rainer Schüttler nicht aufhalten können. Im Herzschlagfinale gegen den Daviscup-Abstieg verlor der Korbacher am Sonntag in Sundern das entscheidende Einzel gegen den Weißrussen Max Mirnyi in zwei Stunden mit 3:6, 5:7, 3:6 und kassierte das nicht mehr aufzuholende 1:3. Schon vor dem Abschlusseinzel stand damit fest, dass die Nationalmannschaft erstmals seit 20 Jahren vom Konzert der Großen ausgeschlossen ist. Aus den Niederungen der Europa/Afrika-Gruppe muss nun 2004 der Wiederaufstieg in die Weltgruppe angepeilt werden.

"Oh, ist das bitter", sagte der tief enttäuschte Schüttler und flüchtete nach dem Matchball "völlig platt" in die Kabine. Dort saß er minutenlang wie paralysiert auf seiner Bank und sagte dann: "Ich habe schlecht gespielt, das weiß ich auch. Aber müde war ich nicht. Vielleicht habe ich zu viel gewollt." Zaungast Thomas Haas versuchte die deutsche Nummer eins mit einem Schulterklopfer aufzumuntern. Vergeblich. Eine Stunde später aber schmiedete er schon wieder Pläne: "Wir wollen sofort wieder aufsteigen und haben unser großes Ziel, den Daviscup zu gewinnen, nicht aus den Augen verloren."

Ob der verletzte Haas und die anderen Akteure auch in der Zweitklassigkeit an ihrem "Karlsruher Treueschwur" aus dem Vorjahr festhalten und gemeinsam für Deutschland spielen werden, erscheint indes fraglich. Auch wenn Schüttler versprach: "Ich spiele auf jeden Fall und stehe natürlich zu unserer Vereinbarung. Es wäre schade, wenn sich daran etwas ändern würde."

Talfahrt ist nicht mehr zu leugnen

Neben der finanziellen Krise im Deutschen Tennis Bund (DTB) ist die sportliche Talfahrt nun auch von den größten Optimisten nicht mehr zu leugnen. "Der Abstieg ist eine Katastrophe", hatte DTB-Präsident Georg von Waldenfels vor der Partie gesagt. Nach dem Abstieg ruderte er zurück und verkündete: "Eine Katastrophe ist das nicht; auch die Tennis-Welt geht von dieser Niederlage nicht unter."

"Wir gehören in die Weltgruppe", sagte Haas und wehrte alle Spekulationen pragmatisch ab: "Das nutzt jetzt alles nichts; wir sind abgestiegen und Schluss." Sein Freund Schüttler hatte Mirnyi vier Mal in den bislang fünf Vergleichen geschlagen. Doch diesmal war er gegen seinen vor Selbstbewusstsein strotzenden Gegenüber ohne Chance. "Wir können Geschichte für Weißrussland schreiben", sagte der 26-Jährige, der das Tennis-ABC wie Haas in der Akademie von Nick Bollettieri in Florida beigebracht bekam. Die historische Chance ließ sich der 1,95-m-Hüne nicht nehmen. Er allein sorgte für den erstmaligen Aufstieg seines Teams durch zwei Einzelsiege und den 6:3, 3:6, 7:5, 7:5-Erfolg am Samstag im Doppel mit Wladimir Woltschkow.

Dabei hatten sich Schüttler und Nicolas Kiefer nach anfänglichen Abstimmungsproblemen glänzend zusammengerauft und dem Weltklasse-Duo einen heißen Tanz auf rotem Sand geboten. "Wir haben prima gespielt und hatten definitiv die Chance zu gewinnen", meinten beide unisono. Aber das klappte passend zur Situation im deutschen Tennis nicht. "Nun stehen wir endgültig mit dem Rücken zur Wand", sagte Kapitän Patrik Kühnen, auf den nach der Pleite viel Arbeit wartet.

"Kühnen ist ein Glücksfall für uns", sagte von Waldenfels. Mit seinen Entscheidungen, Daviscup-Nobody Tomas Behrend aufzubieten und auf Sand spielen zu lassen, hatte der 37-Jährige zwar kein Glück. Doch die Kritik musste in andere Richtungen gehen. So war die Wahl Sundern als Austragungsort in der Außenwirkung diskutabel, was die schwachen TV-Quoten zeigten. Auch die 5 000 Zuschauer fassende Anlage war nur zu zwei Dritteln gefüllt, und die versprochene südländische Atmosphäre kam nie auf. Gleichwohl war die Veranstaltung von Paul Krengel und seinem Team glänzend organisiert.

Kritik musste sich auch Spitzenspieler Schüttler gefallen lassen, der als Vorbereitung auf die wichtige Sandplatz-Partie auf Hartplatz in Brasilien spielte. Erschöpfung und kleinere Blessuren blieben bei diesem Mammutprogramm nicht aus, was im zweiten Satz gegen Mirnyi zu einer längeren Behandlung des rechten Fußgelenkes führte.

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