Dax-Aufschwung ist vorerst gestoppt - Dennoch hohes Erholungpotenzial
Aktien-Pessimisten leisten Widerstand

Sie bezeichnen die Korrektur als gesund und blicken weiter nach oben. Die 4000-Punkte-Marke soll dabei für den Deutschen Aktienindex durchaus in greifbare Nähe rücken.

DÜSSELDORF. 30 Prozent brachte die Rally dem Deutschen Aktienindex in wenigen Tagen. Doch seit vergangenen Dienstag geht es genauso schnell wieder abwärts. Endet die Jahresendrally, ehe sie von den meisten Börsianern überhaupt wahrgenommen wird? Analysten, die sich auf Charts und Stimmungsindikatoren verlassen, bleiben zuversichtlich. Der Rückschlag sei längst überfällig. Trotz schlechter Wirtschaftsdaten und mieser Unternehmensergebnisse erwartet niemand von ihnen neue Tiefs - zumindest nicht kurzfristig.

Als der Dax vor knapp zwei Wochen unter 2 600 Punkte fiel, blies Holger Struck von M.M. Warburg zum Einstieg. Die hohe Volatilität (Schwankungsbreite, die mit Hilfe der Kursausschläge berechnet wird) und andere technische Indikatoren führten ihn zu seiner kühnen Empfehlung. Schon damals bezeichnete Struck die Marke von 3 300 Punkten als realistisch, aber "vermutlich vorerst nicht zu überwinden". "Dass diese Marke so schnell erreicht wurde, überrascht mich jetzt, aber der Rücksetzer keineswegs", sagte der Analyst am Mittwoch. Er hält den Markt kurzfristig für "extrem überkauft" und sieht den Dax bis auf 3 000 Punkte fallen. Bei dieser Marke gibt es Unterstützungen: Sie war während des jüngsten Abwärtstrends heiß umkämpft.

Ähnlich argumentiert Michael Riesner von der DZ Bank. Auch er bezeichnet die Kursrückschläge als "ganz normale Konsolidierung". Sorgenfrei bleibt er, solange die wichtige 3 000er-Linie hält. Auch die Kollegen der Deutschen Bank sehen den Dax in einer kurzfristigen Abwärtsbewegung. Als "Normalkorrektur" bezeichnet Roger Vogt einen 50 %igen Rückgang. Das wäre gemessen vom Ende der Aufwärtsbewegung ein Wert von   900 Punkten.

Gelassen richten daher Charttechniker den Blick schon wieder nach oben. Hier stellen 3 300 Dax-Punkte einen großen Widerstandsbereich dar. Insofern überraschte der Rückschlag am Dienstag nicht, nachdem der Index an dieser Marke gekratzt hatte. Charttechnisch ist diese Hürde so bedeutend, weil hier zum einen die Trendlinie der seit April beschleunigten Abwärtsbewegung verläuft. Auf der anderen Seite hatte die 3 300er-Marke im Juli und August mehrfach als Unterstützung gehalten.

Bei Aktien und Indizes ist es immer wieder zu beobachten, dass Unterstützungen umso signifikanter werden, je länger sie halten. Umgekehrt gilt, dass sie sich in umso größere Widerstände wandeln, wenn sie nach unten durchbrochen werden. So geschah es mit dieser Unterstützung Anfang September.

Weitere Dax-Prognosen machen Charttechniker von einem Durchbruch der 3 300 Marke abhängig. Danach ist für sie der Weg frei bis 3 950 Punkten - dem Hoch während der diesjährigen Spät-Sommerrally.

"Zweieinhalb Jahre Baisse lassen sich nicht innerhalb von ein paar Wochen beenden. Um einen Boden auszubilden, brauchen wir mindestens ein halbes Jahr", sagt Achim Matzke von Commerzbank Securities. Nach dem Rutsch um mehr als 50 % in fünf Monaten erwartet er eine Seitwärtsbewegung. Begrenzung nach unten ist für ihn das bisherige Tief bei 2 500 Punkten. Nach oben setzt Matzke wie seine Kollegen auf die 3 950er-Hürde.

Quelle: Handelsblatt

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