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Dax-Ausblick: Herbst-Rallye bleibt süßer Wunschtraum

Die Analysten sind pessimistisch: Der Dax hat wenig Kraft für einen Aufschwung, denn ein Euro auf Tiefstandniveau und hohe Ölpreise wirken wachstumshemmend.

HB Düsseldorf. Auch wenn die Aktienexperten sich einig sind, dass das "üble Sommerloch" endlich überwunden ist, die Stimmung auf dem Parkett bleibt sehr verhalten. Seitwärts wird es wohl auch in der kommenden Woche weitergehen, denn nur wenige Aktien haben auf kurze Sicht nennenswertes Kurspotenzial.

"Wenn die Opec-Sitzung am kommenden Sonntag keine eindeutigen Entspannungssignale setzt, sieht es düster aus", so Markus Reinwand, Analyst bei der Helaba Trust. Besonders die Automobilbranche, die weitere Absatzeinbußen befürchten muß, ist durch den hohen Ölpreis unter Druck geraten.

Bei Daimler-Chrysler rät die DG-Bank daher zu "Reduzieren": Die amerikanische Chrysler bereitet dem Konzern Schwierigkeiten. Da die Rekordpreise für Benzin in Amerika noch größere Wellen schlagen als hierzulande, wird der sehr volatile Titel an der Performance von Daimler-Chrysler rütteln. Timo Graucob, Leiter der Abteilung Research and Sales von Merck Finck &Co. warnt jedoch davor, "die Automobil-Aktien alle in einen Topf zu schmeißen." Einige Titel befinden sich auf einem stetigem Abwärtstrend. Aber es gibt auch Überraschungen: Kurssteigerungen, wie kürzlich bei Volkswagen, beweisen, dass die Branche nicht unter eine (Motor-) Haube zu bringen ist. Von der ökonomischen Seite betrachtet, sollten die hohen Benzinpreise Graucobs Meinung nach, sogar auf längere Sicht für steigende Kurse sorgen. Denn viele Autofahrer, die ältere Modelle besitzen, werden sich - wohl oder übel - neue, benzinsparendere Autos anschaffen müssen.

Zykliker meiden



Horrende Ölpreise haben nun auch das verarbeitende Gewerbe in die Bredouille gebracht: Steigende Verarbeitungskosten gefährden insbesondere Chemietitel. Reinwand empfiehlt deshalb, angesichts der geringen Wachstumsdynamik zyklische Aktien zu verkaufen, und statt dessen in strukturelle Titel zu investieren. Potenzial sieht er aufgrund der Steuerreform und der zunehmend privaten Altersvorsorge vor allen Dingen bei Titeln der Finanz- und Versicherungsbranche. Hier favorisiert er die Aktien der Allianz und der Deutschen Bank.

Die Allianz wird am Freitag ihre Halbjahreszahlen präsentieren. Allgemein wird erwartet, dass die Ertragsprognose des Unternehmens, die für das Gesamtjahr von einem Anstieg beim Jahresüberschuss um 10% auf 2,2 Mrd. Euro ausgeht, bestätigt wird. Ein weiterer wichtiger Termin der kommenden Woche ist die Bekanntgabe der BIP-Zahlen auf der nächsten EZB-Ratssitzung am Donnerstag. Trotz Öl-Hausse und Euro-Schwäche, die über steigende Importpreise den idealen Nährboden für wachsende Inflation bilden, werden weitere Zinsschritte vorerst jedoch noch nicht erwartet.

Einigkeit beweisen die Analysten in ihren Prognosen bezüglich der Spannweite des DAX-30-Punktestandes: Reinwand sieht den Index zwischen 7300 und 7400 Punkten, Volker Borghoff, Aktienstratege bei der DG- Bank traut ihm tollkühn gar 7450 Punkte zu. Aus charttechnischer Sicht würde jedoch erst ein Überschreiten der Marke von 7500 Punkten weiteres Kurspotential bis rund 8000 Punkte eröffnen.

Mit Blue-Chip-Stocks aus dem Technologiebereich auf der Gewinnerseite

Borghoff erwartet für die kommmende Woche einen leicht positiven Trend des Marktes, dessen Impulse vorrangig aus dem Technologiesektor kommen werden. Kleinanlegern empfiehlt er gezielt-selektives stock-picking im Technologiebereich. Noch Kursphantasie haben seiner Meinung nach typische Blue-Chip-Stocks wie Siemens. Auch bei der "noch billigen" Epcos-Aktie seien weitere 20% drin, der Einstieg dürfte sich also auch für Nachzügler noch lohnen. Außerhalb des Technologiesektors beurteilt Borghoff die Lage kritischer, die Schering-Aktie zum Beispiel sei "schon ziemlich stark gelaufen", aber dennoch "nach wie vor ein guter Wert".

Analyst Graucob rät Anlegern allgemein von einer "zu hohen Erwartungshaltung" ab, Kursgewinne wie in den letzten Jahren seien schließlich nicht ewig fortsetzbar. "Wenn der DAX bis Jahresende wieder die 8000-Punkte-Marke erreicht, sind wir doch gut bedient!"

Eine Übersicht über die aktuellen strategischen Anlageempfehlungen von Merck Finck & Co. zeigt die folgende Tabelle:

Strategische Empfehlungsliste Merck Finck & Co

EUR

Gewinn je Aktie 00e

Gewinn je Aktie 01e

Gewinn je Aktie 02e

Empfehlung

Datum Empfehlung

Adidas-Salomon

4,00

4,60

5,29

Verkaufen

08.08.2000

Allianz

8,98

9,86

10,70

Halten

22.04.1999

BASF

2,85

3,85

4,16

Kaufen

16.03.2000

Bayer

2,80

2,95

3,15

Kaufen

22.04.1999

BMW

1,70

2,00

2,35

Kaufen

15.03.2000

Hypo-Vereinsbank

2,42

3,98

4,72

Kaufen

17.11.1999

Commerzbank

2,10

2,45

2,85

Halten

30.07.1999

Daimler-Chrysler

6,05

6,35

6,75

Verkaufen

30.06.2000

Deutsche Bank

4,99

5,63

6,44

Halten

07.08.2000

Degussa-Hüls

2,45

2,75

2,95

Halten

08.12.1999

Dresdner Bank

0,97

1,85

2,67

Kaufen

12.11.1999

Deutsche Telekom

0,58

0,47

0,42

Halten

25.07.2000

Eon

2,35

2,75

2,95

Halten

27.06.2000

Fresenius Medical Care

2,40

2,87

3,44

Kaufen

10.03.2000

Henkel Vz.

3,10

3,55

3,85

Halten

31.08.1999

Infineon

1,17

1,29

1,00

Halten

03.07.2000

Karstadt Quelle

1,72

2,19

2,52

Verkaufen

22.11.1999

Lufthansa

1,85

2,00

2,10

Kaufen

05.05.2000

Linde

2,30

2,55

2,90

Halten

25.08.1999

MAN

2,47

2,80

3,10

Kaufen

22.04.1999

Metro

0,94

1,45

1,73

Halten

24.08.2000

Epcos

2,90

4,03

4,12

Kaufen

15.02.2000

Münchener Rück.

7,15

8,00

9,15

Halten

02.02.2000

Preussag

2,10

2,45

3,00

Halten

31.08.2000

RWE

2,40

2,10

2,35

Halten

13.07.1999

SAP Vz.

1,83

2,43

3,24

Kaufen

10.01.2000

Schering

1,70

1,95

2,17

Kaufen

26.11.1999

Siemens

4,22

5,08

6,09

Kaufen

27.05.1999

Thyssen-Krupp

0,87

1,17

1,23

Halten

22.04.1999

Volkswagen

4,10

4,45

4,70

Verkaufen

02.11.1999

 
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