Dax-Ausblick
Kein Ende der Talfahrt in Sicht

Während die internationalen Börsenindizes von einem Jahrestief zum nächsten taumeln, sind Analysten ratlos. Zur Erklärung für die anhaltenden Kursverluste ziehen die Bankexperten weiterhin die schlechte Konjunkturlage und die Sorge vor einem Krieg mit rak heran. Positive Nachrichten, beispielsweise die erzielte Einigung zwischen den Vereinten Nationen und der irakischen Regierung über die Rückkehr der UN-Waffeninspektoren, verpufften.

ddp/rtr FRANKFURT/STUTTGART. "Der Abwärtstrend bleibt weiterhin intakt", sagte ein Frankfurter Aktienstratege mit Blick auf den auch in dieser Woche wieder gefallenen Deutschen Aktienindex (Dax), der aktuell nur knapp über seinem Sechsjahres-Tief notiert. Ein charttechnischer Analyst ergänzte, ein Rückfall bis auf 2 600 Punkte sei in der nächsten Woche durchaus vorstellbar. Von den Unternehmen sind unterdessen kaum fundamentale Nachrichten zu erwarten. Deswegen werde sich der Markt auf Konjunkturdaten und den Irak-Konflikt konzentrieren, hieß es.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) erreichte in der abgelaufenen Woche ein Sechs-Jahrestief bei 2 719 Zählern. Seit 1. Januar büßte der Index gut 46 % seines Wertes ein. Nur wenig besser entwickelte sich der Euro Stoxx 50, der knapp 40 % verlor. Anleger am US-Markt kamen mit einem Minus von 23 % im Dow Jones Industrial vergleichsweise glimpflich davon. Am Neuen Markt gab der Auswahlindex Nemax 50 seit Wochenbeginn knapp elf Prozent nach.

Für die Beobachter der Frankfurter GZ Bank ist die Stimmung in Deutschland noch schlechter als die Lage. Nach den Kurseinbrüchen seien viele Aktien fundamental recht günstig bewertet, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Wochenstrategie. Wegen der bestehenden Unsicherheiten in Irak und der möglicherweise bevorstehenden Gewinnwarnungen raten die Analysten jedoch zu einer "defensiven Anlagestrategie". Mittelfristig ist das Institut optimistisch: Den Schätzungen der Experten zufolge notiert der Dax in sechs Monaten bei 3 500 Zählern und damit um 25 % über seinem derzeitigen Niveau. Auf Jahressicht sei der Index mit 4 200 Punkten "fair bewertet".

Auch die Commerzbank ist vorsichtig optimistisch, vermeidet aber Kursziele. Zwar müssten Rückschläge einkalkuliert werden, heißt es im Börsen-Bericht vom Freitag. Sofern die Irak-Krise nicht eskaliere, werde die "negative Übertreibung" jedoch voraussichtlich nach und nach abgebaut. Dabei verweisen die Analysten auf niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse und hohe Dividendenrenditen. Für empfehlenswert halten sie vorsichtige Käufe bei Werten wie Allianz, Siemens oder Bayer.

"Im Vorfeld eines mögliches Krieges mit unkalkulierbaren Konsequenzen wird kein Investor im großen Stil neue Engagements eingehen", schrieb auch Aktienstratege Werner Bader von der LB Baden-Württemberg in einer Kurzstudie. Eine diplomatische Lösung könnte jedoch eine Wende herbeiführen. Doch derzeit drängen die USA trotz irakischer Zugeständnisse weiterhin auf eine verschärfte Resolution der Vereinten Nationen (Uno), die auch den Einsatz militärischer Mittel enthält.

Auch aus konjunktureller Sicht sei eine Trendwende am Aktienmarkt kaum vorstellbar, schrieben die Analysten der Bankgesellschaft Berlin in ihrer Wochenvorschau. Es gebe noch zahlreiche Unwägbarkeiten, die auf fallende Kurse hindeuteten. Zudem sei der Dax aus charttechnischer Sicht noch immer in einem intakten Abwärtstrend. Jeder Ansatz einer Kurserholung in dieser Woche habe gezeigt, dass es sich lediglich um rein technische und kurzfristige Reaktionen auf vorherige Verluste handele.

Kaum Hoffnungszeichen sieht hingegen das Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger. So seien die von den Unternehmen veröffentlichten Zahlen "weiterhin düster". Weltweit gebe es nur wenige Länder, beispielsweise China, die sich dem Abwärtsszenario entziehen könnten. Sollte es zu weiteren Gewinnwarnungen in Europa und den USA kommen, müssten die Notenbanken die Leitzinsen senken, fordern die Analysten. Als Anlage empfiehlt das Bankhaus Investmentfonds mit Länderschwerpunkt China, Goldzertifikate und Unternehmensaktien, die weniger als andere konjunkturellen Schwankungen unterliegen. Die Analysten verweisen auf L´Oreal, Henkel, RWE oder Eon.

In Deutschland stehen in der kommenden Woche mit den Auftragseingängen für August und den Arbeitsmarktdaten für September wichtige Konjunkturdaten auf der Terminliste. In den USA dürften sich die Investoren zum Ende der Woche auf die Einzelhandelsumsätze und den Index der Universität Michigan zum Verbrauchervertrauen konzentrieren.

Impulse könnten die deutschen Technologiewerte in der nächsten Woche von der langsam beginnenden Berichtssaison in den USA zum dritten Quartal erhalten, sagten Händler. Am Mittwoch wird voraussichtlich der Internet-Konzern Yahoo und am Donnerstag der Netzwerkausrüster Juniper Networks über die Geschäftsentwicklung im vergangenen Quartal berichten.

Von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhoffen sich indes immer mehr Marktteilnehmer stimulierende Impulse für die Konjunktur in Form einer Leitzinssenkung. Einer Umfrage zufolge erwarten 36 der 52 befragten Volkswirte inzwischen wieder sinkende Zinsen. Allerdings rechnet nur eine kleine Minderheit damit, dass die EZB bereits am kommenden Donnerstag das Leitzinsniveau von derzeit 3,25 % senkt. Ein Frankfurter Aktienstratege sagte, das Enttäuschungspotenzial im Falle nicht reduzierter Zinsen sei gering. Dagegen könne ein Zinsschritt den Märkten kurzfristig Auftrieb verleihen.

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