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Dax baut Verluste ab

Spekulationen um unsaubere Bilanzierungspraktiken bei US-Firmen und mögliche weitere Insolvenzen haben nach Händlerangaben am Mittwoch den deutschen Aktienmarkt unter Druck gesetzt. Diese Sorgen belasteten insbesondere Finanztitel, sagten Händler.

rtr FRANKFURT. Im Fahrwasser anziehender Kurse an den US-Börsen konnte der Dax allerdings seine Verluste gegen Handelsschluss weitgehend abbauen. Unterstützung habe er dabei vom unerwarteten Anstieg des US-Bruttoinlandsproduktes (BIP) erhalten, hieß es. Größter Verlierer in Frankfurt waren Deutsche Bank, deren Aktien nach Händlerangaben zusätzlich von der Unsicherheit über die künftige Struktur und die Zusammensetzung des Vorstandes unter Druck gesetzt wurden. Die Aktien der Deutschen Telekom drehten kurz vor Schluss noch ins Plus. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss 0,64 % schwächer bei auf 5052,20 Zählern, nachdem er zeitweise zwei Prozent im Minus gelegen hatte. Der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 gab um 2,04 % auf 1124,11 Punkte nach. Der Nebenwerte-Index MDax lag zuletzt 0,16 % im Minus bei 4396,50 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien gab um 1,17 % auf 3541,32 Zähler nach. An der Wall Street tendierte der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,15 % fester bei 9618 Stellen.

Das US-BIP stieg dem Handelsministerium zufolge im abgelaufenen Quartal auf Jahresrate hochgerechnet um 0,2 %. Experten hatten mit einem Minus von einem Prozent gerechnet.

Nach dem Debakel um den zahlungsunfähigen US-Energiehändler Enron hatten in den USA Spekulationen über unsaubere Bilanzierungspraktiken die Aktien des US-Industriekonglomerats Tyco am Dienstag und Mittwoch um jeweils knapp 20 % einbrechen lassen. Nach Gerüchten um eine mögliche Herabsetzung der Bonitätseinstufung setzten die Papiere von Worldcom ihre Talfahrt ebenfalls fort. "Die Anleger sind nervös, dass es noch weitere Insolvenzen geben könnte", sagte David Scully, Head of Equity Sales bei JP Morgan.

Investoren gingen davon aus, dass mögliche US-Firmenpleiten auch deutsche Finanzinstitute treffen würden, da sie ebenfalls mit Krediten engagiert seien, fügte der Experte hinzu. Die Titel der Deutschen Bank verloren 3,48 % auf 70,70 ?, die Papiere der Commerzbank 1,73 % auf 19,28 ? und die Titel der HypoVereinsbank 0,84 % auf 35,40 ?. Der Branchenindex für den Finanzsektor im Dax gab um 2,19 % nach. In Erwartung der Veröffentlichung seiner Geschäftsergebnisse am Donnerstag verloren die Aktien des Finanzdienstleisters MLP 3,51 % auf 71,40 ?. Die T-Aktie schloss 0,24 % höher bei 16,72 ?, nachdem sie zuvor bis zu 4,5 % im Minus gelegen hatte. Am Abend war aus Kreisen bekannt geworden, dass das Bundeskartellamt Liberty Media wegen des geplanten Kaufs des TV-Kabelnetzes der Telekom abmahnen werde.

Nachdem die Titel von Infineon zunächst um bis zu 2,5 % nachgegeben hatten, drehten sie im Tagesverlauf deutlich ins Plus. Der Grund seien Andeutungen über eine Reduzierung von Kapazitäten durch den südkoreanischen Chip-Hersteller Hynix, sagten Händler. Dadurch seien Hoffnungen auf eine Erholung des durch Überkapazitäten belasteten Speicherchip-Markts geschürt worden. Die Infineon-Titel schlossen 2,67 % fester bei 23,80 ?. Die Aktien des Schwesterunternehmens Epcos gaben in Erwartung der Veröffentlichung der Geschäftszahlen am Donnerstag 2,96 % auf 45,50 ? ab.

Im MDax verbuchten die Papiere von ProSiebenSat.1 einen Verlust von 4,83 % auf 4,73 ?. Zuvor hatte der Axel-Springer-Verlag angekündigt, sich von seinem 11,5-prozentigen Anteil an dem TV-Konzern zu trennen. In Erwartung der Veröffentlichung von Geschäftszahlen am Donnerstag verloren die Titel der Software AG 6,83 % auf 38,20 ?.

Nach Börsenschluss in Deutschland teilte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit, dass sie die Leitzinsen unverändert gelassen habe. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld beträgt weiter 1,75 %. In ihrer Erklärung warnte die Notenbank aber davor, dass es weiter Risiken der wirtschaftlichen Abschwächung gebe. Dies könnte Experten zufolge die Bereitschaft zu einer künftigen Zinssenkung signalisieren, sollte die Konjunkturerholung später als erwartet einsetzen.

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