Dax deutlich unter Druck
Fragen zu Bilanzen: MLP-Aktien brechen ein

Börsianer verwiesen auf einen Vorabbericht eines Anlegermagazins, wonach Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des Finanzdienstleisters aufgetaucht sein sollen. MLP-Papiere fielen zeitweilig um knapp 20 Prozent. Unternehmen weist Vorwürfe zurück.



Reuters/ vwd FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor im Sog zunächst nachgebender US-Märkte zeitweilig knapp drei Prozent, wobei vor allem Technologiewerte und Versicherungsaktien heftige Kursabschläge verzeichneten.

Bei Handelsende verbuchte das wichtigste deutsche Börsenbarometer schließlich ein Minus von mehr als zwei Prozent auf 4510 Stellen. Am Neuen Markt gab der Auswahlindex Nemax50 um 4,3 Prozent auf 677 Zähler nach. Der MDax für die Nebenwerte schloss um 1,3 Prozent tiefer bei 4169 Punkten.

Die Aktienmärkte in New York erholten sich im weiteren Verlauf von ihren Tagestiefständen und drehten wieder ins Plus. Der Nasdaq-Index notierte bei Börsenschluss in Frankfurt 0,2 Prozent fester bei 1500 Stellen, der Industriewerte-Index Dow Jones stieg um ebenfalls 0,2 Prozent auf 9538 Punkte.

Die Kurse an den US-Märkten gaben aber wieder nach, nachdem die US-Notenbank am Abend bei Handelsende in Deutschland ihren Konjunkturbericht (Beige Book) vorgelegt hatte. Danach habe die US-Wirtschaftsaktivität im April und Mai mit "moderatem Tempo" zugenommen. Man sehe ein mäßiges aber unausgeglichenes Wachstum, wobei sich einige Sektoren verbessert und andere verschlechtert hätten, hieß es weiter.

MLP-Aktien gingen mit einem Abschlag von 15,3 Prozent auf 33,29 Euro aus der Sitzung. Nach einem Vorabbericht des Anlegermagazins "Börse Online" soll es Ungereimtheiten in den MLP-Bilanzen der Vorjahre gegeben haben. "Einiges deutet darauf hin, dass MLP in den Jahren 2000 und 2001 deutlich zu hohe Gewinne ausgewiesen haben könnte." MLP soll dem Artikel zufolge Beraterprovisionen nicht periodengerecht gegen "Sonstige Vermögensgegenstände" verbucht haben.

MLP weist Bericht über Bilanzungereimtheiten zurück

MLP hat den Magazinbericht über angebliche Bilanzungereimtheiten zurückgewiesen. "Die MLP AG hat sich mit aller Entschiedenheit gegen die heute erneut von Börse Online erhobenen Unterstellungen zur Bilanzierungspraxis gestellt", teilte die Firma am Mittwochabend mit. "Die Unterstellungen entbehren jeder Grundlage", hieß es. "Wir behalten uns vor, jetzt rechtliche Schritte gegen dieses Magazin zu ergreifen." MLP kündigte für Donnerstag eine Erklärung dazu an.

Auch im Einzelabschluss der MLP Lebensversicherung AG gebe es Unstimmigkeiten, berichtete das Magazin weiter. Für 2000 werde eine Beitragssumme des Neugeschäfts von 2,445 Milliarden Euro ausgewiesen. Beim Blick in den 2000er-Abschluss schlügen beim gleichen Posten jedoch 2,254 Milliarden Euro zu Buche.

"Die aufgeworfenen Fragen zur Verbuchung der Vorschusszahlungen an die Berater sowie die Diskussion von Einzelposten aus den Geschäftsberichten entbehren jeglicher Sachkenntnis", teilte MLP mit. Die im Dax notierten Aktien von MLP verloren bis zum Handelsschluss 15,25 Prozent auf 33,29 Euro. Bereits Mitte Mai hatte ein Bericht in "Börse Online" über angebliche Bilanztricks die Aktien von MLP stark einbrechen lassen. Die Papiere haben seitdem mehr als 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. MLP hatte sich allerdings immer vehement gegen die Vorwürfe gestellt.

Besonders die schwergewichtigen Versicherungswerte belasteten mit Kursabschlägen den Gesamtmarkt. Münchener Rück büßten 4,7 Prozent auf 224,52 Euro ein, Allianz fielen um 2,7 Prozent auf 219 Euro. Marktteilnehmer begründeten die Kursverluste mit der Aktienmarktschwäche. "Die fallenden Aktienmärkte drücken auf die Renditen bei den Lebensversicherungen und je weiter der Markt fällt, desto mehr verlieren auch die Versicherer", hieß es.

Technologie-Werte erneut unter Druck

Nach enttäuschenden Nachrichten aus dem amerikanischen Technologiesektor gerieten auch die Technologiewerte unter Druck, allen voran die Papiere des Softwarekonzerns SAP. Marktteilnehmer verwiesen auf einen enttäuschenden Geschäftsausblick des US-Softwarekonzern Siebel Systems. Der Konzern hatte am Vorabend erklärt, das laufende Quartal verlaufe so schwierig wie das Vorquartal, das Siebel damals als "eines der schlechtesten Quartale überhaupt" bezeichnet hatte. SAP gaben um 4,2 Prozent auf 107,49 Euro nach, Epcos verloren 2,5 Prozent und Siemens fielen um 3,6 Prozent.

Infineon gaben um knapp sechs Prozent auf 15,66 Euro nach, nachdem der schwedische Mobilfunkhersteller Ericsson vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung seine Mikroelektroniksparte für 400 Millionen Euro an Infineon verkaufen will. "In dieser Marktlage wird der Deal nicht positiv aufgenommen", sagte Analyst Rüdiger Kühnle von der Baden Bank. -Württembergischen

Am Neuen Markt brachen Mobilcom-Aktien um mehr als 15 Prozent auf 6,14 Euro ein. Am Dienstag hatte der Großaktionär France Telecom seinen Kooperationsvertrag mit Mobilcom gekündigt. Mobilcom teilte mit, es gebe dafür keine rechtliche Grundlage.

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