Dax-Größen unter Druck
Neue Indexgewichtung schwächt Deutsche Telekom, Allianz und Münchener Rück

Der Privatisierungsdruck auf die Telekom steigt. Dafür wird Experten zufolge die deutsche Börse sorgen. Sie dürfte bald dem Beispiel von Stoxx folgen und den Dax zum Nachteil der Telekom berechnen.

FRANKFURT/M. Eine bahnbrechende Entscheidung des Indexanbieters Stoxx Ltd. hat heute die Schwergewichte im Deutschen Aktienindex (Dax) unter Druck gesetzt. Deutsche Telekom, Allianz und Münchener Rück standen auf der Liste der Dax-Verlierer ganz oben. An der Pariser Börse traf es vor allem France Télécom und L?Oreal.

Der Grund: Durch die geplanten Änderungen in führenden Marktbarometern für Europa werden Aktiengesellschaften mit hohem Streubesitz stärker und mit niedrigem Streubesitz schwächer gewichtet. Dies hat Auswirkungen auf die Aktienkurse, weil die Vorgaben der Indexanbieter sich unter anderem auf Indexfonds auswirken. Deren Zusammensetzung orientiert sich am jeweiligen Marktbarometer.

Auslöser für die gestrigen Kursverluste war eine Entscheidung vom Montagabend. Die Betreibergesellschaft Stoxx Ltd. hatte mitgeteilt, dass sich die europaweit ausgerichteten Indizes Stoxx 50, Euro Stoxx 50 und Nordic 30 ab 18. September an dem frei gehandelten Aktienkapital orientieren. Bisher richtete sich die Gewichtung nach dem Gesamtkapital der Unternehmen. Dadurch werden beispielsweise die Beteiligungspakete des Bundes und deutscher Großbanken als nicht gehandeltes Aktienkapital eingestuft.

Fonds, die sich am Index orientieren, werden in den nächsten Wochen nach und nach ihre Aktien der betroffenen Unternehmen verringern und so Kursdruck auslösen. Für zusätzlichen Druck an der Börse sorgte die Erwartung der Bankhäuser, dass die nationalen Börsen nachziehen werden und sich an dem Vorstoß des Aktienindex-Entwicklers Stoxx Limited orientieren werden.

Gewichtung im Dax steht auf Börsen-Arbeitsagenda

Die Deutsche Börse nährte derartige Spekulationen: "Die Art und Weise der Gewichtung im Dax steht schon seit längerem auf der Agenda für unsere Arbeitssitzung am 8. August", sagte Aufsichtsratsmitglied Thorsten Neufeld dem Handelsblatt. Ein anderer Börsensprecher betonte, zurzeit seien keine Änderungen geplant. Die neue Lage werde aber sehr genau beobachtet. Bei der Börsengesellschaft SBF Bourse de Paris, die den Cac 40 verwaltet, hieß es dagegen: "Stoxx ist Stoxx, Paris ist Paris." Der Pariser Index sei anders aufgebaut und könne nur auf Beschluss des wissenschaftlichen Beirats geändert werden. Dies sei derzeit jedoch nicht geplant.

Volkswirte und Aktienstrategen bezeichneten die Entscheidung von Stoxx Limited als bahnbrechend und Vorbild für die nationalen Börsen. "Kurzfristig verlieren die Aktien der ehemaligen Staatsbetriebe oder der Familienholdings an Wert. Langfristig nehmen der Druck zur Privatisierung und vor allem die Liquidität im Markt zu", sieht die Leiterin für Marktresearch bei der Bankgesellschaft Berlin, Gertrud Traud, Impulse für eine freiere Aktienkultur. "Wir kommen weg von künstlichen Kurshöhen durch Aktienknappheit und hin zu einer faireren Bewertung", ist sich der BHF-Stratege für das Privatkundengeschäft, Bernd Witt, sicher.

Als hauptbetroffener Konzern will die Deutsche Telekom die Entscheidung ohne Wenn und Aber hinnehmen. "Wir haben unser Privatisierungspotenzial ausgeschöpft. Jetzt ist der Bund am Zug", sagte ein Sprecher. Sollte die Telekom ihre bereits genehmigte Kapitalerhöhung in Zukunft durchführen würde sich die Gewichtung ohnehin wieder verändern.



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