Dax hat noch Luft nach oben
Kaum Angst vor scharfer Korrektur an Börsen

Nach den kräftigen Kursanstiegen warten Skeptiker auf den Einbruch. Bislang vergebens. Viele Investmenthäuser rechnen auch nicht mehr mit ihm. Der Grund: Investoren sitzen auf Bargeld, das sie in Aktien investieren wollen. Analysten raten aber dennoch zu Gewinnmitnahmen und einem Wechsel in zyklische Titel.

HB DÜSSELDORF. 100 % im Neuen Markt und knapp 40 % im Dax. Das ist nicht die Performance in Übertreibungsphasen der 90-er Jahren, sondern seit den Tiefstständen am 21. September 2001. "Die Märkte haben wahrscheinlich zuletzt ein wenig übertrieben", meint James Volk von D.A. Davidson & Co. Wie er warnen im Moment viele Marktexperten vor einer spekulativen Übertreibung angesichts der Rally seit gut zwei Monaten. Doch übertreiben die Börsen wirklich?

Die Argumentation der Pessimisten zielt darauf, dass die Fundamentaldaten der Unternehmen den Aufschwung nicht rechtfertigen. Zudem zeichnet sich nicht nur in Japan und in den USA, sondern auch in EU-Ländern wie Deutschland eine Rezession ab. Hinzu kommt die Unsicherheit über mögliche Terrorangriffe der Taliban.

Trotz der eher düsteren Vorzeichen hält Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin die Rally "für ganz normal". Keineswegs sei der Dax nach einem Anstieg um gut 1 500 Punkte überbewertet. Schließlich sei er "gigantisch unterbewertet" gewesen. "Auf Sicht des nächsten Jahres sehen wir den Dax bei 6 000 Punkten. Und ich fürchte, dass es jetzt einen Durchmarsch nach oben gibt." Die Sorge hat Traud, weil eine weitere Rally um bis zu 1 000 Punkte danach eine scharfe Korrektur wahrscheinlich macht. "Ähnlich wie Ende 1999, als Analysten auf Grund möglicher Computerprobleme beim Jahrtausendwechsel vor einem Einstieg warnten und dies der Start einer großen Rally war, sieht es nun wieder aus. Auch jetzt erleben wir eine liquiditätsgetriebene Hausse", meint die Strategin. Die Statistiken geben ihr recht. Nach wie vor drängt sehr viel Bargeld auf den Markt. Die meisten Fonds weisen eine über dem Durchschnitt liegende Cash-Quote aus. Das hat zur Folge, dass es so gut wie keinem Dax- oder Neuen-Markt-orientierten Fonds gelang, den Vergleichsindex seit Beginn der Rally zu schlagen.

Um nicht länger dem Markt hinterher zu hinken, bleibt Investoren nichts anderes übrig, als den steigenden Kursen nachzulaufen. "Die Leute haben Angst, bei einer Rally nicht dabei zu sein. Jetzt kaufen sie und treiben dadurch die Kurse weiter hoch", meint Simon Rose von der KBC Bank.

"Dax hat noch Luft nach oben"

Angesichts dieser Ausgangsposition rät Bankgesellschaft-Analystin Traud den Anlegern, schwächere Tage zum Einstieg zu nutzen. "Wer dagegen auf neue Tiefststände wartet, wird ein Problem bekommen, denn der Dax hat noch Luft nach oben." Traud hält zwar Rückschläge bis zum Jahreswechsel für möglich, weil sich vor allem die großen Versicherungen noch von Positionen trennen könnten, die sie nicht ins neue Jahr nehmen möchten. Doch ein Abrutschen in die Nähe der September-Stände erwartet sie nicht.

Damit rechnet auch Kai Franke von der BHF-Bank nicht. "5 300 oder 5 500 Punkte sind im Dax bis Januar noch zu erreichen." Allerdings warnt der Aktienresearch-Leiter davor, dass die Luft nun dünner wird: "Eine Korrektur um 15 % ist möglich." Er rät Anlegern, jetzt Teilpositionen bei Werten aufzulösen, deren Gewichtung im Depot sehr hoch geworden ist, weil sich der Kurs in den vergangenen Wochen verdoppelt hat. "Bei Titeln mit zweifelhafter Qualität, deren Kurs mit hochgeschwemmt wurde, empfiehlt sich ein kompletter Verkauf", meint Franke. Hierzu zählt er beispielsweise den Elektrotechnikkonzern ABB. Die Aktie legte seit Ende September fast 100 % zu.

Generell raten viele Investmenthäuser wie Morgan Stanley zu einem Wechsel in Zykliker. Der Grund: Noch vor dem Aufschwung, mit dem in den USA und in Euroland im Laufe des kommenden Jahres gerechnet wird, entwickeln sich Konjunktur-sensible Titel am besten. Dazu gehören die Branchen Maschinenbau und Technologie.

Unter den europäischen Blue-Chips setzen Analysten trotz der Kursverdoppelung auf das finnische Mobilfunkunternehmen Nokia. Die Deutsche Bank rät mit einem Kursziel von 39,50 € zum "starken Kauf" und ist davon überzeugt, dass die neue Handygeneration der Gewinnentwicklung wieder Dynamik verleihen wird. SG Cowen empfiehlt ebenfalls den "Kauf" und verweist auf den Weltmarktanteil von gut 30 % für Handys der dritten Generation. Unisono heben die Experten hervor, dass allein Nokia in der derzeit schwierigen Lage Gewinne erwirtschaftet. Konkurrenten wie Motorola und Ericsson schreiben rote Zahlen.

Unter den Dax-Werten, die seit dem 21. September besonders stark gestiegen sind, setzen Analysten auf Deutsche Lufthansa. Die Credit Suisse First Boston rät zum Einstieg, weil Lufthansa besser positioniert sei als die meisten Konkurrenten. M.M. Warburg sieht die Aktie im Vergleich zu den Wettbewerbern günstig bewertet und hält das Rückschlagpotenzial auch nach dem Kursanstieg für gering.

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