Dax hat noch Potenzial
Börsianer in froher Erwartung

Die deutschen Aktienmärkte werden ihre zuletzt starke Aufwärtsbewegung nach Ansicht von Marktteilnehmern auch in der kommenden Woche fortsetzen, allerdings mit deutlich geringerer Dynamik.

HB/rtr/vwd FRANKFURT. "Ich glaube, dass sich die jüngste Rally fortsetzen wird und der Dax kurzfristig noch zehn Prozent zulegen kann", sagte Aktienstratege Rolf Elgeti von der Commerzbank. Händler ergänzten, dass die großen Investoren wieder in den Markt zurückkehrten, was sich in den vergangenen Tagen vor allem in stark steigenden Kursen der Finanz- und Technologie-Aktien niedergeschlagen habe. Allerdings werde sich der Anstieg verlangsamen, hieß es.

Auf mittlere Sicht habe der Aktienmarkt aber allein auf Grund seines günstigen Bewertungsniveaus im Verhältnis zu Anleihen Potenzial nach oben, erklärte der Aktienstratege Ralf Zimmermann von Sal. Oppenheim. In den vergangenen sieben Handelstagen hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) per saldo rund 24 Prozent zugelegt und sich damit deutlich von seinem am 9. Oktober markierten Sechsjahrestief entfernt. In dieser Zeit stieg der Börsenwert aller 30 Dax-Firmen zusammen um knapp 80 Milliarden Euro.

Daimler hat Jahresziel bereits erreicht

Im Mittelpunkt der kommenden Woche dürften die Aktien von Daimler-Chrysler stehen. Von Reuters befragte Analysten erwarten, dass der Automobilhersteller sein Ergebnisziel für das laufende Jahr bereits übertroffen hat. Allein im dritten Quartal hat der Konzern den durchschnittlichen Schätzungen der Experten zufolge sein um Einmaleffekte bereinigtes operatives Ergebnis auf 1,27 (0,67) Milliarden Euro fast verdoppelt. Daimler-Finanzvorstand Manfred Gentz hatte am Donnerstag in einem Reuters-Interview bereits angekündigt, das diesjährige Umsatzziel wohl zu übertreffen.

Unterdessen wird die Konjunkturkrise bei der Hypo-Vereinsbank wohl Spuren hinterlassen. Das Münchener Finanzinstitut wird Analysten zufolge unter dem Pleitenrekord in Deutschland und dem nach wie vor schwachen Immobilienmarkt stärker leiden als seine Wettbewerber. Denn die Hypo-Vereinsbank hat mit knapp 450 Milliarden Euro das größte Kreditbuch in Europa. Daher rechnen die meisten Analysten angesichts des schwachen Marktumfelds für das dritte Quartal mit einem Vorsteuerverlust im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich und einer deutlich erhöhten Risikovorsorge.

Technologiewerte weiter im Fokus

Auch die Technologiewerte im Dax werden Händlern zufolge weiterhin im Fokus stehen. In der kommenden Woche werden in den USA unter anderem der Chip-Hersteller Texas Instruments und der Internet-Händler Amazon.com Quartalsberichte vorlegen. Am Donnerstag hatten bereits überraschend gute Zahlen von SAP, IBM und Nokia dem Sektor Auftrieb verliehen. SAP-Titel haben sich in den vergangenen Tagen in ihrem Wert nahezu verdoppelt. Auch Siemens - und Infineon-Aktien legten massiv zu. "Der Markt hat nun festgestellt, dass die Zahlen für das dritte Quartal nicht so schlecht ausfallen wie befürchtet", sagte Aktienstratege Zimmermann. In den USA haben bisher 61 Prozent der vorgelegten Quartalsberichte die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Die ersten positiven Signale vom deutschen Aktienmarkt sollten nach Ansicht der Commerzbank aber nicht unterschätzt werden. Angesichts der labilen Konjunkturlage und der laufenden Ergebnissaison führender Unternehmen sei aber bei einem möglichen Positionsaufbau unbedingt selektiv vorzugehen, heißt es im Wochenausblick der Frankfurter. Auch die Pläne der Bundesregierung, Kursgewinne auf Aktien generell zu besteuern, sorgten für latente Unsicherheit.

Fundamental gesehen könnten die Aktienbörsen die zyklische Talsohle zwar durchschritten haben. Angesichts der immer noch labilen Stimmungslage halten viele Händler aber erneute Kursrückschläge, besonders als Reaktion auf schlechte Zahlen, für möglich. Die Unsicherheit bleibt weiter im Markt, aber es gibt besonders mit Blick auf den Irak eine Entspannung. Nach den jüngsten US-Aussagen und der Sitzung des Weltsicherheitsrates scheint die Wahrscheinlichkeit eines Krieges geringer geworden zu sein.

In den vergangen Tagen überraschte auch der US-Aktienmarkt mit kräftigen Kursgewinnen: Der Dow-Jones-Index legte in nur vier Handelssitzungen rund 1 000 Punkte zu. Auslöser dieser heftigen Aufwärtsbewegung war die in der vergangenen Woche begonnene Berichtssaison der Unternehmen für das dritte Quartal. Nach den zum Teil massiven Revisionen der Ertragsschätzungen nach unten im Vorfeld der Veröffentlichungen konnte die große Mehrheit der berichtenden Gesellschaften die revidierten Prognosen erfüllen oder sogar übertreffen.

Ob die jüngsten Kurssteigerungen bereits die ersehnte Trendwende eingeleitet haben, bleibt noch offen. Angesichts der stark überverkauften Marktlage, die unter anderem eine Folge der drastischen Ertragsrevisionen der vergangenen Wochen ist, könnte sich zunächst eine weitere Kursbefestigung durchaus fortsetzen. Die negativen Gewinnerwartungen für das dritte und vielleicht sogar das vierte Quartal dürften inzwischen eingepreist sein, so dass neue Tiefsstände vorerst nicht zu erwarten sind.

Die wichtigsten Termine in der nächsten Woche

Die Berichtssaison der Unternehmen nimmt ihren Lauf. Am Mittwoch veröffentlichen Daimler-Chrysler und die Hypo-Vereinsbank ihre Ergebnis des dritten Quartals. Am Donnerstag folgen die Merck KGaA und der MDax-Neuling Mannheimer AG. Wichtig sind auch die Konjunkturdaten. So beginnt die Woche mit den US-Frühindikatoren und dem Haushaltssaldo für September. Am Dienstag folgt die EU mit Daten zur ersten Schätzung des Außenhandels im August. Das Beige Book der Federal Reserve gibt am Mittwoch eine Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage der USA. Bei der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag erwarten Marktteilnehmer keine Leitzinssenkung. Der US-Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter September und der Verkauf bestehender Häuser folgt am Freitag. Doch damit ist die Woche noch nicht beendet, am Sonnabend wird der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom über die Besetzung des Vorstandsvorsitzes entscheiden. Das wird auch richtungsweisend für die weitere Strategie des Konzerns sein.

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