Dax im Frühjahr 2002 bei 13 000 Punkten erwartet
Marktumfrage: Dax mit Ausbruchs-Chancen nach oben

Wenn alle Anleger positiv gestimmt sind und der Aktienmarkt von Kaufempfehlungen der Fundamental-Analysten wimmelt, können die Kurse gewöhnlich nur fallen. Denn dann haben alle die Taschen voll mit Aktien und niemand mehr Geld für Zukäufe. Technische Analysten sind davon überzeugt, dass das für ihre Zunft nicht gilt. Denn sie nehmen die Stimmung eher als Kontraindikator und werden dann zuversichtlich, wenn die anderen betrübt auf die Kurse schauen.

vwd FRANKFURT. Jetzt sind die befragten technischen Analysten zuversichtlicher geworden. Die drei befragten Analysten sehen sich zumindest in der Grundtendenz optimistisch. Alle drei rechnen damit, dass die Korrektur in einen Ausbruch nach oben mündet.

Stephen Schneider, technischer Analyst der WGZ-Bank, sieht zwei Möglichkeiten der Interpretation. Er benutzt die Elliott-Wellen-Theorie für seine Analyse. Für ihn ist die große Frage, ob der Dax noch in der Korrektur steckt oder diese bereits abgeschlossen hat. Die Elliott-Wellen-Theorie basiert auf der Annahme, dass eine Korrektur aus drei Bewegungen besteht: der A nach unten, gefolgt von einer B nach oben und einer abschließender C nach unten. Ein Aufschwung hingegen unterteilt sich in fünf Wellen - Welle eins hoch, zwei runter, drei hoch, vier runter, fünf hoch zum Abschluss, damit ist der Aufschwung abgeschlossen, nun beginnt wieder eine richtige Korrektur in Form von A-B-C.

Das erste Szenario beschreibt, dass die Korrektur auf den letzten Anstieg bereits mit dem Tiefpunkt im Mai beendet wurde. Das deutsche Börsenbarometer präge demnach zur Zeit eine neue "Einsen" aus. Das zweite Szenario geht davon aus, dass sich der Index in einer längerfristigen Korrekturphase befindet und jetzt den Anfang des C-Teils durchläuft. Demnach sollte die Abwärtsbewegung in den nächsten Tagen erneut an Dynamik gewinnen.

Dieses Szenario würde durch das Übersteigen des Hochpunktes und Widerstands der vermeintlichen B-Welle bei 7 503 aufgelöst. Während die letzte Möglichkeit unter rein Elliott-technischen Gesichtspunkten die wahrscheinlichere sei, sprächen die Indikatoren für die erste Variante. Zwar scheine der Stochastik-Oszillator erneut Richtung Süden zu neigen, doch stiegen die Linien des MACD wieder an. Dies spreche für einen neuen Aufwärtstrend. Schneider ist der Meinung, daß sich Trader und Investoren mit Engagements zurückhalten sollten, bis die technische Patt-Situation aufgeklärt sei.Marktumfrage/Dax mit Ausbruchs-Chancen nach oben.

Neuer Anlauf in Richtung der Widerstände

Auch Ludwig Gutmann von der Bayerischen Landesbank glaubt, daß sich die aktuelle Marktphase in ein paar Wochen als Korrektur in einem langen positiven Trend herausstellen wird. Die von ihm genannten Widerstände bei 7 300/7 500 konnte der Markt erwartungsgemäß noch nicht brechen. Neben dem horizonalen Widerstand traf er auf die seit März gültige mittelfristige Abwärtslinie. Negative Kerzenmuster und die Kurzfristindikatoren zwangen den Index in die Knie. Obwohl die überverkaufte Situation abgebaut sei, könne er noch kein Ende der aktuellen Konsolidierung erkennen.

Dennoch glaubt Gutmann, dass der Index in absehbarer Zeit einen neuen Anlauf in Richtung der Widerstände nehmen werde. Der Kursverlauf ähnele dem im vergangenen Sommer und Frühherbst. Falls es stimme, dass Muster sich wiederholten, sollte der Dax auch diesesmal nach oben ausbrechen. Er sehe gute Chancen, dass sich der im März begonnene Abwärts-/Seitwärtstrend letzlich nur als Korrektur im langfristigen Aufwärtstrend erweise. "Wer unseren Optimismis teilt, wird an seinen Aktien festhalten und an schwachen Tagen zukaufen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, wartet Kaufsignale ab", so der techische Analyst. An Einzeltiteln nannte er Henkel Vorzüge, Fresenius Medical Care und Deutsche Telekom nach einer Bodenbildung.

Tafferner von Concord Effekten ist der "Bulle" unter den Charttechnikern. Für ihn sieht der Markt "einfach super" aus. Er verweist auf die gestiegene Marktbreite. Der Aktienmarkt befinde sich am Ende einer Korrektur, die idealerweise noch ein paar Punkte tiefer hätte gehen können. Momentan liege ein kleiner Abwärtstrend bei 7 260 bis 70 Zählern. Der wichtige "Schlüssel-Widerstand" sei die Marke um 7 350 Punkten, da hier der mittelfristige Abwärtstrend verlaufe.

Er glaube nicht an die Saisonalität der Aktienmärkte, sagte Tafferner. Die Historie zeige zwar, dass Höchststände oft im April und Tiefststände im September erreicht würden, aber seiner Meinung nach sei dieses Jahr der "April schon im März gewesen". Dies bedeute, daß alle Marktteilnehmer, die auf einen schwachen September warteten, zu spät kommen. Denn nach seiner Theorie ist dieses Jahr im "August schon September". So wie die Natur schon fortgeschritten sei, so sei es auch im Aktienmarkt. Der erwartete Aufschwung könnte den Dax im Frühjahr 2002 auf 13 000 Punkte tragen. Trotz seiner Zuversicht rät Tafferner aber zu einem Stop-Loss am Aktienmarkt bei 6 954 im Dax.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%