Dax könnte auf 6000 Punkte steigen
Strategen optimistisch für deutsche Aktien

Trotz deutlicher Kursverluste seit Jahresbeginn bleiben die meisten Aktienstrategen mit Blick auf das zweite Halbjahr sehr optimistisch für den Deutschen Aktienindex (Dax) gestimmt und verweisen auf die erfreuliche Konjunkturentwicklung in den USA und Europa.

Reuters FRANKFURT - Die Mehrheit der Strategen sieht den wichtigsten deutschen Börsen-Index bis Ende 2002 noch um mindestens 1000 Punkte auf 5700 bis rund 6000 Zähler steigen. "Der Markt leidet unter einer Vertrauenskrise, die nicht von den makroökonomischen Daten unterlegt ist", sagte Aktienstratege Dieter Schwarz von Consors Capital. Die Märkte ignorierten die zuletzt überraschend guten Konjunkturindikatoren. "Das ist eine klare Übertreibung nach unten. Daher will ich auch meine optimistischen Ziele nicht zurücknehmen", sagte Schwarz, der den Dax bis Ende des Jahres bei über 6000 Punkten sieht. Zu den Risikofaktoren des Marktes gehörten dagegen die politischen Krisen im Nahen Osten und im Kaschmir-Gebiet sowie Sorgen vor unsauberen Konzernbilanzen, sagte HSBC-Aktienstratege Volker Borghoff. Als einer der wenigen seiner Zunft sieht Borghoff den Dax bis zum Jahresende nur bei rund 5000 Punkten.

Seit Anfang 2002, als der Index der 30 größten deutschen Börsen-Werte bei 5160 Punkten startete, hat der Dax nunmehr knapp elf Prozent auf rund 4600 Punkte eingebüßt. Bereits damals hatte die große Mehrheit der Aktienexperten einen Dax-Stand per Ende 2002 von rund 5700 bis 6000 Punkten prognostiziert.

Konjunkturentwicklung in den Kursen noch nicht enthalten

"Es gibt noch keinen Grund, eine Anpassung vorzunehmen", sagte Aktienstrategin Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin, die einen Anstieg auf 6000 Punkte für realistisch hält. Konjunkturell sehe es nicht schlechter aus als vor einem halben Jahr. Im Gegenteil, die Wachstumserwartungen für die wichtigen europäischen Volkswirtschaften sowie die USA seien eher angehoben worden. Auf Dauer werde sich der Aktienmarkt nicht dem Wirtschaftswachstum in den USA, das Consors-Stratege Schwarz auf 3,5 bis 4,0 Prozent in diesem Jahr beziffert, entziehen können. "Das ist viel mehr als zuletzt erwartet", fügte Schwarz hinzu.

Die entscheidende Frage laute, wann werde der Widerspruch aus einer erfreulichen Konjunkturentwicklung, aber fallenden Kursen an der Börse aufgelöst, ergänzte Aktienstratege Dietmar Wiggermann von Concord Equity Research. "Eigentlich werden die Konflikte (im Nahen Osten sowie zwischen Pakistan und Indien) erst ein wirtschaftlicher Effekt, wenn sie zu flächendeckenden kriegerischen Handlungen werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist derzeit relativ gering." Daher sei eine Auflösung der widersprüchlichen Entwicklung und damit ein Dax-Stand von rund 6000 Zählern bis zum Jahresende durchaus realistisch.

Markt derzeit attraktiv bewertet

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dax liege auf Basis der geschätzten Gewinne für 2003 derzeit bei 15,8 und damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang 1996, hatten die Analysten der DZ Bank am vergangenen Freitag in einer Studie geschrieben. Das sei eine attraktive Bewertung. Daher sei im zweiten Halbjahr ein Kursanstieg bis auf 5700 Punkte zu erwarten. Auch im Verhältnis zum Rentenmarkt sei der Aktienmarkt momentan sehr attraktiv bewertet, fügte Wiggermann hinzu. Die Aktienrendite des Dax, gemessen am KGV der für 2003 geschätzten Gewinne, betrage im Verhältnis zu zehnjährigen Anleihen aktuell 1,13. "Die Aktienseite wirft also eine um 13 Prozent höhere Rendite als Renten ab."

"Die Bereitschaft, in Aktien zu investieren, erscheint dennoch sehr niedrig zu sein", sagte Aktienexperte Hendrik Garz von der WestLB. "Die Anleger sind einfach in einer depressiven Stimmung." Bessere Unternehmensergebnisse seien aber im dritten, spätestens im vierten Quartal zu erwarten, meinte Garz weiter. "Das Problem ist: Der Markt zweifelt an den Zahlen der Unternehmen", sagte Expertin Traud. Es herrsche eine regelrechte Angst, die Bilanzen könnten nicht richtig sein, seitdem der US-Energiehändler Enron Ende 2001 zusammengebrochen war. Enron hatte mit undurchsichtigen Bilanzpraktiken die Situation des Unternehmens verschleiert. Seitdem haben immer wieder Sorgen der Anleger um die Richtigkeit der Konzernbilanzen die Wall Street wie auch die europäischen Börsen belastet.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Experten ist HSBC-Stratege Borghoff der Ansicht, dass es bis zum Jahresende lediglich eine Erholung bis in den Bereich um 5000 Punkte geben wird. "Die Risikofaktoren bleiben", sagte Borghoff mit Blick auf die politischen Konfliktregionen oder die Bilanzsorgen. Auch seien die Gewinnschätzungen der Unternehmen noch zu hoch. Weiter fallende Kurse seien aber auf Grund der Konjunkturentwicklung nicht zu erwarten. "Dennoch ist es nicht mehr auszuschließen, dass der Dax auch das dritte Jahr in Folge mit einer negativen Performance (Entwicklung) abschließt", sagte Borghoff.

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