Dax macht Vortagsverluste wett – Infineon unter den Tagesgewinnern
Über den deutschen Standardwerten scheint herbstliche Sonne

In der Mainstadt schien die Herbstsonne gestern nicht nur vor, sondern auch in der Börse. Die deutschen Aktien hatten bereits bis zum Mittag die Verluste vom Wochenauftakt zum größten Teil wieder ausgeglichen. Die Aussichten auf eine freundliche Eröffnung an der Wall Street machte den Anlegern sogar Appetit auf mehr. Kritische Stimmen warnten zwar, im Vorfeld wichtiger Geschäftszahlen von US-Firmen in dieser Woche sei das Aufwärtspotenzial am deutschen Markt gering. Doch diese Bemerkungen wurden nur noch vereinzelt wahrgenommen, als es in Übersee anfangs tatsächlich zu den erwarteten Aufschlägen kam.

FRANKFURT/M. Bis Handelsende kletterte der Deutsche Aktienindex (Dax) um 1,71 % auf 4 626 Punkte. "Die Erholung geht weiter", äußerte sich ein Händler. Die Milzbrand-Fälle in den USA, die jüngst noch als Erklärung für den rot eingefärbten Kurszettel herhielten, schienen die Stimmung am Dienstag zumindest nicht mehr zu belasten.

Auch die fundamentale Situation sei positiv zu beurteilen, sagten Händler. Sowohl die Geld- als auch die Fiskalpolitik in den USA und Europa lieferten positive Impulse. Außerdem seien die Gewinnerwartungen der Unternehmen zuletzt so tief gesunken, dass die niedrigeren Prognosen nun eingehalten werden dürften. Achim Matzke von der Commerzbank wies darauf hin, dass die Firmen möglichst viele negative Faktoren in ihre Quartalsberichte packten, um damit einer Erholung im ersten Quartal 2002 den Weg zu ebnen.

Aus technischer Sicht ergab eine aktuelle Marktumfrage der Nachrichtenagentur vwd, dass sich die Stabilisierung im Dax mittelfristig fortsetzen dürfte.

Im Tagesverlauf trieben vor allem Technologiewerte den Handel vorwärts. Was am Morgen mit technischen Käufen begonnen hatte, verlieh am Nachmittag auch Titeln aus anderen Branchen den nötigen Schwung. In die Spitze der Dax-Gewinner schoben sich Infineon. Nach Börsenschluss in den USA werde Intel positiv erwartete Geschäftszahlen vorlegen, erklärte ein Marktbeobachter. Allerdings liege das Kursplus im Rahmen der jüngsten Tagesbewegungen. Noch sei die Hoffnung, die Halbleiterkonjunktur werde sich im kommenden Jahr erholen, recht vage. SAP drehten trotz der Ankündigung der Tochter Commerce One, Arbeitsplätze zu streichen, ins Minus. Die Nervosität vor den Quartalszahlen am Donnerstag sei groß, hieß es im Markt.

Siemens-Aktien konnten sich den schwachen Geschäftszahlen ihres Wettbewerbers Philips entziehen, wie der in Amsterdam notierte Elektronikwert selbst übrigens auch. Insbesondere inländische Fonds kauften Siemens und lenkten so einen kleinen Teil der angehäuften Liquiditätsreserven in den Markt, bemerkten Händler zu den hohen Umsätzen in diesem Wert. Bei den Banken erholten sich Commerzbank von den Vortagsabschlägen. Die geplanten Einsparungen und Umstrukturierungen bringen Beobachtern zufolge etwas Kursphantasie. Daran konnte auch eine Herunterstufung durch Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein nichts ändern. Dem Kurs der Hypo-Vereinsbank halfen Aussagen, die Aktie notiere unterhalb ihres Buchwertes.

Zu den Kursverlierern gehörten Bayer und BASF. Bei Bayer wurden Gewinne realisiert, BASF war von Schroder Salomon Smith Barney auf "underperform" herabgestuft worden.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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