Dax schließt deutlich im Minus
Duisenbergs Zinsentscheid enttäuscht die Börse

Mit massiven Verkäufen haben Marktteilnehmer am Donnerstag die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) quittiert, die Zinsen unverändert zu lassen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) weitete seine Verluste am Nachmittag immer weiter aus und schloss nahe dem Tagestief.

Reuters FRANKFURT. "Das Zinsniveau ist einfach zu hoch für die konjunkturelle Lage", brachte ein Händler die Enttäuschung der Börsianer auf den Punkt. Schließlich gebe es immer noch keine Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur. Nach der überraschend deutlichen Senkung der Leitzinsen durch die US-Notenbank um einen halben Prozentpunkt hätten viele Anleger darauf spekuliert, dass die EZB dem Vorbild folgend die Zinsen zumindest geringfügig herabsetzen werde. Zinssenkungen stimulieren in der Regel die Konjunktur und damit auch die Börsenkurse. Ansonsten standen Adidas und Aixtron im Rampenlicht. Die Unternehmen hatten zuvor Geschäftszahlen vorgelegt.

Verluste ausgebaut

Der Dax schloss am Donnerstag 4,3 Prozent tiefer bei 3155,66 Zählern, während der Nebenwerte-Index MDax 0,9 Prozent auf 3134,13 Punkte verlor. Am Neuen Markt fiel derweil der Auswahlindex Nemax50 um 3,9 Prozent auf 425,48 Zähler. An der Wall Street lag der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 1,9 Prozent im Minus bei 8609 Stellen, während der Nasdaq-Index um 2,5 Prozent auf 1384 Punkte nachgab.

"Kaum Grund Aktien zu kaufen"

"Aus charttechnischer Sicht hat der Dax zwar noch Potenzial nach oben, fundamental gibt es aber kaum einen Grund, Aktien zu kaufen", fasste der Marktanalyst Alfred Kaiser vom Bankhaus Nols die Enttäuschung der Anleger zusammen. Händler ergänzten, viele Investoren nutzten die Gelegenheit, um ihre Gewinne der vergangenen Wochen einzustreichen. Analysten fügten hinzu, sie rechneten nun mit einer Zinssenkung der EZB im Dezember.

Die US-Leitzinssenkung vom Vorabend hatte am Vormittag keine Euphorie an den internationalen Aktienmärkten ausgelöst. Die überraschend deutliche Senkung unterstreiche vielmehr den labilen Zustand der Konjunktur, sagte der Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba.

Solides Ergebnis rettet Adidas vor Verlusten nicht

Die Aktien von Adidas verloren 2,2 Prozent auf 79,87 Euro. Händler begründeten dies mit Gewinnmitnahmen. In den vergangenen Wochen hatten die Titel rund ein Viertel an Wert zugelegt. Börsianer bezeichneten die vorgelegten Geschäftszahlen einhellig als gut, da sie die Erwartungen übertroffen hätten. Erfreulich sei vor allem die positive Entwicklung der Margen, ergänzte der Analyst Oscar Marcos von Merrill Lynch.

Cisco belastet Technologie-Werte

Die traditionell stark konjunkturabhängigen Technologiewerte verbuchten derweil besonders hohe Verluste. Mit einem Minus von knapp zehn Prozent auf 10,25 Euro beziehungsweise 6,5 Prozent auf 11,97 Euro standen die Aktien von Infineon und Epcos an der Spitze der Dax-Verlierer. Neben der Zinsentscheidung belastete Händlern zufolge des schwache Ausblick des US-Netzwerkausrüsters Cisco die Branche.

Die Papiere der Deutschen Telekom verloren bis zum Nachmittag 6,3 Prozent auf 11,15 Euro. Zuvor hatte Reuters aus Branchenkreisen erfahren, die US-Mobilfunktochter T-Mobile US habe im abgelaufenen Quartal ein starkes Wachstum verbucht. Ein Verkauf oder eine Verschmelzung des vormals unter dem Namen Voicestream firmierenden Unternehmens werde dadurch weniger wahrscheinlich, hieß es. Genau darauf hätten aber viele Anleger angesichts der drückenden Schuldenlast bei der Telekom gehofft, sagte der Analyst Frederick Altmann vom Handelshaus Hornblower Fischer mit Blick auf den fallenden Kurs der T-Aktie. Zudem befürchteten die Anleger offenbar, dass die erwarteten Wertberichtigungen für Voicestream weniger stark ausfallen würden als erwünscht.

Am Neuen Markt brachen die Titel von Aixtron um 16,3 Prozent auf 5,50 Euro ein. Der Hersteller von Maschinen zur Chipproduktion hatte zuvor seine Prognosen für 2002 zum dritten Mal in diesem Jahr gesenkt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%