Dax stürzt unter 3 500 Punkte
T-Aktie nach Gerüchten massiv unter Druck

Der Bund wolle 200 Millionen Papiere verkaufen, um die Folgen der Flutkatastrophe zu finanzieren, hieß es am Markt. Gemeinsam mit SAP zieht die T-Aktie den Dax tief ins Minus. Technische Analysten befürchten den Test alter Tiefstände.

vwd/rtr/ddp/dpa FRANKFURT. Bis kurz nach 11.00 Uhr (MESZ) tendierte der Dax 3,64 Prozent im Minus bei 3 478 Zählern. Einige Marktteilnehmer bezeichneten die Unterschreitung der Marke von 3 500 aus charttechnischen Gesichtspunkten und aus psychologischer Sicht als bedeutend. Dabei verloren T-Aktien mehr als fünf Prozent, SAP-Papiere mehr als vier Prozent. Am Neuen Markt gab der Blue-Chip-Index Nemax 50 1,77 Prozent auf 473 Zähler nach. Der MDax für mittelgroße Werte notierte 1,23 Prozent tiefer bei 3 350 Punkten.

In Japan war zuvor die Börse am Dienstag auf den tiefsten Stand seit mehr als 18 Jahren gestürzt, was Händlern zufolge auch kein gutes Signal für die deutschen Märkte sei. Die technischen Analysten der Bayerischen Landesbank sprachen von einem "Schock in Japan", der die Hoffnung auf eine Bodenbildung zunichte macht. Die Stimmung sei weiterhin angeschlagen, erklärten Händler.

"Ein erneuter Test der alten Tiefstände ist durchaus denkbar", sagte der technische Analyst Klaus Tafferner von Concord Effekten. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hatte Anfang August bei 3 235 Punkten den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren markiert. Derzeit habe das wichtigste deutsche Börsenbarometer nicht viel Potenzial nach oben, ergänzte Tafferner.

In den USA, wo die Börsen am Montag feiertagsbedingt geschlossen hatten, deuteten die Futures eine mehr als ein Prozent schwächere Eröffnung der Märkte an. Aktienhändler in Deutschland sagten, die tatsächliche Tendenz der US-Börsen werde aber voraussichtlich von dem wichtigen ISM-Einkaufmanagerindex abhängen. Analysten rechnen für den Monat August mit einem leichten Anstieg zum Vormonat. Der Index wird am Nachmittag (MESZ) veröffentlicht.

Das Bundesfinanzministerium wies am Morgen die Gerüchte über den Verkauf von T-Aktien als falsch zurück. Ein Ministeriumssprecher sagte am Dienstag auf Anfrage: "Ich kann das nur klar dementieren." Es stünden in diesem Jahr keinerlei Privatisierungsschritte an "bei dieser Marktlage", sagte der Sprecher weiter. Es handele sich wohl "um einen vorgezogenen Aprilscherz".

Aber auch Hutchison Whampoa werden als großer Verkäufer von T-Aktien gehandelt. Die Papiere verloren mehr als fünf Prozent auf 10,34 Euro. Bis zum Mittag wurden rund 20 Millionen Telekom-Aktien gehandelt, was in etwa dem Durchschnitt eines Tages entspricht.

Die Aktien des Softwareherstellers SAP knapp vier Prozent auf 72,00 Euro nach. Die SAP-Gründeraktionäre haben eigenen Angaben zufolge ihren Konsortialvertrag aufgelöst, in dessen Rahmen sie die Papiere an dem Unternehmen hielten. Sie hätten allerdings nicht die Absicht, ihre Aktienbestände "wesentlich zu minimieren". Ein Börsianer sagte: "Nicht wesentlich, aber es wird wohl verkauft. Wie viel Aktien sind 'nicht wesentlich', ist jetzt die entscheidende Frage." Fondsmanager Boris Böhm von Nordinvest bewertete die Nachricht weniger dramatisch. "Die Jungs werden älter und brauchen wohl einfach Geld, das ist aber keine fundamentale Sache", sagte er.

Unter Druck standen auch die Anteilsscheine des Chip-Herstellers Infineon, die rund vier Prozent fielen. Die Aktien des Dax-Schwergewichts Siemens verbilligten sich um mehr als zwei Prozent. Ein Aktienhändler sagte, die Stimmung für High-Tech-Aktien sei derzeit einfach nicht gut.

Aktien, die üblicherweise von der Reiselust ihrer Kunden profitieren, notierten schwach. TUI-Titel verloren 4,2 Prozent auf 21,20 Euro, Lufthansa-Aktien sanken um 4,4 Prozent auf 11,61 Euro. Ein Händler sagte, der Markt Sorge sich zunehmend vor dem 11. September, dem Jahrestag der Terroranschläge in den USA.

Im MDax fielen die Anteilsscheine der Heidelberger Druckmaschinen AG um knapp sieben Prozent auf 34,70 Euro. Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller hat angesichts der anhaltend schwachen Konjunktur das Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr 2002/2003 nach unten geschraubt. Dies zeige, dass die erwartete Erholung im zweiten Halbjahr auf tönernen Füßen stehe, sagte Analyst Erhard Schmitt von Helaba Trust. "Die Mitteilung ist durchaus eine Überraschung. Da gibt es sicherlich Erklärungsbedarf," fügte Schmitt hinzu.

Am Neuen Markt führten ACG, Internationalmedia und Lion Bioscience die Nemax-Verlierer mit Einbußen um 4,0 % an. Kräftige Kursgewinne verbuchten Dialog Semiconductor, die knapp 9,0 % auf 1,58 ? zulegten. Gefragt waren auch AT&S, Ixos und Senator.

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