Dax-Titel sind moderat bewertet
US-Aktien werden wieder zu teuer

Das gerade zu Ende gegangene dritte Quartal bescherte den Unternehmen die größten Gewinneinbrüche seit zehn Jahren. Besserung ist kaum in Sicht. Ohne dass die Kurse zulegen, steigen deshalb die Bewertungen an der Börse. Viele Investmenthäuser empfehlen defensives Verhalten.

DÜSSELDORF. Fast alle Unternehmen haben ihre Bilanzen für das dritte Quartal präsentiert. Zumindest in den USA. Und das Ergebnis ist verheerend. Nach einem Gewinneinbruch von 17 % im zweiten Quartal erlitten die im marktbreiten amerikanischen S&P-500-Index notierten Unternehmen nach Berechnungen des Informationsdienstes Thomson Financial/First Call nun ein Minus von 22 % im Vergleich zum Vorjahr. Das sind gut sieben Prozentpunkte mehr als Analysten noch Anfang September vorausgesagt hatten.

Und auch im vierten Quartal ist keine Besserung in Sicht. Chuck Hill von Thomson Financial fürchtet einen neuerlichen Rückgang von 20 % und verweist auf die psychologischen Folgen der Terrorattacken. Diese hatten zuletzt das Vertrauen der Verbraucher und die Stimmung der Einkaufsmanager auf Talfahrt geschickt.

Doch trotz des stärksten Rückgangs bei den Unternehmensgewinnen seit 1991 reagierten die Börsen nicht mit weiteren Kursverlusten. Im Gegenteil: Häufig kam es auch dann zu Aufschlägen, wenn Firmen die Schätzungen knapp verfehlten. Grund dafür sind die immer weiter abweichenden Erwartungen zwischen Analysten und Investoren. "Für Europa erwarten Analysten im kommenden Jahr ein durchschnittliches Ertragswachstum bei den Unternehmen von 15 %. Der Markt geht aber momentan von minus 10 % bis minus 12 % aus", meint Bernd Janssen von UBS Warburg.

Ähnlich sieht die Situation in den USA aus. Auch dort erwarten Analysten bereits in der ersten Jahreshälfte 2002 wieder steigende Erträge. First Call sieht nach Auswertung der Analystenprognosen Anzeichen, dass die Gewinnwarnungen für das vierte Quartal etwas abnehmen. Doch Investoren sind deutlich negativer gestimmt und rechnen weiter mit Minuszahlen.

Der Markt hat damit ein hohes Maß an Pessimismus "eingepreist" - vielleicht sogar zu viel. Zudem gibt es in den USA Hinweise, dass die Unternehmen ihre Zahlen und Prognosen nach unten manipulieren. Als Anlass dienen die Terrorattentate vom 11. September. Der Gedanke dabei ist, dass die Firmen später mit Hilfe eines sehr niedrigen Ertrags- und Umsatzniveaus eher die Möglichkeit für größere Steigerungsraten haben.

Doch viel Luft für Kurssteigerungen bieten die optimistischen Szenarien nicht. Denn ein Blick auf die langjährigen durchschnittlichen Bewertungen der Unternehmen zeigt, dass US-Titel auch nach der intensiven Börsenbaisse keinesfalls billig sind. Die im S&P 500 notierten Werte weisen derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30 auf. Das ist doppelt so viel wie es dem langjährigen Durchschnitt entspricht.

Ursache für den kräftigen Anstieg in den vergangenen Wochen ist nicht nur die Börsenrally im Oktober. Die schlechten Quartalszahlen trugen ebenfalls dazu bei, dass die Aktien nach der klassischen Kennzahl KGV wieder teuer geworden sind.

Deutsche Aktien sind mit einem Durchschnitts-KGV von 15 zwar moderat bis preiswert bewertet. Doch hier gilt es als sicher, dass noch viele Unternehmen ihre Ertragsziele nach unten schrauben werden. Damit würde das KGV steigen, auch wenn die Kurse nicht zulegen.

Angesichts der schwierigen Konjunkturlage und der unsicheren Aussichten für die Unternehmensgewinne empfiehlt UBS Warburg dem Anleger, die Aktienquote mit europäischen und amerikanischen Aktien weiterhin gering zu halten. Stratege Bernd Janssen sieht allerdings den bereits seit über einem Jahr anhaltenden Trend zu Konjunktur-resistenten Aktien skeptisch. "Defensive Aktien waren selten so teuer wie jetzt. Dagegen gibt es zyklische Werte so billig wie selten zuvor", macht er einen Bewertungsabschlag für Konjunktur-sensible Titel aus.

Nach Ansicht der West LB sind die Aktienmärkte zwar "nach wie vor unterbewertet". Doch die Experten erwarten wie fast alle Investmenthäuser, dass nach der Oktober-Rally die Tiefststände vom September noch einmal getestet werden.

Darin sind sich fundamental-orientierte Analysten mit Charttechnikern einig. Denn in der Vergangenheit wurde eine Trendwende fast nie durch eine V-förmige Erholung eingeleitet. Vielmehr kam es mehrfach zu Rückschlägen, so dass sich an den Aktienmärkten ein "Boden" bilden konnte. In Europa setzt die West LB auf defensive Werte wie Aegon, Bunzl, Intesa, Nestlé, Sandvik, TPG und Vodafone - auch der britische Mobilfunkanbieter fällt in diese Kategorie. Dagegen raten die Analysten von den High-Tech-Werten Nokia, Telia, Alcatel, Infineon und Cap Gemini ab.

Der Versicherer Aegon steht übrigens nach dem Kursverfall infolge der Terrorattentate in den USA häufig auf den Empfehlungslisten der Investmenthäusern. Morgan Stanley Dean Witter rät zum "aggressiven Kauf" und verweist auf die Neunmonatsergebnisse am 8. November. Die Experten erwarten beim Nettoeinkommen ein Plus von 16 %. Vor allem in den USA beschleunigen die Niederländer ihr Wachstum. Dabei ist Aegon - mit starken Standbein im Geschäft mit Lebensversicherungen - nach Meinung der West LB nicht so stark wie die Konkurrenten Allianz und Axa von den Folgen der Terroranschläge betroffen.

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