Dax und Dow enttäuschen, Werte aus der zweiten Reihe gewinnen
Anleger meiden jetzt die großen Namen

Zumindest die US-Wirtschaft beginnt zu brummen, doch die Börsen reagieren mit symbolträchtigen Verlusten. Die Anleger trauen den Papieren aus der ersten Reihe nicht, sie wenden sich lieber mittelgroßen Unternehmen oder Schwellenländern zu.

HB DÜSSELDORF. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fällt unter 5 000 und der große Bruder Dow Jones unter 10 000 Punkte. Noch düsterer präsentieren sich die Technologiebörsen Nasdaq und Neuer Markt. Sie kommen den September-Tiefstständen bedrohlich nahe. Die Rückschläge als kurzfristige Verirrungen abzutun ist fahrlässig. Denn die Börse hat ein gutes Gespür für die Entwicklung der Unternehmen und damit der Konjunktur.

Zu einfach ist es allerdings auch, von einem erhöhten Risiko-Bewusstsein nach den Terroranschlägen am 11. September und den Bilanzmanipulationen des US-Energiehändlers Enron zu sprechen. Denn ausgerechnet in riskanten Schwellenländern boomen derzeit Aktien. Und in den etablierten Märkten entwickeln sich Titel in der zweiten und dritten Reihe prächtig. Investoren setzen neue Schwerpunkte und damit auf andere Unternehmen.

Seit Beginn der Quartalsbericht-Saison vor zwei Wochen hat sich der Dax um 400 Punkte ermäßigt. In Zahlen ausgedrückt sind das acht Prozent oder die Vernichtung von knapp 50 Milliarden Euro. Das ist etwas mehr als der Börsenwert der Deutschen Bank oder der Softwareschmiede SAP. Im Dow entspricht das Minus von ebenfalls 400 Punkten dem Totalverlust von drei Dax-Schwergewichten.

Die Motoren springen nicht an

Die Schwäche resultiert aus der Verunsicherung vieler Firmen über die weitere Geschäftsentwicklung. Entgegen den ursprünglichen Hoffnungen sprechen Manager großer Vorzeige-Unternehmen wie AOL, Microsoft und Nokia nicht von einem neuen Aufschwung, sondern sie senken ihre Prognosen. Daran ändert auch der kräftige Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts nichts. Den Konzernen ist ebenso wie den Investoren bewusst, dass dafür vor allem der Aufbau neuer Lagerbestände und die hohen US-Verteidigungsausgaben verantwortlich sind. Doch die eigentlichen Motoren eines Aufschwungs - Verbraucherausgaben und Unternehmensinvestitionen - springen nicht an. Vom ausgabefreudigen, aber hoch verschuldeten US-Durchschnittskonsumenten ist eine Belebung auch künftig nicht zu erwarten.

Die Börse spürt diese Sonderfaktoren und reagiert negativ. Wie schon in der Vergangenheit, etwa mit Beginn des Kurssturzes im Frühjahr 2000 auf dem Gipfel des Konjunkturbooms, dürfte sie sich wieder als sehr früher Frühindikator erweisen. Diesmal lautet das Signal: Wenn der Aufschwung kommt, dann fällt er bescheiden aus. Keineswegs kehren Investoren deshalb aber unisono den Aktienmärkten den Rücken. Vielmehr billigen sie den Global Playern nur noch eine geringere Prämie gegenüber Firmen der zweiten Reihe zu. Indizes mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen notieren seit Beginn der Baisse vor zwei Jahren im Plus. Zugleich gewinnen jene Schwellenländer in Osteuropa und Asien Zulauf, die mit hohen Wachstumsraten und niedrigen Aktienbewertungen hinsichtlich des Kurs-Gewinn-Verhältnisses glänzen. Börsen wie Russland, Korea und Thailand notieren auf dem höchsten Stand seit Jahren.

Anleger scheuen also weiterhin nicht das Risiko. Doch Investoren sind von vielen Unternehmen in der ersten Reihe enttäuscht. Denn hier werden Ansprüche wie Erträge, Dividendenrendite, niedrige Verschuldung, Wachstum und Zuverlässigkeit weniger häufig erfüllt als gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erhofft.

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