Dax-Unternehmen proben Schulterschluss
Konzerne bauen Front gegen Steuerpläne auf

In einer konzertierten Aktion versuchen große deutsche Unternehmen, die Bundesregierung zur Rücknahme ihrer Steuerbeschlüsse zu bewegen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen haben sich Finanzexperten zahlreicher Dax-Unternehmen in der vergangenen Woche getroffen, um über eine gemeinsame Linie zu beraten.

FRANKFURT/M. Hauptgrund der bislang beispiellosen Aktion: Die Umsetzung der Steuerpläne hätte gefährliche Folgen für alle Holding-Gesellschaften. Experten entwickeln bereits Pläne, um die Folgen der Steuerrechtsänderungen abzufedern.

Nach Informationen des Handelsblatts sind unter anderem Eon und RWE, Bayer, Siemens und der Autohersteller Daimler-Chrysler an den Gesprächen beteiligt. Die Unternehmen wenden sich gegen die geplante Streichung der so genannten "gewerbesteuerlichen Organschaft". "Wenn das so kommt, dann ist der Holding-Standort Deutschland tot", bringt ein Manager die Sorgen auf den Punkt.

Einzelne Konzerne wie etwa Bayer sind zurzeit dabei, sich eine neue Holding-Struktur zu geben. Offiziell wollte das Unternehmen keine Stellung zu möglichen Auswirkungen der rot-grünen Pläne nehmen. In Bayer-Kreisen hieß es allerdings, man prüfe die Thematik "Stammhaus versus Holding" genau. Auch andere Konzerne spielen bereits mögliche Szenarien durch. Details dringen kaum nach außen, da niemand die Finanzbehörden auf mögliche Ausweichmöglichkeiten aufmerksam machen will.

Mit ihrer gemeinsamen Aktion reagieren die Manager auf die Probleme, die sich aus dem gespannten Verhältnis zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Michael Rogowski, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), ergeben. Rogowski hatte sich vor den Bundestagswahlen für eine Ablösung von Rot-Grün eingesetzt - Schröder ist deshalb nach wie vor verärgert.

Als Reaktion auf den offenbar sinkenden Einfluss von Rogowski wollen die Unternehmen nun selbst für einen Dialog mit der Berliner Regierung sorgen. BDI und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wissen nichts von der Frontbildung der Großkonzerne.

Wie zu hören ist, denken die Unternehmen daran, ein gemeinsames Schreiben an Bundesfinanzminister Hans Eichel zu formulieren. "Es sind bereits Beschwerdebriefe an Herrn Eichel mit Durchschlag an das Kanzleramt geschrieben worden. Wir wollen jetzt Gesprächsbereitschaft signalisieren", berichtete einer der Beteiligten. Jeder wisse um die finanziellen Zwänge der öffentlichen Hand. "Aber wir müssen die Sache in die richtige Richtung bringen", begründete ein Beteiligter das Gesprächsangebot.

Direkt angesprochen, halten sich die meisten Unternehmen bedeckt. "Wir wollen das Steuerthema mit der rot-grünen Bundesregierung diskutieren", heißt es ausweichend bei Daimler-Chrysler. Thyssen-Krupp wollte sich nicht äußern. Ein Sprecher sagte nur, dass "wir das Thema Steuern intensiv prüfen".

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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