Dax-Werte auf globalen Empfehlungslisten rar
Deutsche Aktien nicht die erste Wahl

Seit Jahren bemühen sich verschiedene Akteure darum, den Finanzplatz Deutschland attraktiver zu gestalten. Frankfurt soll zumindest nicht weiter zurückfallen gegenüber London und New York. Schaut man sich das Investitionsverhalten der Fondsmanager und die Empfehlungslisten wichtiger Investmentbanken aus dem angelsächsischen Raum an, so ist auffällig, dass deutsche Aktien trotz der Anstrengungen nur eine nachgeordnete Rolle spielen.

FRANKFURT/M. Morgan Stanley etwa publiziert eine 20 Werte umfassende Liste mit dem Titel "Global Fresh Money Buys". Keine einzige deutsche Gesellschaft hat hier Einzug gehalten, dagegen finden sich unter den europäischen Aktien etwa die Swiss Re und die spanische Telefónica. Morgan Stanley setzt vor allem auf Banken- und Öltitel. Nun kann Deutschland als rohstoffarmes Land natürlich bei Ölaktien nicht aushelfen, aber auch die "top picks" im Bankenbereich sind mit HSBC und UBS außerhalb der Landesgrenzen zu finden.

Auch bei UBS Warburg sind einheimische Vertreter eher Mangelware. In die Aufstellung der "Global 50 Highlighted Stocks" haben es lediglich die deutsch-französische Aventis und SAP geschafft, unter insgesamt zehn Finanzititeln sucht man etwa nach der Deutschen Bank oder der Allianz vergeblich. Dabei ließen die Kriterien für das Modellportfolio durchaus Chancen: kurzfristiges zyklisches Aufwärtspotenzial und langfristige Gewinnaussichten sollten auch Dax-30-Titel auf die Waage bringen. Zwar argumentieren viele Fondsmanager, bei global aufgestellten Konzernen spielten Landesgrenzen keine Rolle. Trotzdem steht die geringe Dax-Präsenz in einem krassen Missverhältnis zur volkswirtschaftlichen Bedeutung des "Exportweltmeisters".

Fragt man nach den Gründen für das Ungleichgewicht, so wird auf eine Reihe von Defiziten verwiesen: den großen Staatseinfluss bei Konzernen wie VW oder Deutsche Telekom, die Informationspolitik und damit verbunden die Sprachbarriere. Außerdem würde man härtere Strafen für Falschinformationen von Vorständen begrüßen.

"In der Tat sind sehr viele strukturelle Gründe hierfür verantwortlich, die einerseits von den angelsächsischen Banken ausgehen", meint Börsenstratege Rolf Elgeti bei Commerzbank Securities in London. Der Bezug zu den deutschen Unternehmen sei historisch eher weniger stark ausgeprägt. Was die Anleger angehe, so gäbe es bestimmte Eigenschaften deutscher Aktien, die oft wenig "schmackhaft" seien, wie etwa die relativ geringe Liquidität und eine vergleichsweise schlechtere Publizität - obwohl sich hier bei vielen deutschen Unternehmen sehr viel zum Positiven gewandelt habe.

Angelsächsische Fondsmanager für Technologieaktien haben noch ein ganz anderes Problem: Wenn der Index, an dem man sich orientiert, deutsche Aktien untergewichtet, bleibt kaum Spielraum. "90 Prozent meiner Benchmark besteht aus amerikanischen Aktien", erklärt Greg Kerr, Fondsmanager des "Global Technology Fund" bei der britischen M & G International Investments Ltd. In seinem Fonds entfallen 77 % der Investments auf die USA, danach kommen Großbritannien, Japan und Frankreich. Außerdem verweist er noch auf eine weitere Schwierigkeit: Deutschland hat keinen unbestrittenen Weltmarktführer. "Microsoft hat ganz klar eine monopolistische Position, dagegen liefern sich SAP und Oracle ein Kopf-an-Kopf-Rennen", sagt Kerr.

In den USA würden die Vorstände daran gemessen, wie sich der Aktienkurs entwickelt. "Die CEO?s werden dafür belohnt, wenn sie rausgehen, ihre Geschäftsphilosophie erläutern und damit dem Aktienkurs helfen", hat Kerr beobachtet. Natürlich fühlen sich auch die Vorstände hier zu Lande dem "shareholder value"-Gedanken verpflichtet, offenbar kommunizieren sie dies aber noch nicht überzeugend.

Profitieren können die hiesigen Aktien jetzt vor allem aus der Enron-Krise, denn die deutsche Buchführung sei bekannt dafür, dass sie sehr konservativ ist, meint Analyst Elgeti. "Man kann einige große internationale Fondsgesellschaften dabei beobachten, wie sie spezielle Themenfonds für Mid Caps auflegen." Allerdings kommt dies nur den MDax-Aktien und einigen Titel aus dem SDax zugute, für Dax und Nemax ist kein Stimmungswandel zu erwarten.

Auch steuerbefreite Beteiligungsverkäufe könnten die Attraktivität deutscher Aktien steigern. Aber: "Die große Frage bei der Deutschen Bank und jeder anderen Bank, die ein werthaltiges Portfolio mit Industriebeteiligungen haben, ist: Was werden sie damit tun?", gibt Murdo Murchison, Fondsmanager des Templeton Growth Fund zu bedenken. Nicht die Mittelerzielung sei wichtig, sondern die-verwendung. "Werden sie die Erlöse in guten Projekten anlegen, werden die Anleger davon profitieren, oder werden sie das Geld vergeuden?", rätselt Murchison. Die Gretchenfrage "Wie hälst du es mit dem shareholder value?" wird also neu gestellt.

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