DBV-Winterthur hat einen guten Namen im Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge
Versicherer trifft Kapitalmarktkrise doppelt

Abgesehen von wenigen Schwergewichten wie der Allianz oder Münchener Rück stehen deutsche Versicherungstitel selten im Rampenlicht der Anlegerbühne. Dies liegt vor allem daran, dass die meisten Versicherungsgesellschaften hier zu Lande kaum freie Aktionäre haben.

DÜSSELDORF. Nur 16 der rund 320 Versicherungaktiengesellschaften weisen einen Streubesitz von mehr als fünf Prozent aus; nur sie sind auf Grund eines ausreichenden Handelsvolumens grundsätzlich interessant für Anleger. Dazu zählt mit einem Free Float von rund elf Prozent die DBV-Winterthur. Mehrheitsaktionär der Wiesbadener ist die Schweizer Winterthur-Gruppe, die zur Credit Suisse gehört.

Der Aktienkurs der DBV-Winterthur dümpelt seit Monaten um die Marke von 28 Euro herum, daran haben auch die guten Nachrichten aus dem Bereich der betrieblichen Altersvorsorge nichts ändern können. Hier profitiert die frühere Deutsche Beamtenversicherung von ihren historischen Verflechtungen: So gewann die DBV-Winterthur die Ausschreibung des Deutschen Beamtenbundes als federführender Versicherer und nahm im Konsortium des Deutschen Gewerkschaftsbundes für den öffentlichen Dienst Platz.

Doch von den guten Geschäftsaussichten in der betrieblichen Altersvorsorge sollten sich Anleger nicht blenden lassen. Denn nach den Unterschriften unter den Rahmenverträgen müssen auch noch die Beschäftigten von dem Kauf einer Police überzeugt werden.

Außerd

em hat die DBV-Winterthur eine Reihe Probleme, unter anderem in ihrem wichtigsten Geschäftsfeld Lebensversicherung, auf das gut die Hälfte der Beitragseinnahmen entfällt.

Beim Verkauf privater Lebensversicherungen schmerzt immer noch der Abschied vom langjährigen Kooperationspartner Commerzbank. Die weggefallenen Verkäufe über diesen Vertriebskanal konnten bisher nicht kompensiert werden. Hinzu gesellen sich die Probleme in Folge der Börsenturbulenzen in den vergangenen drei Jahren: Trotz saftiger Abschreibungen blieben für 2002 stille Lasten in Höhe von 324 Mill. Euro in den Büchern stehen. Sie schränken den Handlungsspielraum des Managements ein.

Keine Frage - die unerwartete Börsentalfahrt hinterließ in den Bilanzen aller deutscher Lebensversicherer deutliche Spuren. Doch die DBV-Winterthur traf die Kapitalmarktentwicklung - anders als viele Konkurrenten - zusätzlich in der Schaden- und Unfallversicherung. Grund ist das aggressive Wachstum des Unternehmens in der Autoversicherung. Dieser Geschäftszweig musste vergangenes Jahr subventioniert werden. Jetzt trat der Vorstand auf die Wachstumsbremse.

Versicherer bauen gerade in der Autoversicherung mit ihren lang laufenden Risiken - etwa für verletzte Unfallopfer - hohe Reserven auf, die Zinsen einbringen. Weil dieser Ertrag einbrach, fehlte der DBV das Geld, um den Verlust im eigentlichen Versicherungsgeschäft auszugleichen. Möglichst schnell wollen die Wiesbadener jetzt die Verlustzone in der Autoversicherung verlassen. Ob dies gelingt, ist angesichts des intensiven Preiswettbewerbs auf dem Autoversicherungsmarkt offen.

Unabhängig von der Bewältigung eigener Probleme schwebt über der DBV-Winterthur das Damoklesschwert eines Aktienverkaufs durch den Großaktionär Winterthur. Verkaufsgerüchte halten sich hartnäckig am Markt. Vor diesem Hintergrund sollten Anleger ein Engagement bei der DBV-Winterthur sorgfältig prüfen.

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