Debakel für 1860 in Berlin: BVB schreibt Meisterschaft ab

Debakel für 1860 in Berlin
BVB schreibt Meisterschaft ab

Die deutsche Fußball-Meisterschaft 2003 ist für den Titelverteidiger entschieden: Borussia Dortmund schickt unüberhörbare Signale gen Süden. Zehn Spieltage vor Schluss erklärte BVB-Sportmanager Michael Zorc die Kapitulation: "Bayern München wird Meister. Wer etwas anderes sagt, ist ein Träumer." Das 0:1 der westfälischen Borussen bei den rheinischen Borussen aus Mönchengladbach und das 3:0 der Bayern gegen desolate Leverkusener bescheren dem Rekord-Titelträger 13 Punkte Vorsprung. Da klingt das Warnen von Nationalkeeper Oliver Kahn für Dortmund wie Hohn: "Die Saison ist noch nicht vorbei."

HB/dpa DÜSSELDORF. Für Ewald Lienen und Jürgen Röber hat die Spielzeit 2002/03 am 8. März perfekt begonnen. Den Trainer-Nachrückern in Mönchengladbach und beim VfL Wolfsburg gelang eine vollkommene Wiederkehr. "Wunderbar, fast wie eine Droge", fasste Lienen seine Gefühle nach dem 1:0 gegen Dortmund durch Mikael Forssells Kopfballtreffer zusammen. Röber ("Jetzt weiß ich, was ich vermisst habe") strahlte in nur fünf Tagen Arbeit "so viel positive Energie aus" (Torschütze Tomislav Maric), dass Wolfsburg aus einem 1:2 gegen Energie Cottbus ein 3:2 machte und Cottbus wieder tief im Abstiegsstrudel steckt.

Dort findet sich auch Bayer Leverkusen wieder. "Die Gesamtverfassung der Mannschaft ist bedrohlich, der Klassenerhalt wird schwer zu schaffen sein", fürchtet Bayer-Manager Reiner Calmund den schlimmsten Fall. Drei Tage nach dem Pokal-Aus an gleicher Stelle demütigten Claudio Pizarro und Giovane Elber (2 Tore) die Gäste im Münchner Olympiastadion erneut. "13 Punkte Vorsprung und Pokalfinale, das ist Wahnsinn. Den Titel wollen wir uns nicht mehr nehmen lassen", sagte Mehmet Scholl. Auf dem Weg zur 18. Meisterschaft fehlt den Bayern vorläufig Michael Ballack, der mit einem Innenbandriss im linken Sprunggelenk sechs Wochen ausfällt.

Im Top-Duell zwischen dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV (1:1) verhinderte ein Schwaben-Streit das Vorrücken der Gastgeber auf den 2. Platz. Wie kleine Kinder balgten sich Kevin Kuranyi und Alexander Hleb um den Ball, als Schiedsrichter Markus Merk in der 35. Minute auf Elfmeter erkannte. Kuranyi setzte sich schließlich durch und scheiterte kläglich. "Ich wollte schießen, er wollte schießen. Beim nächsten Mal schießt er" - Kuranyis Einsicht kam zu spät. Trotzdem wahrte Stuttgart den Vorsprung auf Schalke 04, weil die "Knappen" gegen Arminia Bielefeld durch Sven Vermant in letzter Minute ebenfalls nur zu einem 1:1 kamen.

Dass "Neubarth raus"-Rufe durch die Arena "Auf Schalke" hallten, brachte Manager Rudi Assauer in Rage: "Das ist unfair einem jungen Mann gegenüber. Erinnert sich denn keiner mehr an die Stevens-raus- Rufe?" Die Schützlinge von Frank Neubarths Vorgänger Huub Stevens machten es ungleich besser: 6:0 fegten die Berliner Herthaner 1860 München vom Platz - höchste Bundesliga-Pleite aller Zeiten für die Gäste. Ausgerechnet Karnevals-Sünder Marcelinho wurde mit zwei Treffern und einer Gala-Vorstellung zum überragenden Spieler.

"Löwen"-Coach Peter Pacult war fast sprachlos. "Da gibt es nicht viel zu sagen", meinte der Österreicher, dessen Team im Kampf um das internationale Geschäft hinter Dortmund, Stuttgart (beide 43 Punkte), Schalke (38), Bremen, Hamburg (beide 37) und Berlin (36) mit 33 Zählern schon fast aussichtslos zurück liegt. Dagegen sind die einstigen Bayern-Jäger aus Bremen nach dem 2:0 gegen den VfL Bochum auf dem Weg der Besserung: Der Serie von sechs Pflichtspiel-Pleiten machten Ailton und Ivica Banovic ein Ende. "Unserem Trainer sind Steine vom Herzen gefallen", berichtete Werder-Sportdirektor Klaus Allofs über die Gefühlswelt von Thomas Schaaf.

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