Debatte über Strategie
NordLB mit Ergebnisrückgang

Die Norddeutsche Landesbank wird 2002 angesichts der schwachen Kapitalmärkte erhebliche Einbußen bei ihrem operativen Ergebnis verzeichnen. Ihr Interesse an einer Übernahme der angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin hält sie jedoch aufrecht.

Reuters HANNOVER. Die größte Bank in Norddeutschland erwartet nach den Worten von Vorstandschef Manfred Bodin 2002 einen Rückgang ihres Betriebsergebnisses vor Risikovorsorge von gut 15 Prozent auf 534,2 Millionen Euro. Damit wurden die Erwartungen für dieses Jahr nicht erfüllt. Zu Jahresbeginn hatte die NordLB noch einen Gewinn vor Risikovorsorge von 574 Millionen Euro angestrebt.

Bodin zeigte sich am Dienstagabend vor Journalisten angesichts der schwierigen Lage im Börsen- und Kreditgeschäft dennoch zufrieden. Das Ergebnis nach Risikovorsorge und Bewertung falle 2002 zudem mit knapp 518 Millionen Euro deutlich besser als im Vorjahr (311 Millionen Euro) aus. Das Ergebnis 2001 war durch eine Wertberichtigung für die Zehn-Prozent-Beteiligung an der Bankgesellschaft belastet worden, deren Aktien infolge der hohen Schulden erheblich an Wert verloren hatten.

Für Risikovorsorge und Neubewertung veranschlagt die NordLB in diesem Jahr bisher lediglich 16,4 Millionen Euro nach 321 Millionen Euro im Vorjahr. Die Vorsorge für Kredite sei allerdings von 180 auf 243 Millionen Euro gestiegen, sagte Bodin. Durch die Aktivierung stiller Reserven würde ein Großteil der Vorsorgebeträge kompensiert. Bodin schloss nicht aus, dass die schwache Konjunktur noch zu Wertkorrekturen führen könne.

Bisher rechnet die NordLB für 2002 mit einem um 8,5 Prozent höheren Zinsüberschuss von 1,24 Milliarden Euro. Das Provisionsergebnis werde mit 196 Millionen Euro leicht über dem Vorjahreswert liegen, sagte Bodin. Deutlich gestiegen seien allerdings die Verwaltungsaufwendungen und die Sachkosten unter anderem infolge des Umzugs der Bankenzentrale in einen Neubau.

Zur künftigen Strategie äußerte sich Bodin zurückhaltend. Die gemeinsam mit der deutschen Sparkassengruppe abgegebene Offerte für die Übernahme der Bankgesellschaft bleibt nach seinen Worten bestehen. "Wir ziehen da eine Warteschleife", sagte Bodin. Der Berliner Senat hatte die Offerte aus Hannover zunächst ausgeschlagen und mit den US-Investorengruppen Lone Star und BGB Capital Partners verhandelt. Lone Star hatte sich jedoch Anfang der Woche zurückgezogen. Bodin verwies auf die mit der Bankgesellschaft geschlossene strategische Allianz, die bis 2004 gilt. Diese sichert der NordLB bei dem Verkauf von Anteilen an der Bankgesellschaft ein Mitspracherecht zu.

Aus Aufsichtsratskreisen der NordLB hieß es, der Vorstand habe den Auftrag, vor dem Hintergrund weiterer Zusammenschlüsse von Landesbanken und der veränderten Bankenlandschaft eine neue Strategie vorzulegen. Ein NordLB-Sprecher sagte, die Bank werde sich im Laufe des kommenden Jahres dazu äußern.

Zu Überlegungen über eine mögliche Allianz mit den von 2003 an zusammengeschlossenen Landesbanken von Schleswig-Holstein und Hamburg sagte Bodin, derzeit gebe es Gespräche auf verschiedenen Ebenen über Kooperationen in Teilbereichen. An eine Fusion denke aber niemand. In niedersächsischen Sparkassenkreisen wird ein Zusammenschluss der Nord-Landesbanken zu einem Institut als sinnvolle Alternative zu dem Zusammenschluss mit der Bankgesellschaft Berlin gesehen.

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