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Debatte um Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen

Bundesregierung und Bundesbank sehen gegenwärtig keinen Anlass, auf die Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu verzichten oder eine Preisrundungsregel wie in den Niederlanden einzuführen.

dpa FRANKFURT/MAIN. Bundesregierung und Bundesbank sehen gegenwärtig keinen Anlass, auf die Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu verzichten oder eine Preisrundungsregel wie in den Niederlanden einzuführen.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte am Dienstag in Berlin, für eine Regelung zur Preisrundung gebe es keinen Bedarf. Bei der Euro-Einführung habe es gute Gründe für die Festlegung auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen gegeben, die sich an der Tradition der "D-Mark" orientierten.

Die Bundesbank erklärte in Frankfurt, sie prüfe alle in der Öffentlichkeit diskutierten Vorschläge. Allerdings habe sie sich noch nicht auf eine Haltung festgelegt. Das Kleingeld ist unter anderem deshalb umstritten, weil die Kosten für Herstellung und Verwaltung von kleinen Münzen teils höher als ihr Nennwert sind.

In den Niederlanden dürfen vom 1. September an alle Einzelhändler die Endbeträge an den Kassen auf fünf Cent auf- beziehungsweise abrunden, der einzelne Warenpreis etwa im Supermarkt ist davon nicht betroffen. In Finnland gibt es schon aus der Zeit vor dem Euro ein Gesetz, das Rundungen erlaubt. De facto sind dort keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr im Umlauf.

Händler müssen in diesen Ländern nach Angaben aus Brüssel aber weiterhin kleine Münzen akzeptieren. "Die Ein- und Zwei- Cent-Münzen bleiben legales Zahlungsmittel", sagte ein Sprecher von EU- Währungskommissar Joaquín Almunia.

Das "Handelsblatt" (Dienstag) berichtete, die Rundungsidee finde auch bei der Bundesbank Anklang. "Wir könnten uns in Deutschland eine solche Lösung vorstellen", zitierte die Zeitung den Zentralbereichs- Leiter Bargeld, Wolfgang Söffner. "Es fallen hohe Transport- und Bearbeitungskosten an." Der Bundesbank lägen deshalb zig Anfragen aus der Bevölkerung vor, sagte der Geldexperte. Ein Bundesbank-Sprecher sagte dazu, bei den Äußerungen handele es sich um die persönliche Meinung des Mitarbeiters, nicht aber um die offizielle Haltung der Bundesbank.

Nach einer Umfrage wollen die Deutschen mehrheitlich auf die kleinen Cent-Münzen nicht verzichten. 54 % sprachen sich dagegen aus, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen, ergab eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Emnid im Aufrag der "Wirtschaftswoche". Für einen Verzicht wie in den Niederlanden oder in Finnland plädierten 39 % der Befragten. Emnid hatte am vergangenen Wochenende 1000 Bundesbürger im Alter ab 16 Jahren befragt.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Lebensmittelhandel, Gerd Härig, sprach sich für einen Versuch mit dem Runden aus. "In anderen Ländern klappt das auch - siehe die Niederlande. Es ist einen Versuch wert", meinte Härig in Düsseldorf. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) sprach sich dagegen in Berlin für die Beibehaltung der kleinen Münzen aus.

Skeptisch äußerte sich auch mehrere große Handelsfirmen. "Wir sind dafür, die kleinen Münzen zu behalten", sagte eine Sprecherin der Spar Handels AG. Aufrundungen ließen sich im Wettbewerb kaum durchsetzen, Abrundungen würden die Erträge weiter reduzieren. Auch die Handelsgruppe Rewe lehnte Rundungen ab. "Die Preise werden im Lebensmittelhandel sehr hart kalkuliert", sagte ein Sprecher. Bei Karstadtquelle hieß es, Münzen zu einem oder zwei Cent kämen ohnehin eher selten vor, weil das Unternehmen größtenteils Mode verkaufe. Es habe auch noch keine speziellen Kundenwünsche gegeben.

Der FDP-Finanzexperte Carl-Ludwig Thiele nannte die Überlegungen sogar abenteuerlich. "Eine Abschaffung von Ein- sowie Zwei-Cent- Münzen wäre ein Schlag ins Gesicht der Verbraucher", sagte Thiele. Dies hätte zur Folge, dass die niedrigste Preiseinheit fünf Cent wäre. Dies entspreche immerhin rund zehn Pfennigen. Viele Bürger hätten ohnehin den Eindruck, dass durch den Euro die Inflation verstärkt worden sei.

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