Debatte um Steuererhöhung belastet Dax
Dax-Ausblick: Keine echte Trendwende in Sicht

Für die kommende Handelswoche geben Experten noch keine Entwarnung: Eingetrübte Konjunkturperspektiven auf beiden Seiten des Atlantiks und Sorgen vor weiteren Gewinnwarnungen drücken bei den Anlegern auf die Stimmung.

ddp/vwd FRANKFURT. Der Aktienmarkt befindet sich derzeit im absoluten Stimmungstief. An der Wall Street sank der Dow-Jones-Index in der zurückliegenden Woche deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 8 000 Punkten, und der Nasdaq-Index verbuchte ein neues Sechsjahrestief. Die weltweite Baisse setzte den deutschen Aktien besonders stark zu. Am vergangenen Dienstag fiel auch der Deutsche Aktienindex (Dax) mit 2 887 Punkten auf den tiefsten Stand seit fast sechs Jahren. Nach Ansicht der Commerzbank-Analysten verschreckten die politischen Spannungen zwischen Berlin und Washington amerikanische Anleger.

Für die kommende Handelswoche ist ein Ende der Talfahrt der Aktienkurse noch nicht in Sicht. Angesichts der eingetrübten Konjunkturperspektiven diesseits und jenseits des Atlantiks sowie der Sorgen vor weiteren Gewinnwarnungen der Unternehmen dürfte die schlechte Stimmung nach Einschätzung der SEB-Bank zunächst anhalten. Ein zentraler Belastungsfaktor an den Aktienmärkten bleibe auch weiterhin die Sorge vor einem militärischen Einschreiten der USA gegen Irak, betonen die SEB-Experten. Vor diesem Hintergrund sei ein weiteres Abgleiten des Dax in den Bereich von 2 800 Punkten nicht auszuschließen, heißt es.

Commerzbank: Markt ist überverkauft

Auch das Bankhaus Ellwanger & Geiger sieht noch keinen Silberstreif am Horizont. Trotz der jüngsten Erholungstendenz im Dax bleibe die Widerstandszone von 3 150 Punkten erhalten, erklären die Stuttgarter Analysten.

Etwas positiver sind die Experten der Commerzbank gestimmt. Auf Grund der deutlich überverkauften Situation an den Aktienmärkten reichten mittlerweile bereits wenige positive Unternehmensnachrichten aus, um die Börsen wieder drehen zu lassen, meinen die Analysten. Allerdings sprechen auch sie noch nicht von einem Stimmungsumschwung. Dies würden erst die nächsten Wochen zeigen.

Für die Analysten der Berenberg Bank ist jedenfalls noch keine Bodenbildung zu erkennen. Sie erwarten in der kommenden Woche weiterhin einen sehr "psychologisch getriebenen Handelsverlauf". Impulse werden vor allem aus den USA kommen. Eventuelle Gewinnwarnungen einiger US-Unternehmen dürften für volatile Aktienkurse sorgen, befürchtet die Privatbank.

Als besonders belastend für den deutschen Aktienmarkt werten Händler außerdem die bereits direkt nach der Bundestagswahl einsetzende Debatte um Steuererhöhungen. Das hat auch eine abschreckende Wirkung auf ausländische Investoren, meinen Marktbeobachter. Damit komme zur politischen Abseitsstellung Deutschlands nun ein weiterer Belastungsfaktor. Dazu kommt die technisch angeschlagene Situation des Indexes, die Investoren verunsichtert: Charttechnisch gesehen besteht trotz der zur Wochenmitte hin eingetretenen Kurserholung weiteres Abwärtspotenzial.

Entkoppelung von Fundamental-Daten?

Hier zeigt sich die Tragik des derzeitigen Börsengeschehens: Die gefallenen Kurse und die dadurch etablierten Abwärtstrends verunsichern die Investoren derart stark, dass selbst einige institutionelle Anleger aus bilanziellen Gründen verkaufen müssen. Die Baisse nährt die Baisse. Obwohl die fundamentalen Faktoren immer wieder als Verkaufsgrund angeführt werden, scheinen sie in Wirklichkeit ihre Bedeutung für das Marktgeschehen nahezu verloren zu haben.

Eine solche Entkoppelung wird sichtbar, wenn man die heutigen Kurse mit denen von vor einem Jahr vergleicht, als nach den Anschlägen vom 11. September und auf Grund der intakten Abwärtsbewegung der damaligen Konjunktur das fundamentale Umfeld tatsächlich mit großen Risiken behaftet war und die Unternehmenserträge regelrecht einbrachen. Trotz stabilisierter Rahmendaten liegen die heutigen Kurse unterhalb des damaligen Niveaus.

Selbst die größten Konjunkturpessimisten müssen einräumen, dass im ersten Quartal eine Konjunkturerholung eingesetzt hat, die zur Jahresmitte hin zwar deutlich an Schwung verloren hat, teilweise auch stagnative Tendenzen aufweist, jedoch weit von einer Rückkehr zur Rezession entfernt ist.

Warten auf neue Konjunkturdaten

Wann die Börse ihr negatives Eigenleben aufgibt, sich zurückbesinnen wird auf ihre Rahmendaten, lässt sich indes nur schwer abschätzen. Nur so viel scheint sicher zu sein: Sollte sich das Szenario einer baldigen Fortsetzung der Konjunkturerholung bewahrheiten, werden die Aktienkurse positiv reagieren müssen.

Daher stehen wieder einmal die Konjunkturdaten im Blick. Bereits am Montag gibt es wichtige Daten aus den USA: Der Chicago Fed National Activity Index für August wird ebenso veröffentlicht wie der Index der Einkaufsmanager Chicagos für September. Gleichfalls am Montag gibt es die Vorabschätzung der EU-Verbraucherpreise im September. Am Donnerstag folgt der US-Auftragseingang der Industrie im August.

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