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Debitel wollte UMTS-Lizenz nicht um jeden Preis

Reuters FRANKFURT. Der Stuttgarter Telekom - Anbieter Debitel hat sich aus der Versteigerung der deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen zurückgezogen, weil sich der Lizenzerwerb für das Unternehmen angesichts der Auktionsgebote nicht mehr gelohnt hat. Debitel-Vorstandschef Peter Wagner sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Freitagabend nach dem Ausscheiden des Bieterkonsortiums Debitel/Swisscom: "Es war klar, dass wir nicht bis zu jeder Summe bieten würden, weil wir die Lizenz nicht um jeden Preis brauchen." Mit Blick auf die sechs in der Auktion verbleibenden Konkurrenten sagte Wagner: "Ich kann leichteren Herzens aussteigen als meine Kollegen. Deren Wohl und Wehe hängt an einer Lizenz." Der Ausstieg sei erst Freitagnachmittag beschlossen worden.

Der Debitel-Chef sagte weiter, der Lizenzerwerb lohne sich nicht auf jeden Fall. Debitel verdiene ab einer bestimmten Summe mit einem anderen Geschäftsmodell bei weniger Risiko mehr Geld. Als Telekom-Unternehmen mit großen Kundenstamm habe man "eine gute Chance, sich mit UMTS neue Geschäfte zu erschließen". So könne man wie bisher als Telekom-Dienste-Anbieter auftreten, was Debitel immerhin zu Rang Drei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt geführt habe.

Zudem könne man sich als so genannter Enhanced Service Provider aufstellen oder virtueller Netzbetreiber (VNO) werden. Diese Optionen hätten die wenigsten Wettbewerber, sagte Wagner. Das Geschäftsmodell des "Virtuellen Netzbetreibers" sieht vor, dass Unternehmen ohne Lizenz ihren Kunden dennoch eigene Mobilfunkdienstleistungen anbieten können. Ein so genannter Virtueller Netzbetreiber stünde zwischen dem Inhaber einer UMTS-Mobilfunklizenz und einem Dienste-Anbieter (Service-Provider).

Debitel hat nach Wagners Worten auf dem Mobilfunkmarkt einen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern. Der Schlüssel zum Erfolg im Mobilfunk seien die Kunden. "Kunden und zwar nicht nur in großer Zahl sondern vor allem auch so schnell wie nur irgend möglich." Bei den hohen Lizenzpreisen werden Wagner zufolge alle Konkurrenten gerne viel Geld zur Kundengewinnung auf den Tisch legen. Aber die dafür notwendige Geschwindigkeit könnten sie nicht kaufen. Wagner betonte: "Im Vertrieb Geld ausgeben dauert nun einmal seine Zeit. Das ist unser Vorteil: Wo auch immer die Konkurrenz investieren möchte. Mit über 6 000 Vertriebsstellen in Deutschland sind wir dort schon heute vor Ort."

Für die voraussichtlich nach dem Ende der Lizenzversteigerung beginnenden Gespräche mit Lizenzinhabern sieht der Debitel-Chef gute Chancen. Er glaube, dass Debitel mit dem Marktzugang und der Kundenbasis von rund 6,5 Mill. Kunden in Europa und über 4,5 Mill. Kunden in Deutschland eine feste Größe auf dem europäischen Mobilfunkmarkt und "deshalb für jeden Netzbetreiber ein attraktiver Gesprächspartner" sei. Die eigenen Kosten für den Einstieg in das Geschäft als Virtueller Netzbetreiber schätzt Wagner auf "einen DM-Kapitalbedarf in Milliardengröße" für die technische Plattform und Investitionen in Kundenbindung und Marke.

Im Rückblick auf die Auktion sagte Wagner, Debitel habe ein "einfache Strategie" gehabt: "Segeln am Mindestinkrement und schauen was passiert. In den Tagesscharmüzeln haben wir uns natürlich gelegentlich kleine Gefechte geliefert." Bis auf das Konsortium Mobilcom/France hätten alle Bieter eine ähnliche Strategie verfolgt. Mobilcom/France preschten in der Auktion mehrmals vor und wollten in der Auktion schneller vorankommen.

Den Ausstieg am Freitag in der letzten Versteigerungsrunde des Tages begründete Debitel-Chef Wagner mit "Fairness gegenüber den anderen Marktteilnehmern". Es sei auch eine Frage der Moral, ob man es "wirklich darauf anlegt, anderen zu schaden, obwohl das selbst gesteckte Limit erreicht ist".

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