Debt-Management orientiert sich nicht genügend an den Bedürfnissen des Marktes
Schuldenmanagent des Bundes nicht mehr zeitgemäss

Daran besteht in Bankenkreisen kein Zweifel. Umstritten ist, wie es aufgepeppt werden könnte und welche Rolle die Bundesbank dabei noch spielen sollte. Längst nicht jeder will ihr den Laufpass geben. Sie völlig auszuschließen, hieße, das Rad neu zu erfinden.

FRANKFURT/M. Das Schuldenmanagement des Bundes muss verbessert werden. Es muss schneller und flexibler auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren. Darüber ist man sich in Frankfurter Bankenkreisen einig. Wie dieses Ziel erreicht werden kann und welche Rolle dabei die Deutsche Bundesbank noch spielen soll, ist dagegen umstritten.

Bessere Kommunikation mit den Märkten

Für einige große Banken wäre die Einführung von "Primary Dealers" der einzig richtige Weg, um den permanenten Dialog mit dem Markt sicherzustellen: Eine kleine Gruppe von zehn bis 15 Banken verpflichtet sich, den Finanzierungsbedarf des Bundes abzudecken. Sie übernimmt die Staatsschuld und platziert die Titel. Sie stellt Preise und sorgt dafür, dass jederzeit Liquidität im Markt ist. Zu ergänzen wäre dieses System, das in vielen anderen Euroländern gang und gäbe ist, im Idealfall durch ein "Advisory Committee" nach französischem Vorbild: Sechs große Banken, darunter Morgan Stanley und die Deutsche Bank, setzen das Pariser Finanzministerium alle zwei Monate über Neues am Kapitalmarkt in Kenntnis.

Die Befürworter des Primary-Dealer-Konzepts halten das von der Bundesbank praktizierte Auktionsverfahren für Bundesemissionen, bei dem 75 Banken im Wettbewerb gleichberechtigt bieten, nicht mehr für zeitgemäß. Es wirkten zu viele mit, die auf das Marktgeschehen keinen Einfluss hätten. Auf die ersten Fünf der Bietergruppe entfalle ein Marktanteil von über 50 %.

Das Bietungsverfahren sei das am schlechtesten organisierte in Europa. Die Übermittlung der Gebote über die Landeszentralbanken an die Bundesbank sei umständlich. Die lange Zeitspanne zwischen Bietung und Zuteilung überwälze das Risiko auf die Marktteilnehmer und erschwere das Risikomanagement. Dass Emissionen von zehnjährigen Anleihen wegen Systemfehlern bei der Bundesbank mehrfach verschoben werden mussten, sei ein Unding. Die Anhänger der Primary-Dealer-Lösung würden der Bundesbank keine Träne nachweinen, wenn die früheren Stabilitätshüter aus dem Schuldenmanagement ausgeschlossen würden.

Es gibt aber auch andere Stimmen: Für die Merrill Lynchs und Morgan Stanleys dieser Welt sei ein Primary-Dealer-System vielleicht von Vorteil. Die kleinen Banken hätten dabei aber das Nachsehen. Sie müssten sich bei den privilegierten Großen zu höheren Preisen mit Staatstiteln eindecken.

Außerdem müsse man sich fragen, ob es in einer täglich virtueller ausgerichteten Welt überhaupt noch sinnvoll ist, sich auf zehn oder 15 Banken zu beschränken. Vor allem die kleineren europäischen Partnerstaaten seien in der Vergangenheit darauf angewiesen gewesen, ihre Anleihen über ein starkes Bankenkonsortium abzusetzen, weil vor der Gründung der Währungsunion die breite Akzeptanz für ihre Titel noch nicht vorhanden gewesen sei. Sie hätten nicht die Möglichkeiten gehabt, sich so günstig zu finanzieren wie der Bund. Statt ihnen jetzt nachzueifern, lohne es sich, über neue, weiterführende Wege nachzudenken.

So könnte man erwägen, Bundesanleihen über das Internet zu platzieren. Supranationale Organisationen wie die Weltbank und große amerikanische Unternehmen seien hier Vorreiter. Im Internet könne jeder mitbieten. Das System sei komplett offen, transparent und kostengünstig. Es werde auch der deutschen Bankenstruktur mit ihren vielen kleinen Instituten gerecht.

Solche Neuerungen umzusetzen, trauen viele der Bundesbank zu. Man müsse das Rad nicht neu erfinden und die Bundesschuldenverwaltung komplett neu aufbauen, heißt es. Für die technische Abwicklung verfüge die Bundesbank über die notwendigen Ressourcen. Für den kreativen Teil des Schuldenmanagements sollte allerdings eine Schuldenagentur gegründet werden, die mit hoch qualifiziertem Personal auszustatten sei. Diese Position entspricht dem Kompromissvorschlag, den die Bundesbank in der Auseinandersetzung mit dem Bundesfinanzministerium selbst nahe gelegt hat: Eine Schuldenagentur ist für Strategien, Entscheidungen und das Marketing zuständig; die Bundesbank erbringt die Bankdienstleistungen nach den Weisungen des Bundes als Kontoinhaber.



Bund-Future erklärt Renditedifferenzen

In Zweifel gezogen wird in Finanzkreisen die Behauptung der Bundesbank, ihr Schuldenmanagement sei hocheffizient, weil sich der Bund in allen Laufzeitbereichen billiger verschulde als alle anderen Euroländer. Jahrzehnte lang sei die D-Mark ein Aufwertungskandidat gewesen. DM-Anleihen seien ein viel benutztes Instrument der Währungsspekulation gewesen. Mit Gründung der Währungsunion sei für Deutschland sowohl der Währungs- als auch der Kreditvorteil entfallen. Gemessen an der Wirtschaftskraft, die Deutschland im Euroraum repräsentiere, seien heute die Zinsdifferenzen selbst zu Ländern wie Italien nur noch sehr klein. Darauf könne die Bundesbank nicht besonders stolz sein.

Rigorosere Stimmen sehen selbst die geringen Zinsdifferenzen nicht als das Verdienst der Bundesbank an. Sie führen diese auf den Erfolg des Bund-Futures zurück. Er sei ein global so akzeptiertes Produkt, dass er dem Bund Renditevorteile bei den Anleiheemissionen verschaffe.

Einig ist man sich darin, dass die Emissionen des Bundes und der Länder nicht zusammengefasst werden sollten. Das verwässere die "Asset-Klasse" Bundesanleihen und gefährde ihre Benchmark-Funktion. Ungefährlich sei dagegen der Geldsegen aus dem Verkauf der Mobilfunklizenzen. Trotz dieser Einnahmen werde der Bund im zweiten Halbjahr noch Anleihen im Wert von rund 33 Mrd. DM emittieren.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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