Debütanten Lauth, Balitsch und Rau überzeugen beim 4:2-Erfolg der DFB-Auswahl
Drei Bengel für Rudi

Das Benefiz-Spiel gegen eine Auswahl ausländischer Spieler aus der Bundesliga brachte 3,5 Millionen Euro für die Flutopfer. Doch viele Zuschauer und Stars blieben zu Hause. In den kreisenden Lichtkegeln spiegelten sich blaue Schalensitze. Aus Lautsprechern wummerte Musik aus dem Film "Mission Impossible". Paarweise liefen die Fußball-Helden anschließend unter Scheinwerferlicht in die abgedunkelte Schalke-Arena ein. Das Benefiz-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Bundesliga-Allstars zugunsten der Flutopfer - ein perfekt inszenierter Show-Event.

GELSENKIRCHEN. Doch bei eingeschaltetem Flutlicht wurde offensichtlich, was sich im Dunkeln nur vermuten ließ: Trotz kurzfristiger Preissenkungen war die Arena nur halb voll, zudem hatten zahlreiche Stars in letzter Minute abgesagt. Die perfekte Show wurde zur "Mission Impossible". Schalke-Manager Rudi Assauer meinte entsprechend kritisch: "Das Spiel hätte man früher machen müssen. Das Hochwasser und die Flutopfer sind inzwischen aus den Köpfen." Da half auch kein "Lied für all die Vergessenen" der schwäbischen Softrocker von Pur, die in der Pause des Spiels auftraten. Lediglich die nachnominierten Youngster des DFB-Teams sorgten für Glanzlichter.

Denn eigentlich passte das zweite Lied von Pur besser: "Abenteuerland". Dort befanden sich nämlich die Trainer Rudi Völler und Huub Stevens bis kurz vor dem Spiel. Beide mussten noch am Montag eifrig telefonierten, um überhaupt eine Mannschaft zusammen zu bekommen. Denn es hagelte ein Dutzend Absagen. Bei den Allstars fehlten Stevens unter anderem Giovane Elber, Ewerthon und Sammy Kuffour. Rudi Völler musste auf Alexander Zickler, Carsten Ramelow, Lars Ricken, Jörg Böhme, Gerald Asamoah und Christoph Metzelder verzichten. Der Teamchef machte aus der Not eine Tugend und rief die Nachwuchstalente Hanno Balitsch, Benjamin Lauth und Tobias Rau an. "Es klingelte um 11 Uhr", erzählte der Wolfsburger Rau, "hinterher fragte ich mich, ob heute schon Weihnachten ist?"

Zum Heiligen Abend wurde die Veranstaltung zwar nicht, doch die drei Youngster sorgten für ein frohes Fest. Benjamin Lauth und Tobias Rau brachten Schwung in die Offensive, nachdem Fredi Bobic und Oliver Neuville in der ersten Halbzeit glücklos agierten. Hanno Balitsch, bei seinem ersten Länderspiel gegen Holland nur auf der Bank, machte seine Sache im defensiven Mittelfeld so gut, dass er in der zweiten Halbzeit erneut eingewechselt wurde. Stevens und Völler hatten in der Pause das komplette Team gewechselt. Thorsten Frings verletzte sich jedoch und da es keinen weiteren Auswechselspieler mehr gab, kam Balitsch zurück auf das Feld.

Die langweilige erste Halbzeit überbrückten die Zuschauer mit Selbstbeschäftigungen wie der Welle. Einziges Highlight: Jens Jeremies erzielte für die DFB-Elf die 1:0-Führung. Kurz nach der Pause glich Marcelinho für die Allstars aus. Zum zwischenzeitlichen 2:2 waren noch Miroslav Klose und der tschechische Stürmer Jan Koller erfolgreich.

Star des Abends wurde aber Benjamin Lauth. Als Stürmer bei 1860 München schon fest etabliert, meldete er mit einem wunderschönen Fallrückziehertor seine Ansprüche für einen Platz im Team von Rudi Völler an. "Im Spiel hatte ich so etwas noch nie probiert", kommentierte Lauth sein Tor cool, gestand aber ein, dass er sich innerlich riesig freue. Der 21-Jährige krönte seine Leistung noch mit seinem zweiten Treffer zum 4:2-Endstand.

Obwohl das Ergebnis des Spiels zweitrangig war, wie Teamchef Rudi Völler betonte, spürte man zum Jahresende in Gelsenkirchen einen Generationswechsel. "Dass die jungen Spieler in den Vereinen mittlerweile permanent spielen, lässt mich positiv in die Zukunft blicken", meinte Völler. "Auch Kevin Kuranyi wäre in Frage gekommen, aber er hatte mit Stuttgart noch am Sonntag gespielt."

Der Wachwechsel im deutschen Fußball zeigte sich auf Schalke auch bildlich: Während Lauth, Balitsch und Rau noch von Journalisten umringt wurden, verließ Oldie Christian Wörns nahezu unbeachtet mit seinem Porsche die Arena. Auf die Frage, ob ein solches Spiel zur festen Einrichtung werde solle, antwortete Wörns nur knapp: "Ich hoffe, dass es nicht jedes Jahr eine Flutkatastrophe gibt." Rudi Völler hingegen sprach sich für ein jährlich stattfindendes Benefizspiel aus. "Es wäre schön, wenn daraus eine Tradition würde", meinte auch der Coach der Allstars, Huub Stevens. Die Euphorie beider Trainer wurde jedoch von Werner Hackmann, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sofort gebremst. Das sei terminlich nicht machbar.

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, drückte die Absage diplomatischer aus, indem er auf das jährlich stattfindende Spiel zugunsten der Egidius-Braun-Stiftung verwies. Der DFB-Boss setzte anschließend sein strahlenstes Lächeln auf, als er die Gesamteinnahmen des Spiels verkündete: 3,5 Millionen Euro gehen an Fußballvereine in den Flutgebieten. "Bereits im Sommer haben wir unbürokratisch 840 000 Euro verteilt", erläuterte Mayer-Vorfelder die Hilfen von DFB und DFL. Er und Hackmann wollen noch vor Weihnachten mit dem Scheckbuch in die Hochwassergebiete reisen, um das Geld zu verteilen.

Für die beiden Bosse eine erfüllbare Mission. Das Allstar-Spiel zu einem Spektakel wie in anderen Länder und Sportarten zu machen, ist ihnen aber nicht gelungen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%