Deco legt Bekenntnis zu Wahlheimat ab
Rehhagels elf tapfere Griechen

Gegen 60 000 Portugiesen und nicht nur gegen die portugiesische Nationalelf muss die griechische Mannschaft nach Meinung ihres Trainers Otto Rehhagel zum Auftakt der Fußball-Europameisterschaft antreten

HB LISSABON/HAMBURG. Otto Rehhagel plant zum Auftakt der Fußball-Europameisterschaft eine neue Heldentat. Elf tapfere Griechen sollen am Samstag (18.00 Uhr/ARD) im Drachen-Stadion von Porto den übermächtig scheinenden Gastgebern widerstehen und den gespannten Hoffnungen einer gesamten Nation einen Schlag versetzen. "Wir spielen gegen 60 000 Portugiesen im Stadion. Das ist das größte Spiel für die Griechen seit über 20 Jahren", sagte der griechische Nationaltrainer vor dem Eröffnungsspiel gegen Portugal.

Die zweite Qualifikation für eine kontinentale Endrunde nach 1980, als ein 0:0 gegen den späteren Europameister Deutschland gelang, soll dank "König Otto" nicht so enden wie die Weltmeisterschafts-Premiere 1994 in den USA. Damals gingen die Hellenen ohne Punktgewinn mit 0:10 Toren unter. "Genau das wollen wir nicht noch einmal erleben", sagte Abwehrspieler Ioannis Goumas von Panathinaikos Athen. "Wir müssen in der Defensive vor allem in den ersten Minute sehr stark sein, weil sie sicherlich mit großem Elan starten werden. Je mehr Zeit vergeht, umso größer wird der Druck auf die Portugiesen."

Rehhagel weiß, wie Überraschungen gegen vermeintlich übermächtige Kontrahenten funktionieren. Nach dem Wiederaufstieg mit dem 1. FC Kaiserslautern 1997 führte er die Pfälzer im ersten Bundesliga-Spiel zu einem 1:0-Erfolg bei Bayern München. Der Meistertrainer ist auch diesmal optimistisch: "Ein Punktgewinn wäre kein Wunder. Portugal hat Schwächen, wir können zumindest ein Unentschieden erreichen." So wie im vorigen November, als sich beide Teams in Aveiro 1:1 trennten.

Ebenso wie sein portugiesischer Kollege Luiz Felipe Scolari kann der 65-Jährige seine beste Formation aufbieten. Doch während beim Außenseiter der Gruppe A, zu der noch Spanien und Russland gehören, das Selbstvertrauen fast schon zu stark ausgeprägt scheint, droht sich Favorit Portugal durch einen alten Streit zu schwächen.

Ausgerechnet an heimischer Wirkungsstätte sitzt Spielmacher Deco von Champions-League-Sieger FC Porto nur auf der Ersatzbank, weil Luis Figo und Rui Costa im Mittelfeld gesetzt sind. Figo ist kein Freund des eingebürgerten Brasilianers Deco. "Wenn man Chinese ist, spielt man für China. Die Leute in Spanien wären auch nicht glücklich, wenn ich mich einbürgern ließe und für Spanien spielen würde. Ich habe nichts dagegen, aber es wirkt irgendwie künstlich und sieht aus, als wolle man daraus einen Vorteil ziehen", meinte der bei Real Madrid spielende 31-Jährige. "Ich werde meine Meinung auch nicht ändern, bloß weil er in der Mannschaft ist."

Deco legte ein Bekenntnis zu seiner Wahlheimat ab. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mich nur als Portugiese fühle. Aber ich bin hier immer gut behandelt worden und spiele gern hier", sagte der Regisseur, der nicht zuletzt auf Wunsch von Scolari seit 15 Monaten für Portugal auflaufen darf.

Während die Zahl der rot-grünen Fähnchen, mit denen viele Portugiesen inzwischen ihre Fenster und Autos schmücken, von Tag zu Tag zunimmt, dämpfte Scolari noch einmal die Erwartungen, bevor die Hausherren am Freitag nach Porto flogen und gegenüber dem "Estadio do Bessa" im Stadtteil Boavista Quartier bezogen. Natürlich sei seine Mannschaft in der Lage, am 4. Juli erstmals den Titel zu holen, meinte der brasilianische Weltmeistertrainer. "Aber es wird schwerer, weil es hier zehn potenzielle Kandidaten dafür gibt." Rehhagels Griechen zählen selbst bei einer Überraschung am Samstag nicht dazu.

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