Defensive Ausrichtung
Fonds-Ausblick: Fondsmanager erwarten keine schwere Rezession

Wie Fondsmanager die momentane Wirtschaftslage beurteilen und danach ihr Portfolio ausrichten, erfahren Sie in diesem Artikel.

HANDELSBLATT. Karsten Tripp ist als Berater mitverantwortlich für den Fonds mit der besten Jahresbilanz aus dem Bereich der kleinen und mittleren deutschen Unternehmen. In den vergangenen zwölf Monaten betrug der Verlust des Trinkaus Spezial Deutschland INKA vergleichsweise moderate 7,1 Prozent. "In den letzten Monaten haben wir insbesondere auf defensivere Pharmawerte gesetzt", begründet Tripp die vergleichsweisen geringen Einbußen seines Fonds. Als Favoriten nennt er die MDax-Riege Altana, Fresenius, Merck, Stada und Schwarz Pharma. Stark engagiert ist der INKA-Experte auch im Konsumbereich und bei Einzelhandelswerten. Besonders viel hält er von der Parfümeriekette Douglas, dem Medikament-Lieferanten Gehe und Beiersdorf als Unternehmen mit starken Marken.

Trotz seiner Vorliebe für die 2. Börsenbundesliga MDax sieht Tripp die weitere Konjunkturentwicklung in Deutschland nicht eben optimistisch. "Die Wirtschaft befindet sich noch im Abwärtstrend. Obwohl der Ifo-Geschäftsklimaindex leicht nach oben weist, halten wir eine durchgreifende Verbesserung erst im kommenden Jahr für wahrscheinlich". Aber ein "kräftiger Aufschwung ist auch dann nicht in Sicht", schränkt der Fondsmanager ein. Für Impulse sorgen könnten Zinssenkungen der Europäische Zentralbank (EZB) und eine günstige Inflationsentwicklung.

Folgerichtig hat sich Tripp in den vergangenen Monaten bei Investitionen in zyklischen Branchen, etwa Automobil und Chemie, zurückgehalten. "Auch mit Technologiewerten wie Software AG und dem Bankenbereich wie Bankgesellschaft Berlin konnten wir uns wenig anfreunden", betont Tripp.

Er glaubt, dass die Terroranschläge in den USA die mittelfristigen Perspektiven für eine weltweite Konjunkturerholung weiter eingetrübt haben. Zugleich sieht er nur geringe Gefahren, dass die Weltwirtschaft in eine schwere Rezession abrutscht. An der eher vorsichtigen Ausrichtung des Fonds soll in den nächsten Monaten nichts geändert werden. Zugleich hält er zahlreiche MDax-Aktien für ausgesprochen niedrig bewertet. Sein Fazit: "Für den langfristigen Investor überwiegen momentan die Chancen."

Hansasecur profitiert von Bau-Aktien

Als viertplatzierter unter 24 analysierten Fonds erreichte der Hansasecur in den vergangenen zwölf Monaten eine Werteinbuße von 18 Prozent. Für Fondsmanagerin Tanja Steffens dominiert weiter die Unsicherheit. "Derzeit weiß niemand, wie die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Finanzwelt tatsächlich aussehen werden."

Bereits im Frühjahr hat die Fondsmanagerin bei einem ihrer Lieblingswerte, dem Bauunternehmen Bilfinger & Berger, Gewinne mitgenommen. Der Kurs habe von der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz profitiert. Bei den deutlich tieferen Kursen, die folgten, habe man wieder zugegriffen, so dass die Aktien der Baufirma jetzt wieder einen Anteil von rund 3 Prozent am Fonds hätten. Vergleichbares lief beim Konkurrenten Hochtief ab. "Das Unternehmen will dieses Jahr seine Bilanz extra schlecht reden. Aber so schlecht kann es ihm nicht gehen, weil man den Großauftrag für den Bau des Flughafens in Athen hat", ist sich Steffens sicher. Sie vermutet, dass Hochtief lediglich politischen Druck auf das politische Berlin ausüben möchte, damit der Flughafen Berlin-Schönefeld mit großzügiger staatlicher Förderung gebaut wird.

Keine Kursphantasie bei Autobauern

Alles in allem ist die Fondsmanagerin davon überzeugt, dass man bei kleinen und mittleren Unternehmen aktives Stockpicking betreiben sollte. Einen recht großen Bogen macht Steffens um die Autobauer und deren Zulieferer. "Ich sehe keine Kursfantasie bei Continental, Phönix oder Porsche", lautet ihre Begründung. Beim Edelkarossen-Schmieder aus Zuffenhausen sei nicht nur der Rauswurf aus dem MDax bedeutsam. Viel mehr glaubt Steffens, dass durch die schlechte Verfassung der Finanzwelt auch die Nachfrage nach Status-Symbolen wegbrechen werde.

Für langfristig interessant hält die Midcap-Fachfrau weiterhin den Gesundheitsbereich. Diese Einschätzung, die sie mit vielen teilt, begründet sie mit der Bevölkerungspyramide und der zunehmenden Alterung der Gesellschaft. "In der europäischen Union nehmen die Gesundheitsausgaben deutlich zu", erläutert Steffens. Diesen Trend sehe man bei verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Medikamenten. Aber auch der Bedarf an gesunden Lebensmitteln und Reformhaus-Angebot wachse stetig.



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