Defensive Qualitätswerte haben 2001 dem Abwärtstrend nicht widerstanden
Schweizer Börse steht vor Erholung

Zuversichtlich blicken Experten ins Schweizer Börsenjahr 2002. Sie warnen jedoch vor großer Euphorie und empfehlen für die erste Jahreshälfte kurzfristig defensive Qualitätsaktien.

ef ZÜRICH. Wer 2001 auf den Grundsatz vertraute, erst in der Baisse beweise die Schweizer Börse (SWX) ihre wahren Qualitäten, wurde bitter enttäuscht. Mit einem Minus des Blue-Chip-Index SMI von 21,1 % schnitten die eidgenössischen Standardwerte im internationalen Vergleich gerade einmal durchschnittlich ab. Nur für drei der 29 SMI-Werte (Givaudan, Lonza, Swisscom) wurde am Jahresende mehr bezahlt als zu Jahresbeginn. Aber: Acht Titel verloren im Jahresverlauf fast die Hälfte oder sogar mehr ihres Wertes (ABB, Zurich, SGS, Sulzer, Unaxis, Clariant, Kudelski, Rentenanstalt).

Der Zusammenbruch der Swissair Group brachte der Börse selbst nur leichte Blessuren, weil die Titel im SMI nur ein geringes Gewicht hatten. Dennoch wirkte sich das Schicksal der Airline ebenso wie die Schlammschlacht um den Schweizer Tourismusprimus Kuoni oder die aufgegebenen Pläne der Online-Bank "You" durch die Vontobel-Gruppe negativ auf den Gesamtmarkt aus. Zu den belastenden Faktoren zählte auch, dass Index-Schwergewichte, wie etwa die Pharmawerte Novartis (-16,2 %) und Roche Genussscheine (-28,2 %) ihrem defensiven Qualitätscharakter nicht gerecht werden konnten.

Die Aktien der Großbank UBS (-4,3 %) hätten 2001 beinahe die Nulllinie erreicht, doch die überraschende Entlassung von Konzernchef Luqman Arnold kurz vor Jahresende verunsicherte vor allem die angelsächsischen Anleger und Analysten, die sich dem Briten an der Spitze der Geschäftsleitung des weltweit größten Vermögensverwalters besonders verbunden fühlten. Börsianer sind davon überzeugt, dass das neue Schweizer Team Ospel/Wuffli an der Spitze von UBS den Erfolg der Bank ab 2002 sichern können.

Vorsichtige Zuversicht

Überhaupt blicken sie mit vorsichtiger Zuversicht in das Börsenjahr 2002. Für die zweite Jahreshälfte rechnen sie mit einem Anziehen der weltweiten Konjunktur. Nicht die heimische, sondern die Entwicklung der Weltwirtschaft sei für die Schweizer Blue Chips entscheidend, denn der Umsatzanteil der Schweiz betrage in den meisten Fällen weniger als fünf Prozent. Da sich die Zeichen mehren, dass es in den USA im laufenden Jahr zu einer Trendwende komme, erwartet Jürg Huber, Leiter des Aktienverkauf Intermediäre der Bank Vontobel dass sich dies auf die Stimmung an der Schweizer Börse positiv auswirke. Sollte die EU der Entwicklung in den USA folgen, dürfte dies den Trend noch verstärken. Trotz der niedrigen kurzfristigen Zinsen steigen seit Wochen die Renditen der längerfristigen Anleihen. Dies sei ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Markt eine Erholung der Wirtschaft erwarte.

Janwillem C. Acket, Chef des Borkerage-Research der Züricher Bank Julius Bär AG, rechnet mit dem Tiefpunkt der US-Konjunkturentwicklung im dritten Quartal. Dennoch warnen er und seine Kollegen vor zu großer Euphorie. Auch eine Jahresperformance von 10 % sei ein gutes Ergebnis. Renditen wie in den besten Jahrgängen der "Neunziger" seien auch in den folgenden Jahren "nicht mehr drin". Acket vermutet eine Steigerung des Schweizer Blue-Chip-Index SMI im Jahresverlauf 2002 auf 6900 Punkte. Damit hätte er ein Potenzial von acht Prozent.

Liquide Mittel

Ein weiteres Argument, dass für Schweizer Standardwerte spreche, seien die bedeutenden liquiden Mittel, die auf Anlage warteten, erklärt Vontobel-Bänker Huber. Der Aufschwung im Schlussquartal 2001 sei bei niedrigen Umsätzen im wesentlichen durch den Berufshandel und Eindeckungen von Shortpositionen zu Stande gekommen. Vor einer Bestätigung, dass der Aufschwung in den USA wirklich eingesetzt habe, sollten Anleger in einer ersten Phase zunächst auf die defensive Qualitätsaktien wie Nestlé, Novartis, Roche GS, UBS, Credit Suisse oder Swiss Re setzen. Nehmen die Anzeichen zu, dass die Konjunktur in den USA angesprungen ist, können konjuntursensitivere Werte mit guten Bilanzverhältnissen wie etwa Sulzer oder Georg Fischer wieder entdeckt werden, meint Huber.

Acket empfiehlt die Medizinaltechnikwerte Synthes-Stratec oder Straumann und sieht auch Chancen beim Luxusgüterkonzern Richemont, der von einer verbesserten Stimmung der Konsumenten profitieren sollte. Allerdings sollten Anleger auf Liquiditätsreserven achten, beispielsweise Obligationenbestände, die auf Grund der wieder anziehenden Zinsen sukzessive abgebaut werden sollten.

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