Defizite in der Wirtschaft und beim Gesetzgeber
Experten: Kampf gegen Korruption ist zu lasch

Deutsche Unternehmen gehen weniger entschlossen gegen Bestechung und Mauschelei vor als Firmen aus anderen Industriestaaten. Das belegt eine Studie, die jetzt auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes (BKA) die Runde machte.

WIESBADEN. Nach Meinung von Experten tun Behörden und Gesetzgeber ebenfalls zu wenig gegen das Massenphänomen. Ist Deutschland bei der Bekämpfung von Korruption also keineswegs vorbildlich?

"In Verwaltungen und Unternehmen besteht ein deutliches Kontrolldefizit", bekräftigte die Kriminologin Britta Bannenberg von der Uni Bielefeld gestern auf der Tagung des BKA zum Thema Wirtschaftskriminalität und Korruption. Hinweise und Verdachtsmomente würden oft nicht ernst genug genommen - frei nach dem Motto: "Bei uns gibt?s keine Korruption".

Was die Unternehmen betrifft, deckt sich dieser Befund mit einer Studie des US Control Risk Group. -Beratungsunternehmens Danach schulen in Deutschland nur rund ein Viertel der Firmen ihre Manager darin, Korruption zu vermeiden. In den Niederlanden sind es 36 %, in Großbritannien 44 % und in den USA sogar 68 %. Nur etwa jedes dritte deutsche Unternehmen hat mit seinen Managern formell vereinbart, auf Bestechungen zu verzichten - im angelsächsischen Raum sind es mehr als 70 %. Um Abhilfe schaffen zu können, fordert Bannenberg, müssten zumindest bestehende Präventionsmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. "Sehr vielversprechend" sei die Einrichtung von Vertrauensleuten, denen sich Zeugen und reuige Täter offenbaren können.

Besonders viel erwartet sich die Kriminologin von Vergabesperren für korrupte Unternehmen. Ein entsprechendes Gesetz ist im Bundesrat jüngst allerdings gescheitert. Laut Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner tragen gesetzliche Lücken das ihre dazu bei, die Lage zu verschlimmern. So sei es in Frankreich ausscheidenden Beamten beispielsweise fünf Jahre lang nicht erlaubt, zu Firmen zu wechseln, die früher von ihnen betreut wurden.

Auch schärfere Strafvorschriften hält er für unausweichlich: Lässt sich etwa ein Angestellter seinen Auftrag vom Lieferanten im Nachhinein belohnen, gehen beide straflos aus. Das selbe gelte, wenn er mit Aufmerksamkeiten "angefüttert" wird, ohne dass gleich eine konkrete Gegenleistung im Raum steht. Misslich sei auch die Gesetzeslage bei der Abgeordnetenbestechung: Hier sei nur die Bezahlung für ein bestimmtes Stimmverhalten im Plenum strafbar - ein "Placebo-Gesetz", das den Anschein erwecke, Parlamentarier seien gegenüber Amtsträgern privilegiert.

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