Degussa, Epcos und MLP als Wackelkandidaten
Experten erwarten keine Veränderungen beim Dax

Eine Veränderung der Zusammensetzung des Dax bei der nächsten Sitzung des zuständigen Arbeitskreises Aktienindizes halten Indexanalysten für eher unwahrscheinlich. Als Abstiegskandidaten werden Epcos wegen des zuletzt stark gefallenen Aktienkurses und Degussa wegen der Übernahme durch die Essener RAG gehandelt.

Reuters FRANKFURT. Unsicher sei aber, ob der Degussa-Deal vor Gericht Bestand haben werde und ob die Marktkapitalisierung von Epcos sich bei steigenden Märkten nicht wieder erhole, sagte Rainer Gerdau, Indexstratege bei der Dresdner Bank. "Indexstabilität ist ein sehr hohes Gut bei der Börse", fügte er hinzu. "Die reagieren lieber etwas zu spät als zu früh", sagte ein anderer Börsianer. Einig sind sich die Analysten, dass der Pharma- und Spezialchemiekonzern Altana derzeit erster Anwärter auf einen Dax-Aufstieg wäre.

Am 13. August trifft sich der mit Marktteilnehmern besetzte Arbeitskreis Aktienindizes zu seiner turnusmäßigen Sitzung, um über Veränderungen bei der Zusammensetzung des Dax, MDax und Nemax50 zu beraten. Die Entscheidung trifft aber letztlich der Vorstand der Deutschen Börse AG. Kriterien für die Entscheidung sind vor allem die Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz. Aufgenommen werden kann ein Unternehmen, wenn es nach diesen Maßstäben zu den 35 größten börsennotierten Gesellschaften Deutschlands gehört. Für die Sitzung des Arbeitskreises wird die entsprechende Rangliste aus dem Juli entscheidend sein, die Anfang August vorgelegt wird.

Die Mitgliedschaft in einem Index ist für Unternehmen attraktiv, da sie die Aufmerksamkeit von Fondsmanagern auf die Aktien lenkt. Der Dax ist dabei das Flaggschiff der Aktienindizes in Deutschland.

Degussa ist ein schwieriger Fall für den Arbeitskreis

Der Spezialchemiekonzern Degussa steht derzeit vor der Übernahme durch die Essener RAG, wodurch ein Ausschluss aus dem Index notwendig werden könnte. Schwierig wird es für den Arbeitskreis, weil diese Übernahme Teil der Kaufs der Ruhrgas durch den Energiekonzern E.ON ist, der derzeit gerichtlich überprüft wird. E.ON will nämlich seine Degussa Anteile von rund 64,56 Prozent in zwei Schritten gegen die Ruhrgas-Beteiligung der RAG tauschen.

Neben diesem Tausch läuft derzeit ein Übernahmeangebot der RAG an die freien Degussa-Aktionäre. Bislang wurden ihr 11,2 Prozent der Aktien zum Kauf angeboten. Endgültig enden wird die Angebotsfrist am 9. August. Zwingend notwendig wäre nach Einschätzung von Experten eine Entfernung von Degussa aus dem Dax, sollte der E.ON-Anteil und die Zahl der der RAG angebotenen Aktien die Marke von 95 Prozent überschreiten. Ein Streubesitz von mindestens fünf Prozent ist nämlich den Regeln der Börse zufolge Mindestvoraussetzung für die Indexmitgliedschaft.

Allerdings beinhaltet diese Entscheidung das Risiko, dass der Ruhrgas-Kauf durch E.ON und damit die Degussa-RAG-Transaktion gerichtlich gekippt wird. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht prüft derzeit die Rechtmäßigkeit der Genehmigung. Sollten die Richter diese für nichtig erklären, würde nach Angaben eines RAG-Sprechers auch die Degussa-Transaktion unwirksam. Die Mitgliedschaft des Unternehmens im Dax stünde also nicht mehr zur Debatte.

Christian Stocker, Indexstratege bei der HypoVereinbank, rechnet daher mit einem so genannten Vorratsbeschluss der Börse. Wie schon in anderen Fällen könnte die Börse einen Aufrücker für Degussa für einen bestimmten Zeitpunkt festlegen, falls die Sachlage bis dahin klar ist.

Epcos und MLP vom Kursverfall betroffen

Der Hersteller so genannter passiver Bauelemente, Epcos, und der Heidelberger Finanzdienstleister MLP haben durch den Kursverfall der vergangenen Monate deutlich an Marktkapitalisierung eingebüßt. Obwohl beide beim Börsenwert derzeit nach Analystenberechnungen mit den Ranglistenplätzen 38 und 36 dieses Kriterium nicht mehr erfüllen, wird allgemein nicht mit einem Ausschluss aus dem Dax gerechnet. "Aus Gründen der Indexstabilität ist eine Entfernung von Epcos kaum vorstellbar", sagte Ingo Schmitz, Analyst bei der Deutschen Bank. Gerdau rechnet dagegen mit einem Abstieg des Münchener Unternehmens für den Fall, dass sich der Kursverlust fortsetzt und Epcos auf der Juli-Rangliste nach Börsenwert auf Rang 40 oder schlechter liegt.

Schmitz sieht neben der Unwägbarkeit im Falle Degussa zusätzlich das Problem auf den Arbeitskreis Aktienindizes zu kommen, dass es mit Altana eigentlich nur einen überzeugenden Aufrücker gibt. Altana rangiert nach den Kriterien Umsätzen und Börsenwert derzeit nach Analystenberechnung auf den Plätzen 23 und 30. Die beiden anderen Kandidaten, Beiersdorf (28/33) und Deutsche Börse (26/35) erfüllen die Kriterien nur so gerade. "Wenn man sieht, wie hoch die Börse in den vergangenen Jahren die Messlatte für den Dax-Einstieg gelegt hat, dann sind die beiden anderen Kandidaten wenig überzeugend", sagte Schmitz.

Daher werde sich der Arbeitskreis gut überlegen, was er tue. Wenn er Altana für Degussa, Epcos oder MLP aufrücken lassen, würde ihm bei nächster Gelegenheit ein wirklich passender Aufstiegskandidat fehlen.

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