Degussa-Führung befürwortet Übernahme
Degussa-Aktionäre können ab sofort an RAG verkaufen

Die Aktionäre des Düsseldorfer Spezialchemiekonzerns Degussa AG können ihre Anteilsscheine ab sofort für 38 Euro an den Essener Kohlekonzern RAG AG abgeben.

vwd ESSEN. Die RAG veröffentlichte am Montag das bereits angekündigte öffentliche Übernahmeangebot, nach dem die Degussa-Aktionäre nun vier Wochen Zeit haben, ihre Wertpapiere zu tauschen. Der Vorstandsvorsitzende der RAG, Karl Starzacher, äußerte sich optimistisch, dass die aufschiebenden Bedingungen der Offerte auch erfüllt werden. Hierzu gehört unter anderem, dass die Eon AG auch eine Ministererlaubnis zur angestrebten Ruhrgas-Übernahme erhält.

Die Annahmefrist für die Degussa-Aktionäre läuft nun bis zum 23. Juli. Der Preis von 38 Euro liegt 8,48 Prozent über dem gewichteten durchschnittlichen Börsenkurs der Dax-Aktie während der drei Monate vor der Veröffentlichung der Übernahmepläne, wie die RAG mitteilte. Der Kohlekonzern will in einem ersten Schritt von den freien Aktionären und vom Mehrheitsgesellschafter Eon AG (64,56 Prozent) so viele Degussa-Titel erwerben, dass die RAG und Eon dann jeweils den gleichen Anteil haben. Zum 31. Mai 2004 will die RAG ihren Degussa-Anteil dann auf 50,1 Prozent aufstocken.

Starzacher bekräftigte am Montag in Essen, sein Unternehmen wolle Degussa bei dem begonnenen Restrukturierungsprogramm sowie der weiteren Umsetzung der Wachstumsstrategie "nach Kräften unterstützen". Degussa solle zudem ein börsennotierter Konzern mit einem breiten Streubesitz bleiben. Die RAG gehe davon aus, dass Degussa das selbstgesteckte Ziel einer EBITDA-Marge von 20 Prozent im Jahr 2004 erreiche, sagte Starzacher. Die bisherige Dividendenpolitik solle auch nach dem Eigentümerwechsel fortgesetzt werden. Die RAG werde gemeinsam mit Eon darauf hinwirken, dass Degussa auch künftig eine Dividende von mindestens 1,10 Euro je Aktie ausschütte.

Mit Eon vereinbarte der Essener Konzern zudem bereits eine gemeinsame Führungsstrategie in der Übergangszeit bis zur Mehrheitsübernahme 2004. Die Beteiligung an Degussa will die RAG durch den Verkauf ihrer Ruhrgas-Anteile an Eon für insgesamt rund 1,99 Mrd. Euro sowie durch ein Bankendarlehen von bis zu zwei Mrd. Euro eines von Morgan Stanley und der Deutschen Bank geführten Konsortiums finanzieren. Starzacher verwies erneut darauf, dass sich die RAG zudem mittelfristig noch von Konzernbereichen trennen werde. Welche Bereiche dies seien, könne heute aber noch nicht gesagt werden.

Nach dem Übernahmeangebot gilt die Offerte an die Degussa-Aktionäre nur, wenn die Bundesregierung und das Land Nordrhein-Westfalen dem Vorhaben bis spätestens zum 31. Januar 2003 zugestimmt haben. Die Kartellbehörden der Europäischen Union (EU), der USA und Kanadas müssen das Vorhaben danach bis zum 31. März 2003 genehmigt haben. Die genannten Zeiten seien als "Sicherheitsfristen" zu verstehen, sagte Starzacher. Möglich sei, dass die entsprechenden Gremien auch deutlich früher entschieden. Bedingung für die Wirksamkeit der Übernahmeofferte ist zudem, dass Eon eine Ministererlaubnis erhält. Eine Entscheidung wird in den kommenden zwei Wochen erwartet.

Degussa selbst kündigte an, die jetzt veröffentlichten Details des Angebots genau zu prüfen. Grundsätzlich hatte die Führung des Chemiekonzerns die Übernahme bereits befürwortet. Am Dienstag kommt der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über die Offerte zu beraten. An der Börse legte die Degussa-Aktie am Montag in einem schwachen Umfeld knapp ein Prozent auf 35,75 Euro zu. Einige Analysten empfahlen den Aktionären noch einmal, das Angebot anzunehmen

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