Degussa-Konzern bringt Biotech-Tochter an die Börse
Genzyme gibt Richtwert für Zentaris

Dank moderater Bewertung dürfte dem Biotech-Unternehmen Zentaris der Sprung aufs Börsenparkett nicht allzu schwer fallen. Branchenexperten rechnen mit einer erfolgreichen Emission, warnen jedoch vor der Hoffnung auf rasante Zeichnungsgewinne. Auch weitere Biotechfirmen wittern Börsenluft.

1.6.2001 FRANKFURT/M. Nach fünf Monaten Pause wagt sich mit der Frankfurter Zentaris in der kommenden Woche erstmals wieder ein Biotech-Kandidat an den Neuen Markt. Mit den bisherigen Emissionen der Branche ist die aus der Pharmaforschung der Degussa-Tochter Asta Medica ausgegliederte Zentaris AG indes nur bedingt zu vergleichen. Denn erstmals bringt nun eine etablierte Pharmafirma ihre Biotech-Aktivitäten direkt an die Börse. Nicht nur die Biotech-Szene dürfte daher das Modell aufmerksam verfolgen.

Analysten hegen dabei wenig Zweifel am Erfolg des Börsengangs, warnen aber auch vor überzogenen Erwartungen an den anschließenden Kursverlauf. Ob man die Zeichnungsgewinne sehen werde wie noch im Vorjahr, sei stark zu bezweifeln, meinte etwa Thilo Rohrhirsch von Oppenheim Finanz.

Der Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein bewertet Zentaris mit 194 Mill. Euro (vor IPO) oder 16 Euro je Aktie. Vom Gesamtvolumen der Emission werden 6,5 Mill. Aktien aus einer Kapitalerhöhung stammen. Weitere 4,4 Millionen Aktien (inklusive Greenshoe) offeriert Degussa, die damit ihren Anteil auf 32 % verringern wird.

Angesichts der unsicheren Börsenlage und der schwachen Biotech-Performance im 1. Quartal muss sich Zentaris mit einem relativ moderaten Ausgabepreis zufrieden geben. Die Bewertung liegt nach Angaben aus Bankenkreisen deutlich unter der ursprünglichen Forderung des bisherigen Eigners. Als positives Signal und zugleich auch als eine gewisse Richtschnur für den Emissionskurs dürfte der Markt vor allem das Engagement von Genzyme interpretieren. Die Nummer vier der US-Biotech-Branche will mit Zentaris künftig kooperieren und bis zu 5 % des Zentaris-Kapitals aus dem Bestand von Degussa erwerben. Genzyme hat dabei einen Kauf der Aktien zum Emissionskurs vereinbart, will maximal aber 16,2 Mill. Euro investieren. Bezogen auf einen fünfprozentigen Anteil entspricht das einem Preis von 18 Euro je Aktie.

Anders als die meisten Kandidaten des Vorjahres kann Zentaris eine respektable "Pipeline" präsentieren, das heißt eine Reihe von Wirkstoffkandidaten, die bereits klinisch erprobt werden. Firmenchef Jürgen Engel, der zuvor die Pharmaforschung bei Asta Medica leitete, spricht von einem "balancierten Risiko" und verweist auf insgesamt 15 Entwicklungsprodukte, davon vier in der abschließenden Phase III. Zentaris entspricht damit der derzeitigen Vorliebe der Börse für so genannte "Produkt"-Unternehmen und ist dennoch nicht von einzelnen Projekten abhängig. Die Wirkstoffe zielen überwiegend auf die Krebsbehandlung durch Blockade bestimmter Signalstoffe, zum Beispiel Hormone. Die ersten Zulassungen werden für 2003 erhofft.

Zu den Assets von Zentaris gehören ferner die Tochter Maingen, die auf dem Gebiet der Gentherapie forscht, sowie eine Technologie für die Inhalation von Medikamenten. Diese wird bereits von zwei Lizenzpartnern genutzt und verspricht einen positiven Cash-flow in relativ naher Zukunft. Entscheidend für die Wertentwicklung wird jedoch der Erfolg der Pharmaprojekte sein, die vorerst noch relativ viel Geld verschlingen. Der operative Verlust von jeweils rund 30 Mill. Euro in den vergangenen drei Jahren soll sich schrittweise verringern. Mit schwarzen Zahlen rechnet die Analysten der Emissionsbank ab dem Jahr 2005.

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