Deichsicherung und Polderflutungen
Erste Evakuierungen in Niedersachsen

Das Hochwasser der Elbe steigt im Norden schneller als erwartet. Besonders im östlich der Elbe gelegenen Amt Neuhaus im Kreis Lüneburg müssen wohl die Häuser von tausenden Menschen evakuiert werden.

dpa/HB LÜNEBURG/SCHWERIN. "Deshalb müssen wir schon am Mittwochnachmittag mit der zweiten gefährlicheren Welle rechnen", sagte Bernhard Schürmann vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz in Lüneburg am Montag. Im Amt Neuhaus sei die Evakuierung von 2 500 Bewohnern aus tiefer gelegenen Dörfern und Ortsteilen entlang der Elbe angeordnet worden, sagte der Sprecher des Landkreises Lüneburg, Michael Wieske, am Montag.

Niedersächsischer Innenminister: Mit dem Schlimmsten rechnen

Die auf Niedersachsen zurollende Hochwasser-Welle kann nach Ansicht von Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) "dramatische und nicht kalkulierbare Ausmaße" annehmen. Stündlich änderten sich die Prognosen, so dass konkrete Vorhersagen schwierig seien. "Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Für Verharmlosungen ist gegenwärtig kein Platz", sagte Jüttner.

In Mecklenburg-Vorpommern steigt das Elbe-Hochwasser bei Dömitz (Kreis Ludwigslust) schneller als erwartet. Montagmittag wurde dort die Fünf-Meter-Marke überschritten. Zur Entlastung des Flusses sollen bei Boizenburg zwei 870 Hektar große Polder geflutet werden, kündigte Landrat Rolf Christiansen (SPD) an. In den Orten Bandekow und Gülze muss sich die Bevölkerung auf Evakuierungen einstellen. Beide Dörfer werden nach den Polder-Flutungen zu Inseln.

In Schnackenburg, wo die Elbe die niedersächsische Grenze überschreitet, sei der Pegel in 24 Stunden um 1,24 Meter auf 6,24 gestiegen, sagte Schürmann. Rund 5 Meter sind normal. Für Mittwochnachmittag oder Donnerstagfrüh würden bei einer Deichhöhe von 8,60 Meter 7,95 Meter erwartet. Die Deiche links der Elbe sind dann noch rund 60 Zentimeter höher als der erwartete Wasserstand. Problematischer sind die alten Deiche auf dem ehemaligen DDR-Gebiet.

Auch bei Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern) wurde am Montag eher als erwartet die Fünf-Meter-Marke überschritten. Dieser Wert liege einen halben Meter über der Prognose. "Die Vorhersagen sind sehr unsicher. Das erschwert die Entscheidungen", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Gottfried Timm (SPD). Die Schutzdeiche seien mit mehr als einer Million Sandsäcken verstärkt und erhöht worden.

Die Einsatzkräfte im ostelbischen Amt Neuhaus (Niedersachsen) wollen noch im Laufe des Tages mit der Räumung zweier Altenheime beginnen. "Wir wollen frühzeitig die Problemfälle aus dem Bereich holen", sagte ein Feuerwehrsprecher in der früheren DDR-Gemeinde. Wann die bei der zweiten Welle gefährdeten 2000 bis 2500 Menschen im Amt Neuhaus in Sicherheit gebracht würden, stehe noch nicht fest, sagten Sprecher des Landkreises und der Feuerwehr.

Auch die Schifffahrt wird behindert. Wie das Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg (Schleswig-Holstein) am Montag mitteilte, wird der Schiffsverkehr am Dienstag oberhalb des Elbe-Seiten-Kanals bei Lauenburg eingestellt, vom Mittwoch an wird auch unterhalb des Kanals kein Verkehr mehr erlaubt sein. Östlich von Hamburg werde der komplette Schiffsverkehr ruhen. Wellenschlag durch die Schiffe würde die Deiche zusätzlich belasten, hieß es.

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