Deinfussballclub.de
Masse vor, noch ein Tor

Das Internetprojekt deinfussballclub.de will die deutsche Fussball-Landschaft revolutionieren. Per Mausklick sollen rund 30 000 Nutzer über Aufstellung und Einkäufe des Clubs entscheiden. Kritiker bezweifeln, dass der Club mit diesem Konzept Erfolg hat.

KÖLN. Mit Deinfussballclub.de will Fortuna Köln Fußball- und Finanzgeschichte schreiben. Zusammen mit dem Unternehmer Dirk Daniel Stoeveken, der das Portal entwickelt hat, will der Verein interaktiv werden: In Chats sollen Funktionäre mit den Club-Anhängern diskutieren müssen, die Fans sollen per Mausklick über Belange des Fußballclubs entscheiden.

Dirk Stoeveken folgt mit seinem Konzept einer bewährten Idee: der Idee, dass viele Menschen gemeinsam bessere Entscheidungen treffen als einzelne Menschen alleine. So fährt man bei „Wer wird Millionär?“ mit dem Publikumsjoker in der Regel ganz gut. Im Internet nutzen immer mehr Anbieter die Massen-Intelligenz – von Wikipedia bis zu Linux, Firefox und Open-Office. Und im weltweit ersten interaktiven Fußballclub – dem englischen Ebbsfleet United - treffen seit Januar 2008 die Fans per Internet-Voting sämtliche Vereins-Entscheidungen.

Bei Fortuna Köln sollen bei den Fan-Entscheidungen Themen wie Trikots, Musik und Freundschaftsspiele im Vordergrund stehen. Zu Mannschaftsaufstellung heißt es auf der Website diplomatisch: "Aus allen Vorschlägen erstellt der Computer einen Vorschlag, den der Trainer dann berücksichtigt und mit den Mitgliedern diskutiert.“ Willi Hölzgen vom Bund Deutscher Fußballlehrer (BDFL)-Nordrhein hält Fan-Mitbestimmung für ein Unding: "Die 30 000 sind nicht beim Training. Die sitzen irgendwo zu Hause, lesen in der Zeitung einen Namen und wollen den dann aufstellen." Sportliche Aspekte, meint Hölzgen, spielten bei diesem Projekt keine Rolle. Der Verein sei allein am Geld der Fans interessiert.

Geld hat Präsident Klaus Ulonska in der Tat dringend nötig, will er doch an alte Zweitliga-Zeiten anknüpfen. Dafür würde er weitreichende Befugnisse abgeben. Anders werden wohl auch kaum die erträumten 30 000 User zusammen kommen, die für ihr Mitspracherecht eine Gebühr von rund 40 Euro jährlich zahlen sollen – 10 Euro für Stoeveken, 30 Euro für den Club. Geht es nach Ulonska, dürfen dafür in Zukunft die Fans genuine Trainer-Entscheidungen über Taktik, Spielereinkäufe und Freundschaftsspiele treffen. BDFL-Präsident Horst Zingraf hält von dem Mitbestimmungs-Projekt nicht viel: "Wenn das die Vorgabe ist, wird der Verein keinen intelligenten Trainer mehr finden."

Fortuna-Trainer Mathias Mink übt sich derweil in Optimismus. Er geht davon aus, dass seine Autorität nicht interaktiv untertunnelt wird und er das letzte Wort behält: "Wenn ich das nicht habe, macht es keinen Sinn. Ich bin schließlich Trainer und kein Animateur."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%