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Deisler fährt nicht zur EM - Podolski empfiehlt sich

München (dpa) - Trotz Tor-Comeback beim Bundesliga-Finale findet die Fußball-Europameisterschaft ohne Sebastian Deisler statt, dafür lässt «shooting star» Lukas Podolski mit seinem historischen Treffer gegen Hertha BSC Rudi Völler wohl keine Wahl mehr.

Der DFB-Teamchef wird den Stürmer des 1. FC Köln, der in der Bundesliga als erster 18-Jähriger die Rekordzahl von zehn Saisontoren erzielte, mit großer Wahrscheinlichkeit in seinen 23-köpfigen Kader für die EM-Endrunde berufen.

Auf ein Last-Minute-Ticket nach Portugal darf als zweiter Youngster Bastian Schweinsteiger hoffen. Der 19-jährige Bayern-Profi könnte sich aber auch nach dem Rücktritt des Leverkuseners Carsten Ramelow, der als einziger persönliche Konsequenzen aus der 1:5-Pleite gegen Rumänien gezogen hatte, wegen des Überangebotes an Mittelfeldspielern zunächst auf der Liste der Nachrücker wiederfinden. Den Posten als dritter Torhüter hinter Oliver Kahn und Jens Lehmann müsste der Stuttgarter Timo Hildebrand sicher haben.

Völler ging 24 Stunden vor der öffentlichen Benennung seines Aufgebotes auf Tauchstation und grübelte im stillen Kämmerlein über mögliche Streichkandidaten wie den Leverkusener Oliver Neuville oder Sebastian Kehl. Denn Völler erwägt offenbar, den Bochumer Neuling Frank Fahrenhorst doch noch als Verstärkung im Abwehrbereich aus dem Hut zu zaubern.

Nur eine definitive Entscheidung ließ der Teamchef bereits am Wochenende raus: Nach einem Gespräch mit Deisler entschloss er sich zum Verzicht auf den Kreativspieler, dessen Comeback bei den Bayern nach seiner schweren Erkrankung zu spät kam. «Ich fahre nicht zur EM, definitiv nicht», sagte Deisler nach dem 2:0 gegen Freiburg, bei dem er das Führungstor erzielte, sich aber auch wieder eine leichte Blessur am Knie zuzog.

Podolski warb dagegen beim 1:3 der Kölner in Berlin mit Tor Nummer 10 im 19. Bundesligaspiel noch einmal nachdrücklich für sich. «Ich gehe jetzt zur U 21 und werde abwarten, was passiert», meinte die Entdeckung der Saison. Seine Unbekümmertheit würde er auch gerne in Portugal als «Joker» gegen die Niederlande oder Tschechien in die Waagschale werfen. «Ich habe einfach draufgehalten und drin war der Ball - wie immer», kommentierte Podolski sein Tor in Berlin.

Podolski stünde Völler allerdings ebenso wie Schweinsteiger im Trainingslagers im Elztal wegen der U 21-EM wohl während der gesamten Vorbereitung nicht zur Verfügung. Womöglich würde er erst am 9. Juni bei der Abreise nach Portugal zum A-Team stoßen. Kritisch äußerte sich Michael Ballack zur weiter forcierten Verjüngung der Nationalmannschaft: «Leute wie Schweinsteiger und Podolski sind sicher Spieler mit viel Potenzial für die WM 2006. Aber was immer unterschätzt wird: Es ist wichtig, dass man schon internationale Erfahrung hat», sagte der Mittelfeldspieler.

Große Sorgen bereitet Völler einmal mehr die linke Seite, auf der in dem Stuttgarter Philipp Lahm ohnehin ein Rechtsfuß erste Wahl ist. Erster Anwärter für den zweiten Platz auf links ist der Hamburger Rahn, der zwar nach seinem dritten Muskelfaserriss auch am Samstag noch nicht wieder für den HSV spielen konnte, aber im Trainingslager wieder voll belastbar sein soll.

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