Delegation aus Japan droht mit Rückzug aus IWC
Walschutz erhält höheren Stellenwert

Die Internationale Walfang- Kommission (IWC) hat auf ihrer Tagung in Berlin eine Initiative zum Schutz der Meeressäuger verabschiedet, die vom Gastgeber Deutschland und von Umweltschützern als Wende in der Geschichte der Kommission gewertet wurde.

Reuters BERLIN. Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) erklärte am Montag, mit der "Berlin-Initiative" erhalte der Walschutz einen deutlich höheren Stellenwert als bisher. Die Zukunft liege in der nachhaltigen Nutzung der Wale, vor allem zu touristischen Zwecken. Die Resolution gelte auch für Kleinwale und Delfine und sehe die Bildung eines speziellen Walschutz- Ausschusses vor. Die von 18 Staaten eingebrachte Initiative wurde von 25 Ländern unterstützt, 20 Staaten stimmten dagegen, einer enthielt sich. Etwa die Hälfte der 50 IWC-Mitglieder, darunter Japan und Norwegen, sind dafür, begrenzten Walfang zuzulassen, während die übrigen, darunter die USA und viele europäische Staaten, für weitere Beschränkungen sind. Japan hatte gedroht, die Tagung zu verlassen oder die Unterstützung der IWC einzustellen, falls die Initiative Unterstützung finde.

Ein Sprecher der Umweltschutzorganisation Greenpeace sprach von einer sehr guten Nachricht für den Walschutz. "Der frühere Walfang-Verein kann jetzt zur Schutzmacht werden", erklärte der Internationale Tierschutz-Fonds IFAW. Der neue IWC-Ausschuss werde die Maßnahmen zum Schutz der Wale konkret festlegen. Dies umfasse auch Bedrohungen, die von Fischernetzen, Schifffahrt, Wasserverschmutzung und Klimawandel ausgingen.

Zu Beginn der Tagung hatte Künast erklärt, die kommerzielle Wal-Beobachtung sei eine Alternative zum Walfang und stelle eine nachhaltige Nutzung der Wale dar.

"Wir sollten diesen neuen und wichtigen Wirtschaftszweig unter die Regelungskompetenz der IWC stellen", forderte sie. "Einen toten Wal können Sie einmal nutzen. Ein lebender Wal kommt im Zweifelsfalle regelmäßig im Jahr wieder und kann von Touristen beobachtet werden, die auch jede Menge Geld bringen", ergänzte sie im Deutschlandfunk.

Dabei solle auch Japan von der Tradition des Walfangs Abschied nehmen, wie es Deutschland einst getan habe, sagte Künast. "Japan muss sich mit der Frage auseinander setzen, ob es eine Tradition - eine alte, das gebe ich zu - für die japanische Gesamtbevölkerung aufrechterhalten will und damit weiter auch Bestände (der Wale) dezimiert." Ein Sprecher der japanischen Regierung hatte am Wochenende den Anspruch auf Walfang bekräftigt und dies auch mit den langen Traditionen begründet.

Zu den Zielen der Bundesregierung gehört die Aufrechterhaltung des 1986 in Kraft getretenen Verbots des kommerziellen Walfangs und die Einrichtung weiterer Schutzgebiete, insbesondere im Südpazifik und Südatlantik. Zudem tritt die Regierung für die Einbringung einer Resolution gegen den so genannten Beifang von Walen in der Fischerei ein.

Delegation aus Japan droht mit Rückzug aus IWC

Die Delegation aus Mexiko, das Walfang strikt ablehnt, sagte, die IWC habe sich seit ihrer Gründung 1946 mit dem Gedanken des Erhaltens beschäftigt, und es sei höchste Zeit, diesen Gedanken zu institutionalisieren. "Es geht darum, die IWC auf die Höhe der Zeit zu bringen", sagte der Delegierte Mexikos, Andreas Rosenthal, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Vertreter Japans kündigten nach der Verabschiedung der Initiative an, den Rückzug aus der IWC zu erwägen. Japans Lesart ist, dass der Zweck der IWC eigentlich darin bestehe, begrenzten Walfang zuzulassen, und dass eine solche Initiative daher den Rahmen der Kommission sprenge. Japan begründet den Walfang offiziell mit wissenschaftlichen Zwecken.

Einzig Norwegen verstößt seit 1993 offen gegen das Moratorium des kommerziellen Walfangs. Allerdings gibt es keine Sanktionsmöglichkeiten der IWC oder anderer Gremien. Norwegen hat bereits mehr als die Hälfte der für dieses Jahr festgelegten Quote von 711 Walen gefangen. Japan plant, in diesem Jahr 440 Minkwale in der Antarktis sowie eine kleinere Zahl verschiedener Arten im Nordpazifik zu fangen. Island möchte ebenfalls wieder - zu wissenschaftlichen Zwecken - in den Walfang einsteigen und peilt eine Jahresquote von 250 Tieren an.

Die bis Donnerstag dauernde Tagung wird begleitet von spektakulären Aktionen von Umweltschützern. Greenpeace hängte einen 15 Meter langen aufblasbaren Plastikwal samt Transparent am Fernsehturm auf.

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