Delegation des Weltwährungsfonds analysiert Lage in Buenos Aires
IWF schließt neue Kredite für Argentinien nicht aus

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat eine neue Kreditlinie für Argentinien nicht ausgeschlossen. "Wir müssen die Pläne der Regierung in Buenos Aires aber erst analysieren und bewerten", erklärte IWF-Sprecher Francisco Baker am Montag gegenüber dem Handelsblatt. "Im Moment ist es für eine Entscheidung noch zu früh." Nach Angaben des argentinischen Wirtschaftsministers Remes Lenicov traf gestern eine IWF-Delegation in Buenos Aires ein. "Die Mission befasst sich mit verschiedenen Themen wie der Umstrukturierung des Finanzsystems oder Wachstums- und Schuldenszenarien", sagte Lenicov.

bac WASHINGTON. In Basel erklärte IWF-Chef Horst Köhler ergänzend, der IWF sei zu einer Zusammenarbeit mit Argentinien bereit. Es gebe aber keine schnelle Lösung für die Probleme des Landes. Der argentinische Wirtschaftsminister hatte am Wochenende den Wunsch seines Landes nach neuen Krediten in Höhe von 15 bis 20 Mrd. $ angemeldet. Dabei wolle man auch beim IWF anklopfen, was aber nach Handelsblatt-Informationen bis gestern Mittag nicht der Fall war. Lenicov sagte weiter, IWF-Manager hätten ihm in der vergangenen Woche ihre Präferenz für eine völlig frei konvertible Währung deutlich gemacht. Dies sei allerdings innerhalb der nächsten sechs Monate nicht zu schaffen, so Lenicov.

Unterdessen regt sich innerhalb des Weltwährungsfonds Kritik an dem bislang großzügigen Kreditgebaren Köhlers. "Die Rezession in Argentinien wird auf Grund unserer Politik länger dauern und tiefer gehen, als wenn wir den Geldhahn ein halbes Jahr früher abgedreht hätten", zitierte die "Berliner Zeitung" einen hochrangigen IWF-Manager. Köhler habe "noch im Sommer gutes Geld dem schlechten hinterhergeworfen". Weiter heißt es, der ehemalige IWF-Chefvolkswirt Michael Mussa sei im Sommer 2001 aus Verärgerung über die Freigabe einer weiteren Kredittranche für Buenos Aires zurückgetreten. Insgesamt bekam Argentinien im vergangenen Jahr 22 Mrd. $ vom Weltwährungsfonds.

In der Vergangenheit hatte insbesondere US-Finanzminister Paul O?Neill die opulenten Hilfs-Programme des IWF gerügt. Der IWF solle einen "kreativen Beitrag zur Entwicklung der Weltwirtschaft" leisten, schrieb O?Neill Ende November 2001 seinen G7-Kollegen beim Gipfel im kanadischen Ottawa ins Stammbuch. "Feuerwehreinsätze" seien dagegen kontraproduktiv. In den Monaten zuvor hatte O?Neill die Politik der milliardenschweren IWF-Kredite als nutzlose "Rettungsaktionen" gegeißelt. In seiner Wortwahl war der US-Finanzminister wenig zimperlich. So wetterte er in Richtung Argentinien, die Regierung solle sich um "nachhaltiges Wachstum" kümmern und nicht "das Geld von amerikanischen Installateuren und Zimmerleuten verbraten".

Als Köhler im Frühjahr 2000 den Chefsessel des IWF übernahm, war er mit einer Vision angetreten: Der Weltwährungsfonds sollte sich zu einem Frühwarnsystem für aufkommende Turbulenzen entwickeln. Finanzspritzen sollten nur in Notfällen aufgelegt und durch Auflagen gesteuert werden. Köhler wollte mit dieser Neudefinition einen Schlussstrich ziehen unter die bis dato stark ausgeprägte Kreditbereitschaft des IWF. Mit riesigen Milliarden-Programmen hatte der IWF 1997 vergeblich versucht, Indonesien, Thailand und Korea aus der Patsche zu helfen. Es folgten 1998 die Misserfolge im Falle von Russland und Brasilien. Iim vergangenen Jahr griff der IWF der Türkei und Argentinien kräftig unter die Arme.

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