Deloitte & Touche will Prüfung nicht von Beratung trennen
Erinnerungslücken bei Ex-Enron-Manager

Am Montag wollen die Mitglieder des Untersuchungsausschusses des US-Kongresses Kenneth Lay ins Kreuzverhör nehmen. Beobachter erwarten, dass er die Aussage verweigern wird.

WASHINGTON. Was man bei einer Anhörung so alles falsch machen kann, konnte der Enron-Gründer und langjährige Chef beobachten, als Jeffrey Skilling vor die Abgeordneten trat. Skilling war im August 2001 als Vorstandvorsitzender von Enron zurückgetreten. Richtig war noch das "Thank you", das er an den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses richtete. Die Finanzdaten hätten, soweit er wisse, "die tatsächliche Situation von Enron widergespiegelt". Auch sonst könne er sich an nichts erinnern, das falsch gelaufen sei. Das glaubten viele Abgeordnete nicht.

Doch bei konkreten Fragen zeigte er immer wieder Gedächtnislücken. So befragten ihn die Abgeordneten nach einem Vorstandstreffen in Palm Springs, auf dem Andrew Fastow laut Protokoll das Konzept der Partnergesellschaften erläutert hat. "Ich kann mich nicht erinnern, ob Andy da war. Es war stock dunkel".

Fastow war gleichzeitig Finanzvorstand von Enron und Chef von mindestens zwei der über 3000 Partnergesellschaften. Gemeinsam mit einigen Kollegen soll er mit seiner Doppelrolle über 40 Mill. $ in den private Geldbeutel gewirtschaftet und die Bücher gefälscht haben. Die Ausschussmitglieder fanden daher Namen für sie wie "Wirtschaftsterroristen", Geschäfts-Cowboys" und "Firmendiebe." Skilling behauptet von all dem nichts gewusst zu haben. Zuvor brachten auch Fastow und drei weitere Vorstandskollegen kein Licht ins Dunkel, indem sie die Aussage verweigerten. Skilling konnte sich erinnern, dass "ich geglaubt habe, das Ziel der Partnergesellschaften sei eine Absicherung."

In dem "Powers Bericht", der im Auftrag von Enron die Machenschaften untersucht hat, wird Skilling vorgeworfen, nicht gehandelt zu haben, obwohl er von dem Interessenskonflikt durch Fastows Doppelrolle wusste. Ex-Enron-Chef Skilling räumte ein, dass er geglaubt habe, dass es "adäquate Kontrollen" gegeben habe. Der frühere Enron-Anwalt Jordan Mintz sagte dagegen, die enge Beziehung zwischen Skilling und Fastow hätte eine Überwachung nahezu unmöglich gemacht. Über den früheren Enron-Vorstand Cliff Baxter, der kürzlich Selbstmord beging, berichtete Mintz: "Er hat nie verstanden, warum die Vorstandsetage die Doppelrolle von Fastow zuließ." Es hätten mehrere Manager von den Machenschaften gewusst, so Mintz.

Arthur Andersen ist etwas aus der Schusslinie des Untersuchungsausschusses gerückt. In der Branche laufen derweil Diskussionen über notwendige Reformen. Jim Copeland, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Deloitte & Touche favorisiert ein Branchenkomitee, dass Reformen ausarbeitet und auf den Weg schickt. Viel mehr will er jedoch nicht verändern, im Gegenteil: "Ich bin strikt gegen eine Trennung der Bereiche Prüfung und Consulting", sagte Copeland gegenüber Journalisten in Washington. Aus seiner Erfahrung sehe er keine Interessenskonflikte.

Im so genannten "Peer-Review" hatte sein Unternehmen die Arbeit von Konkurrent Andersen überprüft und ein tadelloses Testat ausgestellt. "Wir prüfen, ob ein Auto läuft. Einen Unfall kann man dann aber immer noch bauen", wies Copeland anklingende Vorwürfe zurück. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen verspricht Andersen-Chef Joseph Berardino im Gegensatz zu Copeland "fundamentale Veränderungen". Die Antwort auf die Frage "Welche?" bleibt er aber schuldig.

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