Delphi und Siemens starten nur langsam
Bosch sorgt für harten Wettbewerb beim Diesel

Für Kunden verkürzen sich die Wartezeiten für Dieselfahrzeuge. Der Automobilzulieferer und Dieselspezialist Bosch hat die Fertigungskapazitäten enorm ausgebaut. Wettbewerber wie Delphi und Siemens VDO sind neu hinzugekommen und liefern sich inzwischen mit Bosch einen harten Wettbewerb.

STUTTGART. Der Diesel-Boom beschleunigt unter den Herstellern moderner Dieseleinspritzsysteme den Wettbewerb. Der Marktführer, die Robert Bosch GmbH baut seit vergangenem Jahr überraschend stark die Fertigungskapazitäten für moderne Dieselsysteme aus. Der Stuttgarter Autozulieferer will sich offenbar gegen die beiden Neulinge im Markt, Delphi und Siemens VDO, wappnen und kampflos keine Marktanteile abgeben.

In diesem Jahr will Bosch sechs Millionen Hochdruck-Dieseleinspritzsysteme - das technische Herz der leistungsstarken und verbrauchsarmen Dieselmotoren - herstellen. Damit baut Bosch eine Million Einspritzanlange mehr als noch 2001. Verglichen mit 2000 vergrößtere der zweitgrößte Autozulierferer der Welt den Ausstoß sogar um zwei Drittel. Damit hat Bosch einerseits Lieferengpässe im europäischen Markt behoben, in dem 85 % aller Dieselfahrzeuge verkauft werden. Andererseits erhöhen die Stuttgarter auch die Barrieren für die Konkurrenz.

"Bosch macht Delphi und Siemens VDO den Markteintritt sehr schwer", sagt Peter Schmidt vom britischen Autoinformationsdienst (AID). Delphi, eine Abspaltung von General Motors und weltweit der größte Autozulieferer, bietet seit vergangenem Jahr Dieseleinspritzsysteme an. Das Unternehmen ist jedoch bisher erst bei wenigen Modellen zum Zuge gekommen, so beim Renault Clio, bei Ford mit den Modellen Mondeo und Focus sowie bei einem Peugeot-Modell. Noch schwerer tut sich der deutsche Spätstarter Siemens VDO ebenfalls erst seit 2001 im Markt. Das Unternehmen hat bisher nur Aufträge von Ford für den Fiesta und von Peugeot für das Modell 307.

Bosch dominiert den stark wachsenden Markt seit 1996. Adam Collins, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney, schätzt, dass Bosch 2001 bei den Hochdruck-Dieseleinspritzsystemen einen Marktanteil von 85 % besaß. Siemens bringt es auf 6 und Delphi auf 5 %, die japanische Denso steuert den Rest bei. Und obwohl die Autohersteller die Konkurrenz unter ihren Zulieferern wollen, gewinnt Bosch trotz der monopolartigen Stellung auch noch neue Aufträge hinzu. Autoexperten begründen mit Boschs vielfältigen Beziehungen zur Autoindustrie, die Delphi und Siemens VDO nicht so leicht aufbrechen könnten. Ein Bosch-Sprecher verweist angtesichts neuer Order von BMW, Volvo oder Daimler-Chrysler auf die zweite Generation der Dieseleinspritzsysteme und die Erfahrung auch in der Produktion.

Bei Bosch genießt das Diesel-Geschäft Vorrang, der Konzern hat in den vergangenen Jahren 2,5 Mrd. Euro in neue Systeme investiert und verteidigt den Markt nach Kräften. Ein weiteres Zeichen für die Kampfbereitschaft der Stuttgarter: Auch beim Preis sei Bosch flexibel, heißt es in der Branche.

Noch nimmt Delphi den Konkurrenzkampf sportlich. "Bosch wird bei Diesel der König bleiben und Marktanteile nicht ohne Kampf abgeben", betont der US-Zulieferer. Er hatte die neue Dieseltechnologie verschlafen, mit der Übernahme der Lucas innerhalb von zwei Jahren aber einen schnellen Einstieg geschafft.

"Das war ein kluger Schachzug", lobt Automobilexperte Schmidt von AID. Delphi hat sich den Markteinstieg bereits weit mehr als eine Mrd. Euro kosten lassen. Siemens VDO arbeitet seit 10 Jahren am Einstieg in das lukrative Dieselsegment und will bis 2005 rund 300 Mill. Euro ausgegeben haben. Die hohen Investitionen in das Dieselsegment waren eine Ursache für die roten Zahlen von Siemens VDO im vergangenen Jahr. Derzeit kämpft das Unternehmen allerdings mit den steigenden Stückzahlen in der Produktion der anspruchsvollen Einspritzsysteme.

Die Produktionsziele klingen kühn: Delphi und Siemens VDO wollen bis 2005 etwa zwei Millionen Einspritzsysteme jährlich fertigen und einen Marktanteil jeweils zwischen 25 und 30 erreichen. Analyst Collins dagegen ist überzeugt, dass Bosch auch dann noch mehr als 50 % des Marktes beherrschen wird. Dabei dürfte Bosch den Markt besonders eifrig gegen den deutschen Konkurrenten Siemens VDO verteidigen, ist in der Branche zu hören.

Quelle: Handelsblatt

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