Delta und Air France betroffen: EU-Kommission macht Sky-Team Druck

Delta und Air France betroffen
EU-Kommission macht Sky-Team Druck

Die Luftfahrt-Allianz Sky-Team um Air France und Delta Airlines könnte schon bald der weltweit größte Verbund der Branche sein. Doch EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat erhebliche Bedenken gegen neue Expansionspläne. Schon jetzt dominiert der Airline-Pakt mehrere Transatlantik-Routen.

sce/kk BRÜSSEL/NEW YORK. Die EU-Kommission widersetzt sich den Expansionsplänen des Luftfahrtverbundes Sky-Team um Air France und Delta Airlines. "Eine Integration weiterer amerikanischer Fluglinien in diese Allianz könnte eine Genehmigung in Brüssel erheblich erschweren", sagte gestern ein Mitarbeiter von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti dem Handelsblatt. In Branchenkreisen gilt es als ausgemacht, dass die niederländische KLM sowie die US-Gesellschaften Northwest und Continental den Anschluss an das zweitgrößte globale Luftfahrtbündnis suchen. Delta Airlines kooperiert auf dem amerikanischen Markt bereits mit Continental und Northwest.

Derzeit gehören dem im Jahr 2000 gegründeten Sky-Team sechs Partner an. Außer Air France und Delta Airlines sind dies Alitalia, Aeromexiko, Korean Airlines und CSA Czech Airlines. Treten KLM und zwei weitere US-Linien dem Verbund bei, entstünde die weltweit größte Flugallianz am Himmel. "Bisherige direkte oder indirekte Wettbewerber auf den Strecken in die USA fallen dann aus", warnt ein EU-Beamter in Brüssel.

Die EU-Kommission hatte schon im März 2002 ein kartellrechtliches Prüfverfahren zu dem Airline-Pakt eingeleitet. Wie aus der Brüsseler Behörde verlautete, sollen Alitalia und Air France auf den Hauptstrecken zwischen Frankreich und Italien zu erheblichen Zugeständnissen an die Mitbewerber gezwungen werden.

Problematisch sind nach Überzeugung der Brüsseler Wettbewerbshüter auch die Transatlantikrouten. So halte Sky-Team auf den Strecken Paris-Atlanta und Paris-Cincinnati ein "Quasi-Monopol" von bis zu 95 % der Flüge. Monti wird dem Vernehmen nach von den Sky-Team-Migliedern verlangen, auf diesen Strecken Start- und Landerechte "in erheblichem Umfang" abzugeben. Ähnlich dominant agieren die Mitglieder von Sky-Team auf den Verbindungen Paris-Mexiko, Paris-Seoul und Paris-Prag. Wegen der geringeren Marktbedeutung gelten diese Routen bei den Prüfern der Kommission jedoch als "nachrangig". Northwest wollte sich zu den EU-Plänen nicht äußern.

Ein Vorbild für die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde zu Sky-Team dürfte das im vergangenen Oktober abgeschlossene Verfahren zur Star Alliance sein. Die Kommission hatte die Kooperation von Lufthansa, SAS und United Airlines auf den Transatlantik-Routen mit Auflagen genehmigt. So mussten die Allianzpartner auf lukrativen Verbindungen zwischen Frankfurt und den USA Startrechte an konkurrierenden Airlines abtreten.

Keine Bedenken hat die Kommission gegen die geplante Zusammenarbeit von British Airways (BA) und der belgischen SN Brussels Airlines auf insgesamt neun Routen zwischen Großbritannien und dem europäischen Kontinent. Lediglich auf der Strecke Brüssel-Manchester muss die neue Allianz Start- und Landerechte abgeben. Die Kommission will ihre Entscheidung zu SN/BA kommende Woche verkünden.

Monti hat den grundsätzlichen Verdacht, dass die Kooperationen in der Luftfahrt zu wettbewerbswidrigen Absprachen genutzt werden. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York hatte der EU-Wettbewerbskommissar jedoch die Prüfkriterien gelockert und eingeräumt, dass Luftfahrt-Verbünde ein geeignetes Mittel sein können, der Krise der Branche zu begegnen.

Quelle: Handelsblatt

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