Dem Bestseller der Kompaktklasse, dem VW Golf geht immer mehr die Puste aus
Neue Modelle drängen in die Kompaktklasse

Nach wie vor rangiert der VW Golf an der Spitze der Kompaktklasse. Doch die Konkurrenz ist mit alternativen Konzepten und pfiffigem Design mächtig auf dem Vormarsch. Auch beim Image macht sie Fortschritte.

pha DÜSSELDORF. In das Segment der Kompaktklasse kommt Bewegung. Noch führt der VW Golf die Zulassungsliste in Deutschland unangefochten an. Und auch der in diesen Tagen mit 21 517 415 gebauten Exemplaren aufgestellte Produktionsrekord zeigt, wie beliebt das klassenlose Automobil nach wie vor in unserer Gesellschaft ist.

Doch der Druck steigt. Immerhin geht das aktuelle Modell Golf IV in sein sechstes Lebensjahr. Und die Ablösung zieht sich noch bis Ende nächsten Jahres hin. Derweil schläft die Konkurrenz nicht. Mit alternativen Konzepten und pfiffigem Design macht sie dem Golf zusätzlich das Leben schwer. Zudem lässt die Markenloyalität spürbar nach, weil auch in anderen Autohäusern Modelle in guter Qualität von sich reden machen. Darüber hinaus sind sie auf dem Weg, sich ebenfalls den Nimbus der Klassenlosigkeit zu erobern.

Als einer der potentesten Verfolger des Golf hat sich der Peugeot 307 bereits bestens eingeführt. Mit mehr Länge, insbesondere aber mehr Höhe überragt der Franzose den Deutschen beträchtlich, was sich im spürbaren Zugewinn an Innenraum niederschlägt. Zu einem der härtesten Widersacher des Golf hat sich schon im letzten Jahr der Ford Focus herauskristallisiert, der mit seinen hervorragenden Fahreigenschaften den Wolfsburger Konkurrenten in seiner ureigenen Domäne in die Schranken weist, ja deutlich progressiver erscheint.

Druck kommt auch aus Italien, wo der Fiat Stilo Vorreiter für das unterschiedliche Design von Zwei- und Viertürer ist. Während der Zweitürer ausgesprochen sportlich auftritt, ist der Viertürer vor allem familienfreundlich mit mehr nutzbarem Raum durch mehr Länge und Höhe.

Einen ganz neuen Stil wird in diesem Herbst der neue Renault Mégan in die Kompaktklasse tragen. Die Zwei-Modell-Strategie kommt auch hier zum Einsatz. Der 4,20 Meter lange Viertürer erinnert vor allem von hinten an den avantgardistischen Vel Satis. Der Zweitürer wird dagegen in seiner coupéartigen Ausprägung formal mehr Dynamik zur Schau stellen.

Dass der Golf längst nicht mehr so viel Herzen erobert, liegt wohl auch daran, dass sich die Herren in Wolfsburg zu sehr auf das Image ihres Bestsellers verlassen und die Modellvielfalt vernachlässigt haben. Als die kompakten Hochdach-Limousinen quasi über Nacht im Kommen waren, und Modelle wie der Renault Scénic und der Opel Zafira die Nachfrage kaum bedienen konnten, ging dieses Geschäft mangels eines brauchbaren Angebots an Volkswagen vorbei.

Aber auch an einer anderen Stelle des Segments bläst die Konkurrenz zum Angriff: bei den Kombis. In vielerlei Hinsicht gilt diese Karosserie-Spezies heute als die bessere Limousine mit dem Image von jung und dynamisch und mit einer jüngeren Kundschaft. Nun werden die Kombis noch variabler und noch pfiffiger. Die französischen Hersteller, vornehmlich Peugeot, schlagen hier ein neues Kapitel auf. Im Peugeot 307 SW lassen sich bis zu sieben Personen unterbringen. Die Sitze können, je nach Bedarf, gedreht, verschoben oder versenkt werden. Und die Heckscheibe lässt sich separat öffnen - bislang ein Privileg teurerer Kombis oder Geländewagen.

Nicht zu vergessen die Mercedes A-Klasse. Nach ihrer tief greifenden Renovierung und der Einführung einer Langversion konnten die Stuttgarter eine erkleckliche Zahl von Golf-Fahrern zum Wechseln der Marke bewegen.

Selbst Opel hegt mit dem zukünftigen Astra mehr denn je die Absicht, dem Golf wieder ernsthafter die Stirn zu bieten. Die Strategie, die dieses Unterfangen bewerkstelligen soll, basiert auf drei ganz unterschiedlichen Karosserievarianten, die stilistische Glanzpunkte setzen sollen.

So versucht VW zum Ende des Modellzyklus des Golf IV noch mit einigen technischen Highlights aufzutrumpfen. Neben den sparsamen FSI-Motoren mit direkter Benzineinspritzung bereitet Volkswagen seinem Brot-und-Butter-Auto zu guter Letzt den Weg in die Hochleistungsecke. Mit sechs Zylindern, 240 PS und Allradantrieb mutiert der VW-Bestseller zum Wolf im Golf-Pelz. Er soll das Interesse an der Baureihe noch einmal beleben. Doch erst die fünfte Generation des Klassenbegründers wird zeigen, ob sich der Golf auch weiterhin gegen den immer stärker werdenden Wettbewerb behaupten kann.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%