Dem Energiehandel in Deutschland droht ein weiterer Imageverlust
RWE Trading erwägt Rückgabe der Banklizenz

Die RWE Trading GmbH will ihre am 13. August 2001 erhaltene Banklizenz möglicherweise nicht länger nutzen. Diese am Markt umlaufenden Gerüchte bestätigte ein Sprecher der auf den Energiehandel spezialisierten RWE-Tochter gegenüber dem Handelsblatt. Eine Banklizenz ist notwendig, um an der Strombörse spezielle Termingeschäfte zu vermitteln.

FRANKFURT/M. Grund der RWE-Überlegungen: Die in Deutschland geltenden Eigenmittel-Vorschriften machen das Vermittlungsgeschäft von Energie-Derivaten an der Leipziger Strombörse EEX nach Ansicht der Gesellschaft zu teuer. Energiehändler sollen nach Vorstellungen der Aufsichtsbehörden 12 % des relevanten Eigenkapitals hinterlegen. Den Unternehmen entgehen dadurch Zinsen, da dieses Kapital zur Anlage nicht mehr verfügbar ist.

Wegen dieser Problematik ließ die RWE Trading GmbH ihre im Jahr 2001 erhaltene Banklizenz praktisch ruhen. Jetzt hat das Unternehmen die zuständige Aufsichtsbehörde noch einmal auf die bestehende Problematik aufmerksam gemacht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) habe inzwischen Bereitschaft erkennen lassen, sich mit diesem die gesamte Branche betreffenden Problem intensiver auseinander zu setzen und nach einer Lösung zu suchen, hieß es bei RWE.

"Die derzeit geltenden Eigenmittel-Vorschriften bringen den Handel so gut wie zum Erliegen", sagt Ralf Schäfer von der RWE Trading GmbH, die aus dem Zusammenschluss der Handelsaktivitäten von RWE und VEW entstand. Ennergiehändler des Unternehmens sind bereits an vier Strombörsen vertreten. An den Handelsplätzen in Amsterdam, New York und Oslo gibt es weniger strenge Vorschriften.

Auch andere Unternehmen der Elektrizitätswirtschaft haben gegenüber der BAFin in Bonn zuletzt die Auffassung vertreten, dass die geforderte Eigenmittel-Unterlegung für das Vermittlungsgeschäft im Energiehandel nicht gelten sollten. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VdEW) argumentiert, der Umfang der geplanten Geschäfte sei zunächst so gering, dass eine Gefährdung der funktionsfähigen und stabilen Kreditwirtschaft kaum eintreten könne. Schließlich bedürfe nur ein geringer Teil der im Stromhandel getätigten Geschäfte - der VDEW schätzt diesen Anteil auf 3 % - einer Erlaubnis für reine Finanztransaktionen.

Grundsätzlich bestehe bei den Unternehmen der Elektrizitätswirtschaft zwar die Bereitschaft, sich den gesetzlichen Anforderungen im Hinblick auf den Abschluss und die Vermittlung derivativer Geschäfte zu stellen. Es müsse jedoch bedacht werden, dass sich dieser vergleichsweise neue Markt noch immer in der Aufbau- und Testphase befinde. Von den Aufsichtsbehörden sei daher eine hohe Flexibilität bei der Ausgestaltung des regulatorischen Umfeldes erforderlich, betonen die Unternehmen.

Die Behörde signalisiert Verständnis. "Wir überlegen in der Tat, wie wir eine risiko-adäquate Anpassung der Eigenmittel-Vorschriften im Vermittlungsgeschäft mit Energie-Derivaten finden können", sagte ein Sprecher der BAFin in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Das Amt werde dort Anpassungen vornehmen, wo sie geboten seien. Dabei werde die BAFin allerdings mit Sicherheit kein "Lex RWE" schaffen, sondern nach einer Lösung für den Gesamtmarkt suchen.

Die RWE Trading GmbH hat nach den Gesprächen mit der BAFin vor kurzem an der EEX ein kleines Vermittlungsgeschäft mit Strom-Futures getätigt, was eine automatische Verlängerung der Banklizenz bedeutete. Noch sei das Vermittlungsgeschäft von Energie-Derivaten für sein Haus ein recht kleines Geschäft, doch sehe man hier auf mittlere Sicht ein großes Potenzial, so der RWE-Sprecher.

Leipziger Energiehändler reagierten mit Erleichterung. "Wir dürfen das Aushängeschild RWE nicht verlieren", hieß es in der Messestadt. Die Broker fürchten für den Fall eines RWE-Rückzugs einen weiteren Imageverlust für den gesamten Energiehandel. "Ein Rückzug von RWE aus dem Derivate-Vermittlungsgeschäft wäre ein starker Verlust für Markt", sagt Mette Steinsland, Geschäftsführerin von Bergen Energi.

Beim BAFin besteht nach Angaben von Stromhändlern wohl die Angst, dass sich die großen Banken im Hinblick auf die Eigenmittel-Vorschriften gegen eine Ausnahmeregelung für Energieversorger wie RWE und andere stellen und gleiche Bedingungen für sich selbst beanspruchen könnten. "Für die Banken ist die Vermittlung von derivativen Transaktionen jedoch eine Art Brot-und-Butter-Geschäft", argumentieren verschiedenen Energiehändler. Kenner der Materie unterbreiten Lösungsvorschläge: Denkbar sei eine als "Testphase" zu verstehende Übergangsfrist von drei bis fünf Jahren, während der für Energiehändler wie RWE Trading und andere eine Befreiung oder Reduzierung der geltenden Vorschriften zur Eigenmittel-Hinterlegung gelten sollte.

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