Dem GfK-Chef macht es Spaß, die Aktie seines Unternehmens zu verkaufen
Klaus Wübbenhorst: Der dem Volk aufs Maul schaut

Jeden Monat eine neue Akquisition: Mit Elan treibt Wübbenhorst die Expansion von Deutschlands größtem Marktforscher voran. Zur Hauptversammlung hat er wieder zugeschlagen.

Klaus Wübbenhorst ist bescheiden. Zumindest, was die Größe seines Büros betrifft. Ganze 25 Quadratmeter gönnt sich der Vorstandsvorsitzende der Nürnberger GfK AG.

Wenn es freilich um seine Ziele geht, hört die Zurückhaltung des 45-Jährigen auf. "Ich bin einer, der antreiben möchte", formuliert er seine Rolle in Deutschlands führendem Marktforschungs-Unternehmen, "und keiner, der sich zurücklehnt."

In der Tat: Seit Wübbenhorst im Sommer 1992 GfK-Vorstand wurde, hat das Unternehmen "50 bis 60 Firmen gekauft" - ganz genau weiß der Chef es auch nicht. Seitdem hat sich der Umsatz verdreifacht, die Eigenkapitalquote versechsfacht und ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um das Zwanzigfache nach oben geschossen.

Am Dienstag dieser Woche, pünktlich zur Hauptversammlung am Donnerstag, schlug Wübbenhorst erneut zu: Die GfK hat 51 Prozent an dem portugiesischen Forschungsinstitut Metris übernommen. Die Anleger reagierten freundlich. Der Aktienkurs, der seit Anfang Juni schwächelt, zog spürbar an.

Wübbenhorst ist bekennender Börsenfan

Eine Genugtuung für den bekennenden Börsenfan Wübbenhorst. An der Wand hinter seinem Schreibtisch hängen die Zeugnisse seiner größten Tat für GfK: Vor zwei Jahren führte er das 1934 gegründete Traditionshaus an die Börse. Eine Werbung für die Zeichnung der GfK-Aktie, der Kursverlauf am ersten Handelstag und ein Brief der Frankurter Börse, in der sie die Aufnahme von GfK in den M-Dax, den Index der 70 größten Nebenwerte, bestätigt.

"Das war eine einschneidende Veränderung für unser Haus", erinnert sich Wübbenhorst an den Börsengang, den er maßgeblich mitgestaltet hat. "Ich hab? gezittert an dem Abend, als die Börse über die Aufnahme in den M-Dax entschieden hat."

Wübbenhorst ist im Unterschied zu den übrigen GfK-Vorständen kein gelernter Marktforscher. Um das Brot-und-Buttergeschäft - Daten sammeln, Umfragen machen, Prognosen erstellen - kümmert er sich nur am Rande. Vielmehr sieht er seine Aufgabe darin, "die GfK-Aktie zu verkaufen".

Das macht ihm offenbar Spaß: Wann immer es geht - allein 70 Mal im vorigen Jahr - , spricht der GfK-Chef mit Analysten und Investoren, versucht, dem Kurs Beine zu machen.

Vom klinkenputzenden Interviewer zum Vorstandschef

Gleichwohl weiß Wübbenhorst, was es heißt, dem Volk aufs Maul zu schauen. Anfang der 80er-Jahre putzte er als studentische Aushilfskraft für verschiedene Marktforscher viele Klinken. "In meinem ersten Interview ging es um die Bewertung von Baggern", erinnert sich Wübbenhorst an seine Studienzeit in Essen.

Doch auf solche Jobs war er nach seiner Promotion in Wirtschaftswissenschaften nicht mehr angewiesen. Beim Verlagskonzern Bertelsmann stieg er schnell auf. Schon mit 31 führte er in Wien eine Druckerei mit 250 Mitarbeitern. Dann, mit 35, wurde Wübbenhorst Vorstand eines sächsischen Druckmaschinen-Produzenten - bevor er kurz darauf nach Nürnberg wechselte.

In Franken hat Wübbenhorst noch einiges vor: Von rund 480 Millionen Euro im Jahr 2000 will Wübbenhorst den Umsatz in diesem Jahr auf 550 Millionen Euro steigern - mit der jüngsten Akquisition in Portugal ist er diesem Ziel ein Stück näher gekommen. "Übernahmen sind ein Gebot der Stunde", betont der Gfk-Chef, weltweit würden die Großen der Branche ihre Stellung ausbauen. Und sein Unternehmen will - nein, verbessert er sich - , muss beim Kampf um die vorderen Plätze mit dabei sein. Jede zweite seiner vielen Reisen, erzählt Wübbenhorst, führe ihn inzwischen ins Ausland.

Das morgendliche Jogging ist Programm

Ob Hydepark oder Central Park, Alster oder Spreeufer, das morgendliche Jogging lässt sich der schlanke Mann mit dem kurz geschorenen Haar nirgendwo nehmen. "Die Hälfte meines Gepäcks ist Laufausrüstung", unterstreicht Wübbenhorst, der daheim in Nürnberg vier Mal die Woche schon um halb sieben morgens durch die Stadt trabt. Um diese frühe Zeit kann der Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer Nürnberg dann - quasi im Nebenjob - beobachten, was sich in der Frankenmetropole verändert.

Trotz der weltweiten Ambitionen von GfK steht für Wübbenhorst außer Frage, dass er sich immer dort engagiert, wo er gerade lebt. Falls sich sein Unternehmen weiterhin so dynamisch entwickelt wie zuletzt, dürfte das noch für einige Zeit Nürnberg sein.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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