Dem Kunden wird der Vergleich vor Ort möglich
Absatzchancen im Ausland nutzen

Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa ist Leasing zunehmend gefragt. Dabei begleiten immer mehr inländische Leasinggesellschaften mit ihrem spezifischen Know-how die deutschen Unternehmen bei ihrer Expansion im Ausland. Auch Sprach- und Rechtsbarrieren werden für den Investor beseitigt.

BAD HOMBURG. Semper idem - immer dasselbe. Dies ist das Erfolgskonzept eines traditionsreichen mittelständischen Kräuterlikörproduzenten. Egal in welchen Land Sie Underberg bestellen, egal in welchem Land er produziert wurde, es ist immer das gleiche Rezept. Nicht ganz so einfach haben es die europäischen Regierungen der Leasingwirtschaft gemacht. Vor 50 Jahren gründeten sich die ersten auf Leasing spezialisierten Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Anfang der 60-er Jahre eroberte die Idee auch Europa. Aber Leasing wird zurzeit noch sehr unterschiedlich interpretiert. Als Leasing nach und nach eingeführt wurde, kümmerte sich jedes Land selber um die Einbettung in das jeweilige Rechtssystem. So unterschiedlich die steuerliche und rechtliche Behandlung der Finanzierungsalternative in den Ländern war, so unterschiedlich war auch die Geschwindigkeit von Akzeptanz und Verbreitung.

Die Vorzeichen für Leasing stehen nicht nur in Deutschland auf Plus. Auch das europäische Leasing- Gesamtvolumen lag 2000 mit etwa 178 Mrd. Euro auf Höchstniveau. Unter anderem zwingt in Zukunft Basel II dazu, Alternativen zum Kredit konsequenter in die Finanzplanung einzubeziehen.

Leasingmodelle auf die jeweilige Landessituation abgestimmt

Für international orientierte Unternehmen, die außerhalb Deutschlands Direktinvestitionen planen oder ein verkaufsförderndes Instrument für die Vermarktung ihrer Produkte in Europa einsetzen wollen, kann Leasing die richtige Finanzierungsalternative sein. Doch mühsam erscheint der Weg, in jedem Land erst einmal die tatsächlich gelebten Vorteile des Leasings zu erkennen. Insoweit muss jedes Leasing-Geschäft nach den Regeln eines jeden Landes strukturiert werden. Das spricht dafür, sich an internationale Netzwerke zu wenden, die eine Lösung vor Ort erarbeiten. Partner also, die mit entsprechendem Spezial-Know-how die verschiedenen Ländersituationen in ein tragfähiges, vorteilhaftes Leasing-Modell ummünzen können.

Diese von Deutschland aus initiierten Netzwerke gibt es schon heute. Sprach- und Rechtsbarrieren werden dem deutschen Investor genommen. Der Kunde kann ein vergleichbares Angebot vor Ort erhalten - ohne Währungs- und Rechtsrisiko. Investitionen für die Betriebsmittel vor Ort werden von den Spezialisten arrangiert. Es reicht von der Werkzeugmaschine über Produktionsstraßen bis hin zu den Fahrzeugflotten für die Distribution der Produktion. Der oberitalienische Druckereibetrieb nutzt die deutsche Druckmaschine genau so gern wie der polnische Joghurtproduzent sich eine italienische Anlage zur Verfügung stellen lässt. Wird ein Leasing-Partner in Übersee gesucht, helfen zudem Vereinigungen wie die internationale MultiLease-Organisation.

Risiken nicht übersehen

Wie sieht das konkret aus? Beispiele finden sich in Mittel- und Osteuropa, die Region der Welt, die in den nächsten Jahren nach wie vor gute Wachstumsraten verspricht. Die Ausgangsbedingungen in diesen Märkten sind gut, durch die geographische Lage und die traditionellen Verbindungen hat die deutsche Wirtschaft gegenüber anderen Industrieländern einen Wettbewerbsvorteil in dieser Region. Bei aller Euphorie dürfen jedoch die Risiken, die in diesen Volkswirtschaften gerade für die Finanzindustrie vorhanden sind, nicht übersehen werden.

Bei dem Prozess des Übergangs in marktwirtschaftliche Systeme gibt es zwischen den einzelnen Ländern Mittel- und Osteuropas noch starke Differenzen. Entsprechend unterschiedlich verläuft die wirtschaftliche Entwicklung; so ist diese in Ungarn, Tschechien, Polen, Estland und der Slowakei am weitesten fortgeschritten, im Mittelfeld befinden sich zum Beispiel die Länder Rumänien und Bulgarien, die hinter den reformpolitischen Errungenschaften der Länder zurückgeblieben sind. Das Schlusslicht bilden die GUS-Länder, dabei dürfte Russland trotz aller Probleme noch am besten abschneiden.

Für den Aufbau und die Modernisierung dieser Volkswirtschaften ist Leasing ein ideales Instrument bei der Realisierung von Investitionen. Während in den 80-er- und frühen 90-er-Jahren diese Art von Investitionen noch fast ausschließlich über Cross-Border-Transaktionen darstellbar waren, hat sich die Situation zunehmend gewandelt. Je weiter die Länder Ost- und Mitteleuropas in ihrem Reformprozess und in dem Aufbau eigener lokaler Finanz-Infrastruktur voranschreiten, desto mehr wird die Frage nach einem inländischen Angebot laut, denn auch hier gilt das Prinzip der Nähe zum Kunden als eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg.

Für deutsche Exporteure bieten sich Vertriebsleasing-Konzepte zur Verwirklichung der erweiterten Absatzchancen mit inländischem Partner an. Denn oftmals ist zwar Kaufinteresse für das Produkt vorhanden ist, doch wegen der Marktgegebenheiten fehlt die entsprechende Finanzierungsalternative.

Typische Probleme für das Leasing in diesen Ländern sind gegenwärtig weiterhin hohe, wenn auch fallende Inflationsraten und Zinssätze, keine bzw. geringe Refinanzierungsmittel - insbesondere mittel- und langfristiger Art -, ein noch ineffizientes Bankensystem, ein unsicheres und sich ständig veränderndes zivilrechtliches und steuerrechtliches Umfeld verbunden mit einer nicht ausreichend vorhandenen Rechtspraxis. Gerade beim Quervergleich der rechtlichen und steuerrechtlichen Regelungen in den betrachteten Ländern, aber auch im Zeitverlauf innerhalb einzelner Länder, zeigt sich die Komplexität von Leasing bei unterschiedlichen Interpretationsansätzen und in der Flut von Gesetzesänderungen, die jedenfalls teilweise im Hinblick auf ein gemeinsames Europa angepasst werden. Hierbei spielen sicherlich auch die Meinungen und Aussagen westlicher Regierungsberater eine Rolle, die, je nach Herkunft und Wissensstand, "Leasing" unterschiedlich interpretieren.

Beim Finanz-Leasing fordert beispielsweise das tschechische Steuerrecht eine Mindestvertragsdauer von 20 % der Abschreibungszeit oder mindestens 36 Monate. Um einen Vertrag als Finanz-Leasingvertrag bezeichnen zu können, muss der Leasing-Gegenstand nach Ablauf des Vertrags an den Leasing- Nehmer verkauft werden - sofern während der Laufzeit alle Leasing- Bedingungen erfüllt worden sind. Die Steuerbehörden in Ungarn interpretieren Verträge, die eine Kaufoption beinhalten dagegen als verdeckten Kauf - und alle potenziellen Vorteile werden nachträglich revidiert.

Schließlich räumt das tschechische Recht noch eine Steuerstundung unter der folgenden Bedingung ein: Wenn die Leasing-Vertragsdauer 40 % der Abschreibungsdauer abdeckt, darf der Leasing-Geber 90 % des Abschreibungswertes und bei einer Leasing-Dauer von 50 % der AfA-Zeit den Gegenstand sogar voll abschreiben. Die Folge: Bei Leasing von Gütern wie z. B. Industriemaschinen und Lkw mit acht Jahren und Schiffen mit 15 Jahren AfA kann die AfA-Zeit faktisch halbiert werden. Diese Regelung erlaubt es den Unternehmen, eine rasche und steuerlich wirksame Entschuldung vorzunehmen - sofern Liquidität und Ertragskraft ausreichen.

Vor allem die Verbindungen vor Ort, Kenntnisse der rechtlichen Situation, Erfahrungen mit lokalen Unternehmen, die Sicherheitenstellung, die Erschließung des nationalen Kapitalmarktes sowie die Bereitstellung einer Infrastruktur bilden dabei wesentliche strategische Vorteile für Leasing-Gesellschaften vor Ort. Gepaart mit der Kenntnis über die Bedürfnisse des deutschen Mittelstands können sie in ihren europäischen Märkten einen hochwertigen Service bieten, der aus den Erfahrungen am deutschen Markt resultiert. Egal ob die Realisierung von Eigeninvestitionen zur Frage steht oder die Unterstützung im Absatzbereich.

Aus einem bisher internationalen Geschäft, das durch Sprach- und Vertragsprobleme sowie Zahlungsrisiken komplex war, kann mit Hilfe einer starken inländischen Leasing- Gesellschaft ein Geschäft werden, das weitgehend problemlos zu handhaben ist. Dabei werden vor allen Dingen die landesspezifischen Vorteile genutzt und die zum Teil gravierenden Nachteile, die in grenzüberschreitenden Transaktionen begründet liegen, eliminiert.

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Wolfgang A. Eck, Leiter Unternehmenskommunikation der Deutschen Leasing AG, Bad Homburg

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